Konsumklima Verbraucher trotzen Krisenstimmung in Unternehmen

Anders als Unternehmen sehen die Verbraucher die deutsche Wirtschaft weiter im Aufschwung. Der entsprechende Konsumindex der GfK-Marktforscher stabilisiert sich. Die Euro-Schuldenkrise sei inzwischen so komplex, dass viele  Bürger das Thema ausblenden.

Einkaufszentrum in Essen: Einkommenserwartungen auf hohem Niveau
dpa

Einkaufszentrum in Essen: Einkommenserwartungen auf hohem Niveau


Berlin - Nach einer kurzen Schwächephase stabilisiert sich die Verbraucherstimmung in Deutschland wieder. "Trotz rezessiver Tendenzen in Europa sowie der steigenden Verunsicherung durch die Schuldenkrise sehen die Bundesbürger die deutsche Wirtschaft weiter im Aufschwung", teilte das Marktforschungsunternehmen GfK am Freitag mit. Das Konsumklima-Barometer blieb mit 5,7 Punkten unverändert. Zuvor war es zwei Monate in Folge gesunken. "Damit stabilisiert sich das Klima wieder und startet robust in den Sommer", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Die Verbraucher schätzten die Konjunkturaussichten deutlich besser ein und wollen mehr Geld für teure Anschaffungen ausgeben. Trotz eines leichten Rückgangs bleiben ihre Einkommenserwartungen auf einem hohen Niveau.

Die Deutschen seien aber nicht immun gegen die Gefahren, die von einem möglichen Abschied Griechenlands aus der Währungsunion ausgehen, betonte Bürkl. "Sollten sich die Ereignisse um Griechenland und andere Euro-Länder weiter zuspitzen oder gar eskalieren, könnte dies die positive Konsumkonjunktur schnell zum Stillstand bringen", sagte er.

Mehrheit aus der Schuldendiskussion ausgestiegen

In den Chefetagen der deutschen Wirtschaft geht die Sorge vor einer Eskalation der Schuldenkrise bereits um: Das Ifo-Geschäftsklima trübte sich im Mai erstmals seit Oktober 2011 wieder ein - und das deutlich stärker als erwartet.

Die Verbraucher schätzten die Konjunkturaussichten dagegen optimistischer ein - offenbar noch unter dem Eindruck des starken ersten Quartals, in dem die deutsche Wirtschaft um kräftige 0,5 Prozent wuchs. "Auch die Wahlen in Frankreich und Griechenland hatten bisher keine negativen Auswirkungen", sagte Bürkl. Der Indikator legte bereits den dritten Monat in Folge zu, und das gleich um gut elf auf 19,6 Zähler. Die internationalen Turbulenzen schmälern die Konsumlaune der Bundesbürger bislang nicht.

Ein Großteil der Deutschen habe den Anschluss an die komplexe Debatte um die Euro-Schuldenkrise verloren, meint Bürkl. "Die Mehrheit der Bundesbürger ist aus der engeren Diskussion ausgestiegen", sagte der Experte. Viele Menschen verstünden bei Themen wie den Euro-Bonds nicht mehr, um was es da genau gehe, und schalteten ab.

Inflation bleibt Unsicherheitsfaktor

Die Anschaffungsneigung kann im Mai einen Teil ihrer starken Verluste aus dem Vormonat wieder wettmachen. Dieses Barometer liegt nach einem Zuwachs von 4,4 auf 32 Zähler in etwa auf dem Vorjahresniveau. "Vor allem die stetig besser werdende Beschäftigung sorgt bei den Verbrauchern für Planungssicherheit, die gerade für größere Anschaffungen ein wichtiges Kriterium darstellt", sagte Bürkl. Historisch niedrige Zinsen veranlassen die Konsumenten eher dazu, werthaltige Anschaffungen zu tätigen, als ihr Geld für Mini-Renditen auf die hohe Kante zu legen.

Einen leichten Dämpfer gab es für die Einkommenserwartungen. Dieser Indikator fiel um einen Punkt auf 32 Zähler. Zwar rechnen die Verbraucher mit steigenden Einkommen. "Ein Unsicherheitsfaktor für die Entwicklung der Kaufkraft ist und bleibt jedoch die Inflation", sagte Bürkl. Wegen sinkender Benzinpreise haben die Inflationssorgen zwar etwas abgenommen. Allerdings befürchten viele Verbraucher, dass die Preise künftig stärker steigen könnten als in den vergangenen Jahren.



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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
A&O 25.05.2012
1. nicht ganz richtig
Zitat von sysopdpaAnders als Unternehmen sehen die Verbraucher die deutsche Wirtschaft weiter im Aufschwung. Der entsprechende Konsumindex der GfK-Marktforscher stabilisiert sich aktuell. Die Euro-Schuldenkrise sei inzwischen so komplex, dass viele das Bürger das Thema ausblendeten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,835166,00.html
Man kann auch sagen, die Bürger geben ihr Geld lieber noch schnell selber aus bevor es Mutti tut.
masc672 25.05.2012
2. Ja, es
geht schon wieder los. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Gestern so, und heute andersrum.
Gerdtrader50 25.05.2012
3. Was fuer ein Glueck,
Die Materie ist so kompliziert geworden, dass sowohl das Volk als auch die Bundestagsabgeordneten das Handtuch geworfen haben. Die Regierung befiehlt, die Abgeordneten gehorchen, auch die der Oppositionsparteien, bis auf geringe Ausnahmen. Ein tolles Land, ein toller Kontinent. "Ein Großteil der Deutschen habe den Anschluss an die komplexe Debatte um die Euro-Schuldenkrise verloren, meint Bürkl. "Die Mehrheit der Bundesbürger ist aus der engeren Diskussion ausgestiegen", sagte der Experte. Viele Menschen verstünden bei Themen wie etwa den Euro-Bonds nicht mehr, um was es da genau gehe, und schalteten ab."
protoscorsair 25.05.2012
4. Volkswirtschaft
Zitat von masc672geht schon wieder los. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Gestern so, und heute andersrum.
Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, mit einem Volkswirt über die Situation zu sprechen. Vereinfacht ist es so: Nur durch einen Ausgleich der Handelsbilanzen in der Eurozone (Norden vs. Süden) kann sich die Situation stabilisieren. Im Klartext: Im Moment Exportieren wir viel an die PIIGS-Staaten, die aber zur Finanzierung des Imports von uns Kredite bekommen, die sie im Falle Griechenlands wohl nicht zurückzahlen können. Wir "bezahlen" den Griechen also ihren Konsum. Die Privatwirtschaft profitiert davon, aber der gemeine Steuerzahler zahlt die Zeche. Man kann es auch so sagen: Wir müssten durch mehr Konsum endlich die Lebensqualität erreichen, die wir uns leitsen können, anstatt den Konsum anderer Staaten zu finanzieren, die sich das eigentlich nicht leisten können. Ein Ausgleich der Handelsbilanzen in der EU ist nur über Lohn- und Konsumsteigerungen zu erreichen. Inflation ist dafür in Kauf zu nehmen.
protoscorsair 25.05.2012
5. Wen wunderts??
Zitat von Gerdtrader50Die Materie ist so kompliziert geworden, dass sowohl das Volk als auch die Bundestagsabgeordneten das Handtuch geworfen haben. Die Regierung befiehlt, die Abgeordneten gehorchen, auch die der Oppositionsparteien, bis auf geringe Ausnahmen. Ein tolles Land, ein toller Kontinent. "Ein Großteil der Deutschen habe den Anschluss an die komplexe Debatte um die Euro-Schuldenkrise verloren, meint Bürkl. "Die Mehrheit der Bundesbürger ist aus der engeren Diskussion ausgestiegen", sagte der Experte. Viele Menschen verstünden bei Themen wie etwa den Euro-Bonds nicht mehr, um was es da genau gehe, und schalteten ab."
Wenn man so die Kommentare über die Schuldenkrise liest, scheinen die meisen Foristen (= Spiegelleser = gefühlte linke Inteligenzia unseres Landes) bereits bei den Basics der Volkswirtschaft an Ihre Grenzen zu stoßen. Motto: Arbeit ist eine konstante Größe, die zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch kürzere Arbeitszeiten nur gerechter verteilt werden muss:-).
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