Entgelt für SMS-TAN Wenn Bankgebühren zum Fall für die Richter werden

Überweisung, Geldabheben, Negativzinsen: Deutschlands Banken lassen sich ihre Dienste immer häufiger extra bezahlen. Der Bundesgerichtshof verhandelt nun einen Fall, in dem eine Sparkasse Geld für SMS verlangt.

Frust am Geldautomat
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Frust am Geldautomat

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Die Zeiten kostenloser Bankkonten neigen sich endgültig dem Ende zu. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht eine weitere Bank neue Gebühren für ihre Dienstleistungen einführt. Seit diesem Dienstag sind Extragebühren sogar ein Fall für den Bundesgerichtshof.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat die Kreissparkasse Groß-Gerau verklagt. Denn das Institut verlangt ein Entgelt dafür, dass sie per SMS TAN-Nummern auf die Handys ihrer Kunden verschickt. Bei der Bank kostete das "direktKonto", das rein übers Internet läuft, zwei Euro im Monat. Unabhängig vom Kontomodell wurden je SMS-TAN zehn Cent fällig.

Nach Ansicht der Verbraucherschützer müsste der Empfang aber inklusive sein. Denn zum Schutz vor Betrügern muss jeder Auftrag zwingend durch Eintippen einer TAN bestätigt werden.

Ihr Urteil wollen die Karlsruher Richter am 25. Juli verkünden. Von der Entscheidung könnten auch Kunden anderer Banken profitieren. Denn neben der Sparkasse in Groß-Gerau verlangen weitere Banken für das SMS-TAN-Verfahren Extragebühren. "Manche Banken sagen, fünf SMS im Monat sind frei. Bei anderen fällt ab der ersten SMS ein Betrag an", bestätigt Steffen Streudel, Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Der Fall zeigt: Unterschiedliche Kontomodelle sollen verschleiern, was offensichtlich ist: Für Bankkunden wird es teurer. Nach einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hat in diesem Jahr nahezu jedes dritte Institut die Gebühren für Privatkunden erhöht oder plant solch eine Maßnahme.

Dabei schöpfen die Banken inzwischen verschiedene Möglichkeiten aus, um mehr Geld für ihre Dienstleistungen zu verlangen:

  • Besonders beliebt sind neue Gebühren für das Girokonto. Damit die Gebührenerhöhungen nicht so auffallen, haben sich viele Banken und Sparkassen ein teilweise kompliziertes System aus verschiedenen Kontomodellen einfallen lassen: vom Premiumkonto mit allen Extras und hoher Grundgebühr bis zum Billigkonto ohne Grundgebühr, bei dem der Kunde aber für jede Überweisung extra zahlen muss. Bei manchen Banken kosten dann sogar Papierüberweisungen extra, andere Banken entschieden sich dafür, die Girocard, früher EC-Karte, nicht mehr kostenfrei zu einem Girokonto anzubieten.
  • Einige regionale Banken haben auch Gebühren für das Geldabheben eingeführt. Inzwischen verlangen rund 40 der rund 400 deutschen Sparkassen in bestimmten Kontomodellen Gebühren fürs Geldabheben am Automaten. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken sind es sogar rund 150 Institute, die unter bestimmten Bedingungen Geld fürs Abheben verlangen. Dies betrifft bisher aber vor allem kleinere Banken in ländlichen Regionen.
  • Privatkunden bekommen zunehmend auch die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu spüren. Die EZB nimmt Zinsen von derzeit 0,4 Prozent, wenn Banken über Nacht Geld bei ihr parken - und die Banken geben diesen Strafzins mittlerweile teilweise weiter. Laut einer Erhebung des Vergleichsportals Verivox verlangen mittlerweile bundesweit 13 Institute Negativzinsen von bestimmten Privatkunden - allesamt genossenschaftliche Volks- und Raiffeisenbanken. Dabei geht es in der Regel um Zinsen zwischen minus 0,3 und minus 0,5 Prozent pro Jahr, die bei höheren Summen auf Tagesgeldkonten fällig werden, oft 500.000 Euro oder mehr. Teilweise langen die Banken aber auch schon ab Einlagen von 100.000 Euro zu.
  • Einige Banken sind bei der Neuerfindung von Gebühren sogar noch kreativer: Die Volksbank Meerbusch etwa erhebt inzwischen Gebühren für nichtgenutzte Dispokredite. Normalerweise ist es üblich, dass Banken auf den Betrag, mit dem der Kunde im Minus ist, hohe Dispozinsen erhebt. Doch jene Volksbank will nun tatsächlich Gebühren erheben, wenn der Kunde diesen Kredit gar nicht in Anspruch nimmt. In einem Brief an ihre Kunden teilt die Bank laut Handelsblatt mit, künftig Kosten in Höhe von 0,15 Prozent pro Monat zu erheben, "bezogen auf den Teil der Kreditlinie, der nicht genutzt wird."

Es wird schwieriger, den Überblick zu behalten

Viele Bankkunden reagieren auf solche kuriosen Gebührenpraktiken mit Kopfschütteln, schließlich war Deutschland noch vor ein paar Jahren ein Paradies für Bankkunden: Wer ein kostenloses Girokonto wollte, konnte sich zwischen Dutzenden Anbietern entscheiden.

Doch hinter all diesen neuen Gebührenmodellen steckt in der Regel keine Schikane der Banken, sondern blanke Not. Denn durch die Niedrigzinsen können Banken derzeit kaum mit Kundenguthaben Geld verdienen. Traditionell leben die Institute vor allem vom sogenannten Zinsüberschuss, also die Differenz zwischen dem, was die Institute zum Beispiel für Kredite kassieren und auf der anderen Seite ihren Kunden als Sparzinsen zahlen. Da aber die EZB die Zinsen auf Null gesenkt hat und der Unterschied zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen so gering ist, brechen den Banken die Einnahmen weg.

So haben es die Banken schwer, all ihre Dienstleistungen zu finanzieren: Die Beratung in der Filiale, das Netz von Geldautomaten und der Zahlungsverkehr - all dies kostet viel Geld. Besonders für die kleinen, regionalen Banken ist das teuer: Ihre Geldautomaten und Filialen lohnen sich meist deutlich weniger als jene in Großstädten. Kein Wunder also, dass gerade kleine Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken vermehrt Gebühren verlangen.

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Für Kunden wird es aber immer schwieriger den Überblick zu behalten. Verbraucherschützer beobachten mit Sorge, dass immer mehr Banken die Kosten rund ums Girokonto in einzelne Entgelte aufsplitten. "Das macht es immer schwieriger, die verschiedenen Angebote zu vergleichen", sagt Frank-Christian Pauli, Bankenexperte der Verbraucherzentrale. Für mehr Transparenz sollen bald neue europäische Regeln sorgen. Vorgesehen ist, dass die Banken ihren Kunden einmal im Jahr eine Übersicht über die kassierten Entgelte zusammenstellen müssen.

Doch ob die Strategie, immer neue Entgelte einzuführen, für Banken erfolgreich ist, bleibt fraglich. Schließlich riskieren Banken damit auch, Kunden zu verlieren. Und es gibt eine Menge Alternativen: Vor allem Direktbanken locken Kunden nach wie vor mit kostenlosen Konten.

mit Material von dpa

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Seite 1
Askan 13.06.2017
1. Gebühren
Post wegen der Gebühren für einen nicht ausgeschöpften Kontokorrentrahmens habe ich von meiner Bank auch schon erhalten, ebenfalls eine Volksbank
flitzepete 13.06.2017
2. Der Markt wird es regulieren
Ein Bankkonto muss nicht kostenlos sein, Entscheidung der Bank. Wenn die Kunden lernen flexibel Ihre Anbieter von Dienstleistungen (ebenso bei Strom, Gas, Telekommunikation etc.) zu wechseln, regelt dass der Wettbewerb. Die Bank zu wechseln ist inzwischen extrem einfach. Und Leute auf dem Land die unbedingt eine Filiale benötigen und dort nur eine Sparkasse oder Volksbank existiert - Pech gehabt. Dafür sind viele andere Dinge kostengünstiger, z.B. Eigenheim/Mieten.
karlchen60 13.06.2017
3. Frankfurter Sparkasse vorne mit dabei
Die Frankfurter Sparkasse verlangt ab 1.8. 1% Bereitsstellungsgebühren für nicht genutzten Dispo. Als Geschäftskunde zahlt man beim Geld abheben, beim Geld Einzahlen, beim Geldwechseln (Münze in Scheine) plus Hartgeldgebühr von 30 Cent pro Rolle (das sind bei einer 10-Cent-Rolle 7,5%!) ... und das ganze natürlich trotz monatlicher Kontogebühren und immens hoher Dispozinsen. Als wir eine Finanzierung für ein neues Unternehmen verhandeln wollten, hat man uns erst mal den über 20 Jahre bestehenden Disporahmen um 2/3 gekürzt (es gab in den ganzen jahren keine Probleme, das Konto war sogar meistens im Plus). Wir haben die Finanzierung dann anders gelöst und sind aktuell auf der Suche nach einer Bank, die nicht nur Marketingsprüche klopft, sondern kleinen Unternehmern wirklich zur Seite steht.
Georg_Alexander 13.06.2017
4. Zinsen für nicht genutzten Dispo?
Ok, aber dann möchte ich auch Zinsen für den genutzten Dispo bekommen - sozusagen Entgelt für meine Dienstleistung, der Bank den Aufwand für die Verwahrung ihres Geldes für eine gewisse Zeit abzunehmen... Schön wär's - tatsächlich werden mir im 2-stelligen Bereich Zinsen berechnet für den Dispo.
peter-11 13.06.2017
5.
In der Regel haben diese Direktbanken keine eigenen Geldautomaten. Dass die Institute, die in solche Automaten investiert haben, den Nichtkunden Gebühren berechnet ist auch nachvollziehbar. Da muss man rechnen, es sei denn, die Direktbank erstattet wieder. Aber wie lange noch, denn die Problematik der Niedrigzinsen haben sie auch.
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