Wechsel des Girokontos Den Papierkram macht jetzt die Bank

Ihre Kontogebühren sind zu hoch? Wechseln Sie doch einfach Ihre Bank. Was bisher mühsam und bürokratisch war, ist jetzt ganz einfach: Die Banken sind nun gesetzlich verpflichtet, ihren Kunden beim Abgang zu helfen.

Sparkasse (in Hannover)
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Sparkasse (in Hannover)

Eine Kolumne von


Seit Monaten schreiben wir Journalisten über die Not der Banken und deren Zwänge, die Gebühren für ihre Kunden (also uns) zu erhöhen. Georg Fahrenschon, Sparkassenpräsident und bayerischer Ex-Finanzminister, hat mit seiner Ankündigung, die Zeit der kostenlosen Girokonten sei vorbei, bei vielen der über 400 Sparkassen den Ton gesetzt. Und die aktuelle Gebührenerhöhung der Postbank für Millionen Kunden bestätigt dieses Bild. Allein: Nicht alle Banken gehen so vor.

Und deshalb haben Sparkassen und Postbank jetzt ein richtig großes Problem: Denn von Montag an müssen Banken Kunden, die ihnen davonlaufen wollen, auch noch dabei helfen. Gesetzlich verordnet.

Sie müssen nämlich beim Wechsel des Girokontos die Daten zur Verfügung stellen, und einen nahtlosen Wechsel möglich machen. Damit nehmen sie den Kunden ihre größte Sorge - und den Grund, warum die sich bislang so viel gefallen lassen: Die Angst vor dem Aufwand beim Wechseln und vor Fehlern. Eine Rechnung, ein Dauerauftrag, eine Lastschrift könnten vergessen werden und der ganze schöne Kontowechsel wegen Mahnungen und Ärger mehr kosten, als er einbringt.

Damit ist jetzt Schluss: Der Kontowechsel wird so einfach wie Socken zu wechseln.

Die Argumente für den Umzug zu einer neuen Bank sind bestechend. Bei unserer Stichprobe für Online-Normalkunden kostete das geprüfte Dienstleistungspaket (Girokarte / Kreditkarte / Überweisungen / Abhebungen am Fremdautomaten und in Nicht-Euro) beim Aktivkonto der Deutschen Bank 132 Euro, bei der DKB hingegen 5 Euro im Jahr. Beim Konto HaspaJoker Smart der Hamburger Sparkasse bezahlt der Kunde für die gleiche Leistung 116 Euro.

Ein wirklicher Markt für Bank-Dienstleistungen kann entstehen

Für reine Filialkunde ist die Rechnung am Jahresende noch teurer: Deutsche Bank und Hamburger Sparkasse berechnen bei ihren klassischen Kontomodellen für unseren Musterkunden bei ausschließlicher Nutzung der Filiale 170 Euro. Bei der Volksbank Paderborn-Detmold-Höxter, in einer der reichsten Gegenden Deutschlands, darf man für diese Dienstleistungen sogar knapp 240 Euro bezahlen, das ergab unsere Stichprobe.

Das müssen Sie sich als Kunde nicht bieten lassen: Hier die Anleitung zum Wechseln in drei Schritten für Filialkunden:

  • Gehen Sie zu Ihrem Bankberater und verlangen Sie von ihm Auskunft, welches der aktuellen Kontomodelle Ihrer Bank bei Ihrer Nutzung im vergangenen Jahr am günstigsten gewesen wäre. Wechseln Sie zum günstigsten Modell. Das sollte schon eine Menge Geld sparen. Bei unseren Beispielen waren bis zu 80 Euro im Jahr drin.
  • Sie wollen mehr? Dann suchen Sie sich eine neue Bank und beauftragen Sie die neue Bank für Sie den Kontowechsel zu erledigen. Sie müssen dafür nur ein Formular ausfüllen. Im ab vom 18. September an vorgeschriebenen Verfahren ist Ihre alte Bank verpflichtet, der neuen alle Bankdaten der vergangenen 13 Monate zu übermitteln, bei regelmäßigen Zahlungen - selbst denen, die nur einmal im Jahr erfolgen - sollte so nichts mehr schiefgehen. Nur bei Zahlungen an Anbieter wie Amazon, PayPal oder iTunes, müssen Kunden gegebenenfalls noch selbst nachsteuern. Diese werden aber von selbst nachfragen. Die Bearbeitung der Daten dauert bei den Banken rund zwei Wochen. Und die Bank haftet für eventuelle Ausfälle, falls sie die Fristen nicht einhält.
  • Wenn Sie schon Online-Kunde Ihrer Bank sind, geht das Ganze noch schneller. Womöglich in 10 Minuten. Eine Reihe neuer Bankdienstleister (im Fachjargon Fintechs genannt) hat zahlreichen Banken ein Modell gebaut, bei dem Sie den Wechsel am Computer mit einigen Klicks und einer Online-Unterschrift in zehn Minuten erledigen können. Allerdings kann es passieren, dass die Fintechs so nicht an alle Daten herankommen. Kunden, die diesen Weg wählen, sollten deswegen selbst noch einmal alles durchsehen.

Von 116 oder 170 Euro Kontokosten im Jahr auf fast 0 Euro bei Direktbanken wie DKB, Consorsbank oder Comdirect. Das ist möglich. Hier liegt die eigentliche Chance des Kontowechsels 2016. Wenn die Kunden bei jedem der 100 Millionen Girokonten in Deutschland im Schnitt auch nur ein Drittel bis die Hälfte einsparen könnten, sagen wir 50 Euro, blieben ihnen 5 Milliarden Euro mehr in der Tasche.

Das Ende der schönen neuen Konkurrenzwelt für Kunden ist damit noch nicht erreicht. Im kommenden Jahr müssen die Banken nämlich nicht nur beim Wechseln helfen, sondern auch die Kosten ihrer Girokonten online zum Vergleichen zur Verfügung stellen. Und die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die Kunden mit einer Datenbank diese Preise leicht gegenüberstellen können. Darauf haben sich Europaparlament und europäische Regierungen schon 2014 geeinigt.

Vergleichen wird dann noch einmal leichter. Richtig betrachtet ist das neue Recht für Kunden auch eine Chance für viele der Tausend Volks- und Raiffeisenbanken oder der 400 Sparkassen. Kunden, die weiter bei einer Filialbank bleiben wollen, können dann feststellen, ob die Sparkasse, Volksbank oder Sparda in der benachbarten Kreisstadt vielleicht ein besonders leistungsfähiges Angebot hat, das sie noch gar nicht kannten. Mit anderen Worten: Ein wirklicher Markt für Bankdienstleistungen kann entstehen - wie auf dem guten alten Marktplatz, auf dem sie die Gemüsepreise von Stand zu Stand überschauen können.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.
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Seite 1
Manaslu2015 17.09.2016
1. Geschäftsmodell weiter pulverisiert
Viele Banken haben jahrelang ihre Kunden über den Tisch gezogen: - Zinssenkungen nicht oder verzögert weitergegeben - versteckte Provisionen vereinnahmt - Produkte verkauft, die nur der Bank aber nicht dem Kunden nützen - völlig überhöhte Dispozinsen verlangt. -..... Und jetzt, nachdem die Zinsspanne kleiner wird, drehen sie an der Gebührenschraube. Gerade Filialbanken sitzen auf zu hohen Kosten. Dieses Modell wird sich gesundschrumpfen müssen. Die Gewinner werden die Onlinebanken und Fintechs sein.
pubsfried 17.09.2016
2. Selbst schuld...
...wer für Online-Banking noch bezahlt. Mache das seit 23(!) Jahren (damals noch über BTX) kostenlos bei VR Banken, und seit 16 Jahren bei Sparda ebenfalls kostenlos, keinerlei Probleme, incl. MasterCard (ok, die kostet inzwischen 15 Euro/Jahr bei
Waldschwein 17.09.2016
3. Richtig rechnen und das Kleingedruckte lesen
Man muss sehr genau hinschauen und sichergehen, dass die Onlinebanken zum eigenen Bedarf passen. Mal ein paar Beispiele: Die tolle Consorsbank, die Herr Tanhagen gerne und haeufig propagiert, verlangt fuer internationale Eilueberweisungen (und ich meine: die echten SWIFT-Ueberweisungen, nicht die innerhalb des SEPA-Raumes) das 2.5-fache dessen, was meine Sparkasse verlangt. Wenn man das 20x im Jahr macht, dann sieht die Rechnung ploetzlich anders aus. Man muss sich auch fragen: Wie entspannt sind Banken, wenn man seinen Dispo wirklich nutzt? Wie entspannt bleiben sie, wenn man den Dispo ueberzieht, wie lange dulden sie das bevor sie Lastschriften bouncen? Sitzt das Callcenter in Tschechien, oder habe ich tatsaechlich einen Ansprechpartner, der auch weisungsbefugt in ein System eingreifen kann, wenn irgendwo ein Fehler passiert, oder haengt mein Berater am gleichen Ticketsystem wie ich? Ich sage ehrlich: ich bin froh an meiner "teuren" Filialbank, die mich bisher nie im Stich gelassen hat. Wenn man das alles nicht braucht, immer im Plus ist, und mit dem Konto nicht arg viel mehr macht außer Miete zahlen und mit Girocard im Getraenkemarkt einkaufen - geschenkt. Aber wenn man sich gerade zu den empfohlenen Banken mal ein paar Beitraege in Verbraucherschutzforen ansieht, dann gehen die Warnlampen an.
Henry Donner 17.09.2016
4. Lieber @pubsfried,
da haben Sie aber die Gebühr für de EC-Card bei der Sparda-Bank vergessen. Aus guten Grund bewirbt die Sparta-Bank nicht mehr ihr kostenloses Girokonto.
tkedm 17.09.2016
5.
Zitat von pubsfried...wer für Online-Banking noch bezahlt. Mache das seit 23(!) Jahren (damals noch über BTX) kostenlos bei VR Banken, und seit 16 Jahren bei Sparda ebenfalls kostenlos, keinerlei Probleme, incl. MasterCard (ok, die kostet inzwischen 15 Euro/Jahr bei
Was heißt "selbst schuld"? Ich habe in den 14 Jahren eigener Kontoführung bisher auch noch nie für ein Online-Konto bezahlt. Aber wenn, wie nun passiert, die HVB mal eben auf die dumme Idee kommt, für ein Online-Konto + EC-Karte Geld zu verlangen, kann man nun wirklich nicht von "selbst schuld" reden.
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