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Gesundheitsreport: Kassenpatienten fühlen sich schlecht behandelt

Mehr als jeder zweite Arzt hat aus Kostengründen schon auf Behandlungen verzichtet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Allensbach-Instituts und des Finanzdienstleisters MLP. Im internationalen Vergleich schneidet das deutsche Gesundheitssystem schlecht ab.

Untersuchung: Einem Patienten wird von einer Ärztin das Herz abgehört Zur Großansicht
DPA

Untersuchung: Einem Patienten wird von einer Ärztin das Herz abgehört

Hamburg - Viele gesetzlich Versicherte kennen diese Probleme: Erst ist es schwierig, einen baldigen Termin beim Arzt zu bekommen. Dann wartet man stundenlang im Wartezimmer. Und hinterher bleibt die Frage: Habe ich die bestmögliche Behandlung bekommen?

Mehr als jeder dritte Patient hat den Eindruck, dass ihm schon einmal aus Kostengründen bestimmte Behandlungen oder Medikamente verweigert wurden. Das geht aus einer Gesundheitsstudie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP hervor.

Bei dem mulmigen Gefühl gibt es große Unterschiede zwischen den Versicherten. Während 38 Prozent der gesetzlich Versicherten Einschränkungen bei der Behandlung wahrgenommen haben, sind es nur neun Prozent der Privatpatienten.

Das Gefühl der Kassenpatienten wird durch die Angaben der Mediziner bestätigt. 55 Prozent der befragten Ärzte gaben an, aus Kostengründen schon auf Behandlungen verzichtet zu haben, die aus ihrer Sicht angeraten gewesen wären. Mehr als jedem zehnten Mediziner passiert das sogar häufig. Vier von zehn Ärzten jedoch nie.

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Grafiken: Zentrale Ergebnisse des Gesundheitsreports
Auch für die Zukunft befürchten viele Menschen Einschränkungen bei der Behandlung. So haben 42 Prozent der Deutschen Angst, im Krankheitsfall eine notwendige Leistung nicht verschrieben zu bekommen. Möglicherweise ist das ein Grund dafür, dass Kassenpatienten weiterhin ein großes Interesse an privaten Zusatzversicherungen haben.

Weitere zentrale Ergebnisse des Gesundheitsreports sind:

  • Das deutsche Gesundheitswesen hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Zwar halten 70 Prozent der Bundesbürger die Leistugsfähigkeit des System für gut oder sehr gut. Doch Niederländer, Schweden und Schweizer bewerten die Versorgung in ihren Ländern besser. Zudem machen sie sich bei Krankheiten weniger Sorgen um die Behandlung. Jeder zweite Deutsche ist der Meinung, dass sich die Qualität der Gesundheitsversorgung in den vergangenen Jahren verschlechtert hat.
  • Die Kritik an der Gesundheitsreform der Regierung ist groß. Zwar soll unter anderem der Beitragssatz ab Januar angehoben werden, zudem sind einkommensunabhängige Zusatzbeiträge vorgesehen. Doch 75 Prozent der Bundesbürger und 93 Prozent der Ärzte zweifeln daran, dass so die Finanzierung des Systems für längere Zeit sichergestellt werden kann.
  • Über 70 Prozent der Bürger und Ärzte halten im Zuge der Reform die Lasten für ungerecht verteilt - ein Großteil sieht vor allem die Pharmabranche verschont und die Versicherten zu stark belastet.
  • Gründe für die finanziellen Probleme der gesetzlichen Krankenkassen werden vor allem in überhöhten Medikamentenpreisen und der demografischen Entwicklung gesehen. Mehr als jeder zweite Patient glaubt aber auch, dass viele Deutsche häufig unnötig zum Arzt gehen. Bestätigt wird diese Einschätzung von 70 Prozent der Ärzte.

Für den MLP-Gesundheitsreport wurden rund 1800 Bundesbürger und mehr als 500 Ärzte sowie erstmals repräsentative Bevölkerungsteile in den Niederlanden, Schweden und der Schweiz befragt.

wit

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1. *
KarlKäfer, 25.11.2010
Zitat von sysopMehr als jeder zweite Arzt hat aus Kostengründen schon auf Behandlungen verzichtet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Allensbach-Instituts und des Finanzdienstleisters MLP. Im internationalen Vergleich*schneidet*das deutsche Gesundheitssystem schlecht ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,731134,00.html
Dabei tönt die schwarz-gelbe Chaostruppe, mitsamt ihrem Konfirmantengesundheitsminister, doch immer etwas von: Das Beste auf der Welt ?
2. wer
CHANGE-WECHSEL 25.11.2010
Zitat von sysopMehr als jeder zweite Arzt hat aus Kostengründen schon auf Behandlungen verzichtet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Allensbach-Instituts und des Finanzdienstleisters MLP. Im internationalen Vergleich*schneidet*das deutsche Gesundheitssystem schlecht ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,731134,00.html
Wer hat eigentlich die FDP gewählt und was haben diese verirrten Wähler sich nur dabei gedacht diese Neoliberale Klientelpartei zu wählen. Eigentlich müssten man außer von der FDP auch von dieses ungebildeten FDP Wähler Regress fordern!
3. Stimmungsstudie
miclaus81, 25.11.2010
Naja, die Studie fängt im Grunde nur die Stimmung der Bevölkerung und der Ärzte ein und sagt objektiv wenig zum Gesundheitssystem aus. Wie fundiert kann denn der Bürger einschätzen, ob die Finanzierung solide ist oder nicht? In den Ergebnissen spiegelt sich die in den vergangenen Monaten zu beobachtende eher negativ geprägte Debatte zum Gesundheitssystem wider. Man hört ja immer, dass es nur Probleme gibt und es überhaupt immer bergab geht im Gesundheitswesen. Ich will das System nicht schönreden, sehe es persönlich ähnlich, aber was sagt die Studie aus, außer dass sich die Medienmeinung nach wie vor gut auf die Massen überträgt? Der Vergleich mit anderen Nationen hinkt wegen der vollkommen anderen Medienberichterstattung bzgl. des Gesundheitswesens hinterher. Insgesamt also mit Vorsicht zu genießen! Solche Studien kann man aber natürlich politisch für alles mögliche einsetzen um eine gewisse Scheinobjektivität zu wahren. Zumindest solange, wie sich der Laie Stimmungsstudien als Studien zum objektiven Ist-Zustand verkaufen lässt.
4. Komisch?
hook123 25.11.2010
Zitat von sysopMehr als jeder zweite Arzt hat aus Kostengründen schon auf Behandlungen verzichtet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Allensbach-Instituts und des Finanzdienstleisters MLP. Im internationalen Vergleich*schneidet*das deutsche Gesundheitssystem schlecht ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,731134,00.html
Erst haben alle ihr Kreuzchen bei Merkel für die Zweiklassenmedizin gemacht und jetzt wird gemeckert. Da versteh einer den Plebs. Wir sollten unserer Kanzlerin dankbar sein, dass sie den einfachen Menschen die Möglichkeit einräumt sozialverträglich früh abzuleben
5. -
semper fi, 25.11.2010
Zitat von sysopMehr als jeder zweite Arzt hat aus Kostengründen schon auf Behandlungen verzichtet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Allensbach-Instituts und des Finanzdienstleisters MLP. Im internationalen Vergleich*schneidet*das deutsche Gesundheitssystem schlecht ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,731134,00.html
Das dürfte eine Mischung aus Einbildung und Wahrheit sein. Einbildung, weil doch die gesamte Medienlandschaft auf das deutsche Gesundsheitswesen schiesst, ein sich selbst erfüllende Prophezeiung also. Wahrheit ist, dass das Kassen(un)wesen kaputt verwaltet ist. Und das Ganze garniert mit einem Minister, der nun auch nicht gerade eine Geistesleuchte ist.
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