Konsumklima auf Höchststand Ich kauf mir was, kaufen macht so viel Spaß

Eurokrise, Ukraine-Konflikt, Krieg in Syrien - war da was? Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland ist so gut wie zuletzt im Jahr 2001: Shoppen ist in, Sparen out.

Altmarkt-Galerie in Dresden (Archiv): Stärkste Anschaffungsneigung seit acht Jahren
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Altmarkt-Galerie in Dresden (Archiv): Stärkste Anschaffungsneigung seit acht Jahren


Nürnberg - Deutschlands Bevölkerung ist im Shoppingfieber und scheint sich ganz an ihrem Lieblingsbarden Herbert Grönemeyer zu orientieren, der schon 1983 sang: "Ich könnt im Angebot ersaufen, mich um Sonderposten raufen, hab' diverse Kredite laufen, oh was geht's mir gut." Die jüngste Auswertung des GfK-Instituts zum Konsumklima untermauert diesen Trend. Die Verbraucher sind demnach in einer solchen Kauflaune wie seit mehr als 13 Jahren nicht. Der fallende Ölpreis und die Aussicht auf steigende Einkommen heben die Stimmung, wie die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mitteilte.

Das von der GfK für Februar erhobene Konsumklima stieg um 0,3 Punkte auf 9,3 Zähler und erreichte damit den höchsten Wert seit November 2001. Bankvolkswirte hatten zwar mit einem Anstieg gerechnet, aber nur auf 9,1 Zähler.

Während zahlreiche internationale Krisen die Stimmung der Verbraucher im vergangenen Herbst noch etwas trübten, hat sich die Lage seit dem Winter grundlegend geändert. "Der Auslöser ist die Entwicklung der Ölpreise", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Der rasante Einbruch der Ölpreise habe eine Kette positiver Entwicklungen ausgelöst.

Sparneigung auf Rekordtief

Weil Verbraucher weniger Geld für Benzin und Heizöl ausgäben, stiegen die verfügbaren Einkommen und sorgten für die stärkste Anschaffungsneigung seit acht Jahren, hieß es weiter. Im Gegenzug sei die Sparneigung der Deutschen auf ein Rekordtief gefallen, so Bürkl. Außerdem zeigte die GfK-Umfrage, dass die Verbraucher auch in den kommenden Monaten mit einem Aufschwung in der deutschen Wirtschaft rechnen.

Ausschlaggebend für die positive Entwicklung der Konsumstimmung ist die Tatsache, dass die Ölpreise seit dem vergangenen Sommer um mehr als die Hälfte eingebrochen sind. Die günstigen Energiepreise wirken nach Einschätzung des GfK-Experten Bürkl gemeinsam mit der deutlichen Abwertung des Euro wie ein Konjunkturprogramm für die deutsche Wirtschaft. "Sicherlich wird die Abwertung des Euro von den Verbrauchern positiv bewertet, weil es unsere Exporte stärkt und damit Arbeitsplätze sicherer macht", sagte Bürkl.

Die GfK-Umfrage zeigt außerdem, dass die niedrige Inflation eine Triebfeder für die gute Konsumstimmung ist. "Die Abwesenheit von Inflation ist aus Sicht des Verbrauchers zunächst eine positive Entwicklung", so Bürkl.

Zuletzt war die Teuerung in Deutschland im Dezember wegen der fallenden Ölpreise auf nur noch 0,2 Prozent gesunken, Tendenz weiter fallend. Mögliche Deflationsgefahren spielen in den Überlegungen der Verbraucher nach Einschätzung des GfK-Experten derzeit keine größere Rolle.

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Gefährlicher Preisverfall: Wie Deflation entsteht
Allerdings warnte GfK-Experte Bürkl vor möglichen Rückschlägen bei der Konsumlaune. Vor allem eine Verschärfung der Ukraine-Krise könnte für einen Dämpfer sorgen. Dagegen hatten die vorgezogenen Parlamentswahlen in Griechenland noch keinen Einfluss auf das Umfrageergebnis, weil die Befragung zum Zeitpunkt des Urnengangs bereits abgeschlossen war.

Die Entwicklung in Griechenland könnte sich aber zu einem Problem für die Konsumlaune entwickeln: "Wenn die Verbraucher die Gefahr sehen, dass sie beispielsweise durch einen Schuldenschnitt finanziell belastet werden, könnte das die Konsumlaune eintrüben", sagte Bürkl.

yes/dpa



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Seite 1
akao_88 28.01.2015
1. Der Sparer ist an Ende immer der Verlierer.
Nun haben es auch die Letzten gemerkt: Der Sparer ist immer der Dumme. Momentan ist die Inflation höher als der Zins auf dem Tagesgeld. Also ist es wirtschaftlicher das Geld asap auszugeben. Das ist ein Investment min mindestens 2 bis 3% Ertrag. Ich persönliche glaube an Ende Inflation von eher 5%. Zumindest aus due Mieten in Reutlingen bei den WGs um 10% gestiegen. Vor 2 Jahr kostete eine Tafel. Milka 90C, vor einen Jahr 1 Euro und nun 1,09 Euro. Wer da noch an eine Inflation von nur 2 bis 3% glaubt...
attatroll1 28.01.2015
2. So ein Blödsinn
Das hat mit Konsumlaune nichts zu tun, sondern damit, dass die Sparguthaben von Enteignung bedroht sind. Bevor das Geld für Bankenrettung oder Staatsschulden gestohlen wird, geben die Leute es lieber selber aus und gönnen sich noch einmal etwas. Ist übrigens auch gut möglich, dass dabei etwaige Rücklagen für's Alter mit ausgegeben werden, weil die Bürger erkannt haben, dass diese ihnen sowieso später von der Grundsicherung abgezogen werden.
politik2.0 28.01.2015
3. War da was?
Na klar war da Was! Die EZB ist dabei den Euro in eine Lira2.0 umzuwandeln, da bleibt nur noch Eins...raus damit bevor es noch schlimmer wird.
mariowario 28.01.2015
4. Die wissen warum…
Wie Pispers schon sagte: 'Am Ende bleibt nur GruSi (Grundsicherung) - egal wieviel Rente eingezahlt wurde.' Entweder Grundstücke und Aktien kaufen oder das Geld verballern.
jayhx 28.01.2015
5. Wieso auch nicht ?
Benzin ist billiger, also bleibt mehr übrig. Der Euro verliert an Wert, warum also nicht etwas wertfesteres kaufen?
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