Girokonto und Tagesgeld Bankkunden lassen sich Milliarden an Zinsen entgehen

Ob Commerzbank oder Deutsche Bank - die großen Finanzinstitute zahlen ihren Kunden kaum noch Zinsen. Doch es gibt Möglichkeiten, sein Geld attraktiver anzulegen.

Commerzbank-Zentrale (in Frankfurt): Die Großbanken bieten Mickerzinsen
DPA

Commerzbank-Zentrale (in Frankfurt): Die Großbanken bieten Mickerzinsen

Eine Kolumne von


Zu Beginn des Jahres habe ich in vielen Gesprächen wieder das Lamento über die niedrigen Zinsen und die Enteignung der Sparer gehört. Bei 0,3 Prozent Inflation für das Jahr 2015 stimmt das tatsächlich für all jene Sparer, die mit weniger als 0,3 Prozent Zinsen abgespeist wurden. Und das sind erschreckend viele - zum Beispiel die Kunden der Commerzbank und der Deutschen Bank mit ihren normalen Spareinlagen.

Nun bin ich grundsätzlich skeptisch, ob Banken wirklich das Beste für ihre Kunden wollen. Die Erfahrung nicht nur in Deutschland zeigt, dass dies oft nicht so ist. Kaum eine Bank misst, ob ihre Kunden nach einem Jahr bei ihrem Institut eigentlich reicher geworden sind.

Wenn man aber nicht misst, wie sich die eigene Dienstleistung auf die Finanzsituation der Kunden auswirkt, können Manager in dieser Disziplin nur schwer besser werden. "What's measured improves" hat Management-Guru Peter Drucker mal formuliert - "was gemessen wird, verbessert sich". Folglich wird sich das, was nicht gemessen wird, in der Zahlenwelt der Bankmanager also nur schwer verbessern.

Das ist die Schuld der Banken. Aber andererseits könnten Kunden als Reaktion auf solches Versagen ihre Kundenrechte auch mal selbst in die Hand nehmen und auf eine bessere Leistung pochen.

Nehmen wir das einfachste Beispiel: Tagesgeld. Auf dem deutschen Markt sind einige Banken unterwegs, die ihren Kunden für das Tagesgeld noch immer rund ein Prozent Zinsen auszahlen. Da ist zum Beispiel Moneyou zu nennen, die Marke der niederländischen ABN Amro Bank, die seit Langem vergleichsweise hohe Zinsen bietet, im Moment 0,95 Prozent. Bei der ebenfalls holländischen Leaseplan Bank sind es im Moment 1,05 Prozent. Die Consorsbank, Tochter der französischen Großbank BNP Paribas garantiert Neukunden auf dem Tagesgeldkonto das eine Prozent sogar für ein Jahr.

Gleichzeitig liegen zum Beispiel auf den Konten der Privatkunden der Deutschen Bank tagesfällige Einlagen von fast 100 Milliarden Euro ohne oder für absolute Minizinsen.

Das Geld liegt überwiegend auf Girokonten und ein Teil davon soll im Alltag dafür sorgen, dass die Kunden nicht in den Dispo müssen. Aber auch für das Deutsche Bank Sparcardkonto, mehr Sparbuch als Tagesgeldkonto, zahlt die Bank nur 0,01 Prozent Zinsen. Oder treffender gesagt: 0,1 Promille.

Den Deutsche-Bank-Kunden entgeht eine halbe Milliarde Euro

Rechnet man ganz konservativ, dass die Hälfte der 100 Milliarden bei der Deutschen Bank gewinnbringender angelegt werden könnten, ergibt sich für diese 50 Milliarden Euro im Vergleich zu attraktiven Konkurrenzangeboten ein Zinsverlust der Kunden von insgesamt knapp einer halben Milliarde Euro.

Die Deutsche Bank ist kein Einzelfall. Auch die Kunden der Commerzbank können der aktuellen Mini-Inflation wenig entgegensetzen. Die Großbank zahlt ihnen ebenfalls nur 0,01 Prozent Zinsen pro Jahr. Gut 60 Milliarden Euro liegen dort auf den tagesfälligen Konten allein für deutsche Kunden. Legt man die gleiche Rechnung wie bei der Deutschen Bank zugrunde, entgehen den Kunden der Commerzbank für 30 Milliarden Euro ihrer Einlagen 300 Millionen Euro Zinseinnahmen übers Jahr. Ähnliche Rechnungen könnte man sicher auch für Volksbanken oder Sparkassen anstellen.

Eine gängige Strategie für mehr sichere Zinsen ist es, das tagesfällige Geld für einen längeren Zeitraum festzulegen. Auch hier liefern die Großbanken maue Renditen: Festgeld für drei Jahre bringt bei der Deutschen Bank 0,1 Prozent Zinsen. Die besten Angebote im Markt liegen beim 15-fachen, bei etwa 1,5 Prozent Zinsen. Auch mit einem Commerzbank-Sparbrief kommt man über drei Jahre im Schnitt nicht über die 0,1 Prozent Zinsen hinaus.

Tatsächlich empfehlen sowohl die Deutsche Bank als auch die Commerzbank ihren Kunden angesichts der Minizinsen aus dem eigenen Haus nur das Eine: doch bitte schön mehr Risiko einzugehen und Aktien, Renten oder Immobilien zu kaufen. Sonst sei eben keine Rendite drin. Das haben mir die Sprecher der Unternehmen diese Woche trotz der Chinakrise noch einmal hochoffiziell bestätigt.

Der Vorteil für die Kreditinstitute liegt auf der Hand. Sie verdienen immer, egal, wie sich die Kurse entwickeln. Die Kunden sind trotz der Rhetorik nicht überzeugt - wie die vielen Milliarden auf den Minizinskonten zeigen.

Soll es mehr sichere Rendite sein, hilft den Kunden in vielen Fällen eben doch nur die persönliche Zinswende.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Das Onlineportal ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 143 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
godfader 09.01.2016
1. Die Isländische Landesbanki hat 2007...
..mal 12% Zinsen gezahlt. Und die mauen Zinsen der behäbigen Dt. Grossbanken lagen bei lächerlichen 4%. Und dann ging Landesbanki pleite. Laiki Bank aus Zypern hat mal 9% gezahlt, das war 2011. Dann gingen sie Pleite. Herr Tenhagen versteht offensichtlich nicht, dass Zinssätze immer in der Relation zum Kreditrisiko zu sehen sind. Wenn ich mein Geld bei irgendeiner Bank auf ein Festgeldkonto lege dann gebe ich der Bank Kredit. Und Zinssätze werden über Angebot und Nachfrage gesteuert. Wald- und Wiesenbanken (genauso wie insolvente Kreditnehmer) müssen i.d.R. höhere Zinsen bieten als Banken die die höchste Bonität genießen. "Die besten Angebote im Markt" so wie Herr Tenhagen so schön sagt sind also nicht unbedingt die sichersten.
jujo 09.01.2016
2. ...
Den Banken entgehen doch auch Zinsen. Wer Geld flüssig hat, so wie ich, gibt der Tochter Geld, sodaß sie nicht zur Bank gehen muss für einen Zwischenkredit zum Kauf einer größeren Wohnung.
CobCom 09.01.2016
3. Dringend die Zwischenüberschrift korrigieren!
Den Kunden entgehen nicht "50 Milliarden Euro" sondern nur die Zinsen darauf (im Text ist es ja richtig). Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion.
hf-mg 09.01.2016
4. Geld
sollte ein Tauschmittel ohne eigenen inneren Wert sein. Zins und Zinseszins widersprechen den Naturgesetzen auf eklatante Weise. Das wusste Aristoteles schon
herumnöler 09.01.2016
5. Eine ganz andere Methode...
... um zu "sparen" ist: auswandern. Nach Suedafrika zum Beispiel, an das sichere Westkap. Dort sind die Preise fuer Lebenshaltungskosten 60 % der deutschen, die Preise fuer Haeuser weniger als die Haelfte. Und ermordert wird man neuerdings ueberall in der Welt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.