Zinsftief Kunden der GLS-Bank sollen Monatsbeitrag zahlen

Zinsen spielen bei der Geldanlage fast keine Rolle mehr. Die Ökobank GLS erwägt jetzt einen radikalen Schritt: Die Kunden sollen einen Monatsbeitrag zahlen, damit die Bank nicht in fragwürdige Geschäfte gedrängt wird.

Hauptsitz der GLS Bank (in Bochum):  Zahlungskräftige Kunden gesucht
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Hauptsitz der GLS Bank (in Bochum): Zahlungskräftige Kunden gesucht


Geld sparen lohnt sich nicht mehr - die Zinsen auf klassische Sparkonten liegen bei fast null Prozent, Banken müssen sogar dafür zahlen, wenn sie die Kundeneinlagen bei der Europäischen Zentralbank deponieren wollen. Die Ökobank GLS, die mit dem Geld ihrer Kunden nur ausgewählte Projekte finanziert, sucht deshalb nach anderen Wegen, ihre Kosten zu decken.

Zur Sicherung ihres Geschäftsmodells will die GLS absehbar einen monatlichen Grundbeitrag von ihren Kunden und Mitgliedern erheben. Denkbar sei eine Größenordnung zwischen 5 und 15 Euro, sagte der Chef von Deutschlands größter Alternativbank, Thomas Jorberg.

Ein solcher "Grundsolidarbeitrag" soll dem Bochumer Institut helfen, auch in Zeiten niedriger Zinsen und sinkender Erträge nicht in fragwürdige Geschäfte gedrängt zu werden.

"Die Entwicklung dieses Grundbeitrages wird das Jahr 2016 noch in Anspruch nehmen. Wir werden es auch nicht einfach einführen, sondern testen mit einer Testgruppe. Wir sehen, dass wir es dann im nächsten Jahr einführen können", sagte Jorberg. "Es soll auf jeden Fall ein Betrag sein, den jeder bezahlen kann. Insofern wird er gestaffelt sein." Die genaue Höhe des Beitrages sei ebenso noch offen wie die Frage, ob Angebote wie die Kontoführung eingerechnet würden.

Im vergangenen Jahr erhöhte sich das Kreditvolumen der GLS Bank zum Vorjahr um 11,6 Prozent auf gut 2,1 Milliarden Euro. Die Einlagen klettern sogar um 15,3 Prozent auf gut 3,6 Milliarden Euro - obwohl das Institut auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern keine Zinsen mehr zahlt. "Viele sagen uns: Wenn ich schon keinen Zins bekomme, will ich wenigstens wissen, was die mit meinem Geld machen", sagte Jorberg. Ein Problem: 30 bis 40 Prozent der Kundengelder sind kurzfristige Einlagen, die nicht für Kredite eingeplant werden können.

Unter dem Strich stand 2015 ein Überschuss von rund 5,1 Millionen Euro - 700.000 mehr als im Vorjahr. Die 42.000 Mitglieder des genossenschaftlich organisierten Instituts sollen zwei Prozent Dividende erhalten. Insgesamt hat die GLS 193.000 Kunden.

nck/dpa

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ironpolem 02.02.2016
1. Eine Genossenschaft kan machen was sie will
Es darf nur nicht illegal sein. Wenn sich die Genossen einig sind, daß die Bank dafür bezhalt wird, daß sie das Geld der Kunden sicher verwahrt (kicher, kicher), dann soll es so sein. Vergleicht man das Geschäftsmodell einer Lebens- Versicherung mit der der Banken, dann gibt es ds bie der Versciherung schon lange. Von Riestersparern z.B. nehmen Versciherugen zwischen 8 - 11 Prozent Gebühren (zm Vergleich die DRV/Berlin braucht ca. 2-3Prozent). Also, warum nicht den Banken dafür Geld bezahlen, daß sie unser Geld nehmen und damit arbeiten. (Achtung, Ironie)
SPONU 02.02.2016
2. Gls
finde die Geschäftsstrategie nach wie vor klasse. Eine ethische Bank ist genau das was wir brauchen. Man kann sich nicht einerseits über wahnwitzige Abzocke von Bankern aufregen und sein Geld weiterhin zu den traditionellen Geschäftsbanken tragen. Deshalb z.B. zur GLS
sam242 02.02.2016
3. Phantasieloser Vorstand
"Zahlt mir Geld, damit ich nicht in Versuchung gerate, Dummheiten zu begehen." Wäre ich dort Kunde / Mitglied, würde ich mir die Frage stellen, wo die sanfte Form der Erpressung aufhört. Ein intelligenterer Vorstand würde intelligentere Lösungen finden. Wenn die GLS mit der kurzfristigen Liquidität nichts anfangen kann, liegt zum Beispiel nahe, diese abzubauen durch Negativ-Zinsen. Das wäre verursachergerecht. Denn die monatliche Pauschale soll ja wohl ich von den Dispo-Kunden genommen werden. Gäbe noch viel mehr dazu zu sagen, aber lassen wir das für andere.
Geldanleger 02.02.2016
4. Geht gar nicht...
was die GLS da durchziehen möchte. Solche Banken wissen scheinbar ganz genau wie man dubiose Geschäfte betreibt. Und jetzt sollen die Kunden auch noch eine Art Schutzgeld zahlen damit die Banker nicht in Versuchung gedrängt werden. Es ist wirklich kaum zu glauben, für wie dumm die Kunden gehalten werden. Bei dieser Bank würde ich sofort mein Geld herausziehen, wenn ich dort welches hätte. Jahrelang haben die sich die Taschen voll gestopft und jetzt so was. Peinlich peinlich!
CommonSense2006 02.02.2016
5. Das ist schon irre
Wenn eine Bank schon deutlich mehr Einlagen hat, als sie an Krediten überhaupt rausreichen kann... klar, die besondere Verantwortung verbietet eine Menge Geschäfte, aber wie wäre es denn, wenn sie zum Beispiel auch ganz normale Eigenheime finanzieren würde, da ist noch ein bisschen Marge drin und es ist bestimmt nichts unethisches daran. Kurzfristige Einlagen hin oder her, wenn die Kunden diese Einlagen plötzlich wiederhaben wollen, kann die Bank das ja auch recht Problemlos mit Krediten der EZB ausgleichen, bis zur Hälfte der Einlagen soltle das problemlos gehen oder bin ich da naiv?
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