Gesetz zur Energiewende: Jeder Haushalt soll 13 Euro extra pro Jahr zahlen

Die schwarz-gelbe Regierung wälzt weitere Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien auf die Verbraucher ab. Der Bundestag beschloss entsprechende Änderungen. Für einen Durchschnittshaushalt entstehen dadurch pro Jahr rund 13 Euro Mehrbelastung - dazu kommen Strompreiserhöhungen.

Stromzähler: Verbraucher werden zur Kasse gebeten Zur Großansicht
dapd

Stromzähler: Verbraucher werden zur Kasse gebeten

Berlin - Verbraucher müssen künftig noch mehr für den Ausbau erneuerbarer Energien zahlen. Der Bundestag hat entsprechende Änderungen des Energiewirtschaftsgesetzes beschlossen. Unter anderem soll der Bau von Windkraftanlagen auf hoher See durch einen Beitrag der privaten Haushalte beschleunigt werden. Die Verbraucher werden so für Pannen und Verzögerungen bei der Errichtung von Offshore-Anlagen haften.

Zudem werden sie an Zusatzkosten für unrentabel gewordene Gaskraftwerke beteiligt, die zur Vermeidung von Blackouts am Netz bleiben sollen. Die Übertragungsnetzbetreiber sollen mit der Bundesnetzagentur bis Ende März 2013 eine Liste systemrelevanter Netzwerke erstellen, die nicht abgeschaltet werden dürfen. Das könnte bis zu 287 Millionen Euro pro Jahr kosten und soll vom Winter 2013/2014 an greifen. Zudem bekommen energieintensive Firmen künftig Geld, wenn ihnen eine bestimmte Menge Strom bei Engpässen innerhalb von Sekunden von den Netzbetreibern abgestellt werden darf.

All diese Entscheidungen kosten einen Durchschnittshaushalt pro Jahr rund 13 Euro. Diese Mehrkosten setzen sich wie folgt zusammen:

  • Die Sonderumlage durch die Offshore-Haftungsregelung soll die Bürger maximal 0,25 Cent je Kilowattstunde kosten - bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3500 bis 4000 Kilowattstunden wären es also neun bis zehn Euro.
  • Das Abschaltverbot für Kraftwerke kostet etwa 1,55 Euro pro Jahr.
  • Die Belohnung von Firmen, die sich bei Engpässen vom Netz nehmen lassen, dürfte laut Wirtschaftsministerium mit rund zwei Euro pro Jahr zu Buche schlagen.

Hinzu kommt, dass der Strompreis im Januar bereits um im Schnitt zwölf Prozent steigt. Das wiederum bedeutet für einen Durchschnittshaushalt mit vier Personen und einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zusätzliche Belastungen in einer Größenordnung von rund 125 Euro. Anders als beim Ausbau von Atom- und Kohlekraft werden die Kosten für die Umstellung auf Wind- und Solarstrom direkt über die Stromrechnung abgerechnet - und nicht über steuerfinanzierte Milliardensubventionen.

mmq/dpa/Reuters

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Egal
meinmein 29.11.2012
Diese 13 Euro machen mir gar nichts aus. Die spare ich beim nächsten Autokauf locker wieder ein. Wer kein Auto kauft, gibt nächstes Mal bei Aldi halt 13 Euro weniger aus.
2.
günter1934 29.11.2012
Zitat von sysopdapdDie schwarz-gelbe Regierung wälzt weitere Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien auf die Verbraucher ab. Der Bundestag beschloss entsprechende Änderungen. Für einen Durchschnittshaushalt entstehen dadurch pro Jahr rund 13 Euro Mehrbelastung - dazu kommen Strompreiserhöhungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/gesetz-zur-energiewende-bringt-weitere-kosten-fuer-verbraucher-a-870073.html
Wenn man 10 Monate vor der Bundestagswahl mit solchen Gesetzen kommt, die den Bürger ausser der erhöhten EEG-Umlage nochmal zur Kasse bitten, da kann man wohl annehmen, irgendetwas stimmt mit der Energiewende nicht. Oder mit anderen Worten, wie es hier schon jemand sagte, da ist offenbar schon Feuer unterm Dach.
3. Vorsorge- & Sozialstaat neu definiert, die 5.
perlentaucher2345 29.11.2012
Den Eindruck, dass unsere tolle »Regierung« bzgl. der Energiewende eine »Strategie des erfolgreichen Scheiterns« fährt, bzw. alles zu tun scheint, dass die Energiekonzerne bzgl. der künftigen Stromversorgung schön das Heft in der Hand behalten und genausoschön ihre Märchenprofite einfahren können wie weiland mit ihren AKW, habe nicht nur ich nicht erst seit gestern. Bzgl. der Frage, ob die Regierung damit vllt. auch zu erreichen hofft, dass der Bürger morgen wieder nach dem sagenhaften »billigen Atomstrom« ruft, kann man nur sagen: nobody knows. Hoffentlich aber kann man angesichts des Eondrucks, dass die dt. Regierung die im Ausland mit grossem Interesse wahrgenommene Energiewende den Interessen von Konzernen - & natürlich auch potentiell denen des einen oder anderen Angehörigen der »politischen Klasse« - unterordnet wenn nicht opfert, sagen, dass sich das Ausland dieses Gehampel von Politik & Industrie genauestens ansieht und seine Schlüsse hinsichtlich der Bewertung der in unserer ggw. pol. & ökon. »Elite« vorzufindenden Kompetenzen & Interessen zieht. Wieso hört man von Herrn Töpfer so gar nichts mehr, der noch vor einem guten Jahr so überschwänglich die unzähligen Initiativen zur Errichtung dezentraler, auf bürgerschaftlicher Ebene fussenden Energiegewinnung gefeiert hatte? Aber wie auch immer: Allmählich reicht es mir, mir diese neue Variante von durch die ggw. Bundesregierung veranstalteter Umverteilungs- & Subventionspolitik zugunsten von Industrie & Energiewirtschaft auch noch vorsetzen zu lassen. Ich wünschte zu erfahren, ob & ggf. welche Möglichkeiten auf pol. und oder juristischer Ebene bestehen könnten, gegen diese Art verkorkster »Politik« vorzugehen.
4.
stimmvieh_2011 29.11.2012
Wer glaubt, dass es mit rot-grün anders laufen würde, ist hoffnungslos naiv! Die Energiewende ist ein Projekt, das wider aller wirtschaftlichen Vernunft durchgedrückt werden soll. Beim Betrieb der AKWs hat der Verbraucher letztlich auch sämtliche Risiken getragen, das fiel nur nicht, da die Gelder nicht vor Eintritt Risiken (Endlagerung bzw. GAU) geflossen wären. Bei der Energiewende im Schweinsgalopp mit einer EEG Umlage, die außer Rand und Band läuft, treten die Risiken sofort ein und das Geld wird sofort fällig. Der Vorrang für Ökostrom muss fallen, oder es muss die Möglichkeit geschaffen werden, das Privathaushalte ihren Strom im Ausland beziehen können, wo er billiger produziert wird.
5. 13€ mehr
andreas4711 29.11.2012
selber schuld wer zu faul ist sich den guenstigsten Anbieter heraus zu suchen es gibt in der EU nicht so viele Laender wo dies moeglich ist sonnige gruesse der spanier
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Energiewende: Stromautobahnen für Deutschland

EEG-Umlage
Was ist die EEG-Umlage?
Die EEG-Umlage ist das zentrale Förderinstrument für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind-, Solar- und Biogasanlagen können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren. Damit sie trotzdem rentabel sind, wird solchen Kraftwerken der Strom zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Preis an der Strombörse EEX. Die Differenz von Börsenpreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Warum steigt die EEG-Umlage?
Das hat zwei Gründe. Erstens, weil die absolute Menge des Ökostroms steigt. Durch die Energiewende gehen eine große Menge neuer Ökostromanlagen ans Netz. Zweitens steigt die EEG-Umlage auch relativ. Das hat paradoxerweise mit sinkenden Strompreisen zu tun. Die erneuerbaren Energien erhöhen das Stromangebot in Zeiten großer Nachfrage und senken dadurch den Strompreis an der Börse. Wenn aber der Strompreis sinkt, dann steigt die Differenz zwischen dem tatsächlichen Strompreis und dem fixen Abnahmepreis, den Betreiber von Ökostromanlagen garantiert bekommen - und die Verbraucher per EEG-Umlage ausgleichen müssen.
Zahlen alle Verbraucher die EEG-Umlage?
Im Prinzip ja. Allerdings werden ausgerechnet die größten Stromfresser der Nation entlastet. Sie genießen den Schutz der sogenannten besonderen Ausgleichsregel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Laut dieser zahlen Firmen die volle EEG-Umlage nur für die ersten eine Million Kilowattstunden Strom, die sie verbrauchen. Für jede weitere Kilowattstunde zahlen sie nur noch zehn Prozent der EEG-Umlage, ab einem Verbrauch von zehn Millionen Kilowattstunden ist es nur noch ein Prozent, ab einem Verbrauch von 100 Millionen Kilowattstunden sind es noch 0,05 Cent. Beispiel: Die Trimet Aluminium AG verbraucht bei voller Auslastung 4,6 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr*. Die Aluminiumhütte muss also nur für rund 0,02 Prozent ihres Gesamtverbrauchs die volle EEG-Umlage zahlen.
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Grafiken: Warum die Deutschen wechselfaul sind

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Die Stiftung Warentest zeigt, welche Einstellungen bei der Tarifsuche wichtig sind
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
Lange ging das gar nicht. Inzwischen bestehen in einigen Fällen auch hier alternative Angebote.