Girokonten-Vergleich Wie Europas Banken ihre Kunden abkassieren

Überhöhte Dispozinsen, teure Gebühren fürs Geldabheben, Abkassieren für einfachsten Service: Girokonten sind oft teurer, als sie auf den ersten Blick aussehen. Jetzt rüffelt EU-Binnenkommissar Barnier die Banken. SPIEGEL ONLINE macht den Vergleichs-Check.

Geldautomat: Fremdgehen kann teuer werden
dpa

Geldautomat: Fremdgehen kann teuer werden


Wenn sich Deutschlands Verbraucherschützer mit den Banken beharken, geht es oft um recht sperrig klingende Angelegenheiten - die aber ziemlich teuer werden können. Beispiel gefällig? Nehmen wir das "Entgelt für die Unterrichtung über eine berechtigte Ablehnung im Einzugsermächtigungs- und Abbuchungsverfahren".

Dahinter steckt Folgendes: Wenn etwa die Stromrechnung, für die es eine Einzugsermächtigung gibt, von einem überzogenen Konto nicht abgebucht werden kann, muss der Kontoinhaber informiert werden. Das allerdings kostet Geld. So manche Sparkasse stellt mit einem schlichten Schreiben eine satte Gebühr von fünf Euro oder mehr in Rechnung.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hält das nicht nur für zu teuer, sondern auch für gesetzwidrig. Gegen eine Sparkasse geht die Organisation deswegen gerichtlich vor. Und diese Gebühr sei nur eines von vielen Beispielen für die Abzocke von Girokonto-Inhabern, sagt Fank-Christian Pauli, Bankenexperte der Verbraucherzentralen. "Es gibt jede Menge versteckte Gebühren, die man als Verbraucher nicht sieht", sagt er.

Dabei scheint die Situation in Deutschland auf den ersten Blick traumhaft. Banken wie die Commerzbank bieten nicht nur kostenlose Girokonten an, sondern schenken Neukunden bei der Eröffnung sogar noch Geld. Im besten Fall sogar 50 Euro und mehr.

Doch je nachdem, welches Zahlungsverhalten ein Kontoinhaber an den Tag legt, muss sich ein solcher Günstig-Account nicht unbedingt lohnen, wie etwa der Kontenrechner auf der Website der Finanzberatung FMH zeigt. Denn woanders langen die Banken dann umso kräftiger zu. Für Telefon-Banking, Kreditkartennutzung oder Transaktionen am Bankschalter werden zuweilen saftige Gebühren fällig.

Besonders teuer wird es, wenn ein Kunde oft im Dispo lebt oder hier und da an fremden Automaten Geld abhebt. "Da kommen dann schon richtige Kosten zusammen", sagt FMH-Chef Max Herbst.

Girokonten im Vergleich

Bank (Konto) Bonus für Neukunden monatliche Gebühren Guthaben-zinsen Dispo-zinsen Gesamt-
summe pro Monat
ING-DiBa 75,00 0,00 0,00 0,44 0,44
Wüstenrot (Top Giro) 33,00 0,00 0,11 0,58 0,48
Volkswagen Bank direkt 25,00 1,67 0,16 0,49 2,00
Sparda-Bank Hessen (Sparda Giro) 0,00 3,72 0,00 0,52 4,24
HypoVereinsbank (WillkommensKonto) 0,00 4,75 0,22 0,57 5,09
DAB Bank 0,00 4,83 0,03 0,34 5,14
Norisbank (Top-Girokonto) 0,00 6,00 0,00 0,58 6,58
Targobank (Best-Konto) 0,00 7,45 0,00 0,47 7,92
Postbank (Giro Plus) 0,00 7,82 0,00 0,64 8,46
Commerzbank (Kostenloses Konto) 50,00 8,47 0,00 0,64 9,12
Santander Consumer Bank 0,00 10,90 0,00 0,44 11,34
Deutsche Bank (AktivKonto) 0,00 12,98 0,00 0,62 13,60

Preise in Euro für einen Kunden mit monatlichem Geldeingang von 2000 Euro, der u.a. im Schnitt sieben Tage des Monats mit rund 250 Euro im Dispo ist, rund 1200 Euro im Jahr über seine Kreditkarte bezahlt und einmal im Monat Geld an einem fremden Automaten abhebt; Quelle: FMH Finanzberatung

Viel Ärger gab es zuletzt etwa um die Gebühren fürs Geldabheben an fremden Bankautomaten. Der Kunde sieht die Kosten erst beim späteren Blick auf den Kontoauszug. Und dabei ist der Schreck zumeist programmiert. Denn für das Fremdgehen werden schnell Preise von sieben oder auch mal zehn Euro fällig. Die Kosten für die Banken liegen jedoch laut Bundeskartellamt nur im zweistelligen Centbereich.

Nachdem die Marktwächter wegen dieses krassen Missverhältnisses laut protestiert haben, sollen die Kunden künftig wenigstens gewarnt werden. Nach einer zähen Auseinandersetzung hat sich die Branche darauf geeinigt, dass der genaue Preis für das Fremdabheben ab Mitte Januar direkt vor der Transaktion angezeigt wird. Die Privatbanken wollen künftig außerdem nur noch höchstens 1,95 Euro für den Service verlangen.

16,99 Prozent Dispozinsen

Solche Zugeständnisse sind aber wohl weniger Zeichen der Einsicht als eine Reaktion auf stärker werdenden Druck. Denn an anderen Stellen wird weiter kräftig abkassiert. Laut Stiftung Warentest verlangt etwa ein Großteil der deutschen Banken echte Unsummen für die Inanspruchnahme des Dispokredits. Zinsen im zweistelligen Prozentbereich scheinen durchaus üblich. Bei bestimmten Kontomodellen der Targobank werden sogar 16,99 Prozent fällig, erklärte die Stiftung.

Häufig sei es für die Kunden zudem schwierig, Informationen über die geltenden Sätze zu bekommen, moniert die Stiftung weiter. Auch auf die Anfrage der Tester hätten viele Banken nicht reagiert. Manche löschten den Angaben zufolge sogar zuvor im Internet frei zugängliche Informationen.

Ähnliche Erfahrungen hat die EU-Kommission gemacht. Sie versuchte vor etwa einem Jahr, sich einen Überblick über die Kostenstrukturen für Konten in den Ländern der Gemeinschaft zu verschaffen. Das ernüchternde Ergebnis: Zwei Drittel der angefragten Banken stellten zunächst nur vollkommen ungenügende Informationen zur Verfügung.

"Nicht zu unterschätzender Einfallsreichtum"

In Brüssel bemüht man sich seit geraumer Zeit, den europäischen Binnenmarkt auch endlich beim Zahlungsverkehr Wirklichkeit werden zu lassen. Unter dem Stichwort SEPA (Single European Payments Area) wird etwa an allgemeingültigen Standards für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in den EU-Staaten und in der Schweiz, Island, Liechtenstein, Monaco und Norwegen gearbeitet. Doch die Umstellung auf die 22-stelligen Kontonummern und elfstelligen Bankleitzahlen verläuft holprig.

So bieten Banken etwa bereits seit Februar 2008 SEPA-Überweisungen an. Eigentlich sollten diese nicht teurer sein als Inlandstransaktionen. Trotzdem berichten Kunden immer wieder von horrenden Gebühren, wenn sie Geld auf Konten im Ausland schicken. Einer Zeitung etwa schrieb ein Leser, dass er 36,55 Euro für eine 470-Euro-Überweisung in die Schweiz zahlen musste. 25 Euro seien als "fremde Gebühren" aufgeführt worden. Eigentlich dürfte es solche Vorkommnisse in der schönen neuen SEPA-Welt gar nicht geben.

Die oft reichlich undurchsichtigen Geschäftspraktiken vieler Banken haben auch zu starken nationalen Unterschieden geführt, wie die Gebührenstudie der EU-Kommission zeigt. Demnach zahlt ein Bankkunde in Italien oder Spanien je nach Verhaltensweise dreimal so viel für sein Konto wie einer in Deutschland (siehe Grafik). Wirklich nachvollziehen lassen sich solche Differenzen nicht, finden Verbraucherschützer.

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Teure Girokonten: Gebührenvergleich für Europa
Die Banken hat die EU-Studie allerdings nicht allzu sehr beeindruckt. "Seit damals hat die Industrie nichts getan", moniert Farid Alyev von der europäischen Verbraucherschutzorganisation BEUC. Binnenmarktkommissar Michel Barnier will die undurchschaubaren Kostenstrukturen nun nicht weiter hinnehmen. Er schrieb Anfang September einen geharnischten Brief an den europäischen Bankenverband EBIC. "Wir glauben, dass diese Situation sofortige Abhilfe verlangt", heißt es darin.

Der Bankenverband müsse Standards erarbeiten, nach denen Banken ihre Gebühren in ganz Europa offenlegen sollen, fordert Barnier, damit endlich echte Vergleiche möglich sind. Sollte die Branche dieser Aufforderung nicht in einer "angemessenen Zeit" nachkommen, sollen "alternative Möglichkeiten" geprüft werden, warnt der Kommissar. Im Notfall will er auch über neue Richtlinien nachdenken.

Bei der BEUC glaubt man, dass neue Gesetze die einzige Möglichkeit sind, die Probleme in der Branche zu lösen. Selbstregulierungsversuche hätten schon in der Vergangenheit nicht viel gebracht, sagt Alyev. Er sei deshalb "skeptisch", dass Barniers jüngster Aufruf das Verhalten ändert.

Deutsche Verbraucherschützer dürften das ähnlich sehen. Bankenexperte Pauli etwa bescheinigt den Geldinstituten zumindest einen "nicht zu unterschätzenden Einfallsreichtum ", wenn es darum geht, ihre Gebühren zu verschleiern.



insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
raju1956, 21.09.2010
1. und nochmal die Banken...
Zitat von sysopÜberhöhte Dispozinsen, teure Gebühren für's Geldabheben, Abkassieren für einfachsten Service: Girokonten sind oft teurer, als sie auf den ersten Blick aussehen. Jetzt rüffelt EU-Binnenkommissar Barnier die Banken. SPIEGEL ONLINE macht den Vergleichs-Check. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,717503,00.html
Kennt man was anderes von Banken? Leute abzocken ist doch deren Geschäft! Und wenn's den Banken mal "schlechtgeht" darf der Steuerzahler auch noch helfen. Aber an Boni für die Vorstände wird nicht gespart! Irgendwie ist das alles krank, aber was tun? Alle Banken verstaatlichen würde wohl auch nicht viel bringen, da die Welt nicht mitmachen würde. Also müssen durch Gesetze so enge Rahmen geschaft werden, dass sich die Banken nicht mehr so einfach bedienen können.
Nonvaio01 21.09.2010
2. Sowas kenne ich nur aus Deutschland
Zitat von sysopÜberhöhte Dispozinsen, teure Gebühren für's Geldabheben, Abkassieren für einfachsten Service: Girokonten sind oft teurer, als sie auf den ersten Blick aussehen. Jetzt rüffelt EU-Binnenkommissar Barnier die Banken. SPIEGEL ONLINE macht den Vergleichs-Check. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,717503,00.html
Hallo, sowas kenne ich nur aus Deutschland, ich lebe seit jahren in Irland und davor Amsterdam, ich habe nie eine gebuhr gezahlt nur weil ich Geld von einem Automaten geholt habe auch wenn der von einer anderen bank ist. Da sieht man wie gut die banken Lobby in Deutschland ist. Ich habe meine Konto umsonst, wenn ich eine online transaction im Monat mache zahle ich keine Konto gebuehren, fuer buchungen ..etc. Gruss Bernd
TommIT, 21.09.2010
3. Jetzt mal ernsthaft
wo dachten die Politiker holen die Banken ihre Kohle für das neue , erhöhte Eigenkapital her? Einfach den Handel mit Aktien reduzieren? Die iegenen Boni reduzieren? Ich in hin undher gerissen von der #alternativlosen' Logik und der gespielten Dummheit der politiker. Wie dumm kann man sein und was davon kann und darf man ans Volker weiterverkaufen ohne gefahr zu laufen das Volk merklich als 'Saudumm ' abzustempeln. Fürs Volk gilt der erste Fragenteil besonders
hajo58 21.09.2010
4. Überhöhte Dispozinsen sind ärgerlich
Zitat von sysopÜberhöhte Dispozinsen, teure Gebühren für's Geldabheben, Abkassieren für einfachsten Service: Girokonten sind oft teurer, als sie auf den ersten Blick aussehen. Jetzt rüffelt EU-Binnenkommissar Barnier die Banken. SPIEGEL ONLINE macht den Vergleichs-Check. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,717503,00.html
Ich habe ein Girokonto bei der Sparkasse, das ich Online führe. Ich bezahle im Monat 3 Euro. Zum Wechsel bin ich zu bequem, da ich 26 Daueraufträge ändern müsste. Mein Girokonto überziehe ich nie, da ich nicht bereit bin 13,5% Zinsen zu zahlen. Wenn es eng wird, habe ich ein Direktkonto. Da gibt es mickrige 1,2% Zinsen, immerhin.
knaxknarke 21.09.2010
5. Organisiertes Verbrechen
Wenn man sich die Statistiken ansieht, beschleicht einem das ungute Gefühl, dass Höhe der Bankgebühren und der Einfluss des organisierten Verbrechens in den jeweiligen Ländern korrelieren könnten. Sind die Banken in Italien so teuer, weil Mafia und Katholische Kirche ihre Finger mit im Spiel haben? Naja, man kann immer nur Brecht zitieren....
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