Umstrittene Glyphosat-Studie Brauer bezeichnen Pestizid-Vorwürfe als "absurd"

Der Deutsche Brauer-Bund wehrt sich gegen die Glyphosat-Studie des Münchner Umweltinstituts: Bei eigenen Messungen hätten die Rückstände des Pestizids im Bier die Höchstwerte nie überschritten.

Bierausschank beim Oktoberfest: Werte sollen Höchstgrenze nie überschritten haben
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Bierausschank beim Oktoberfest: Werte sollen Höchstgrenze nie überschritten haben


Das Umweltinstitut München hat in den 14 meistverkauften Biersorten in Deutschland das umstrittene Pflanzengift Glyphosat nachgewiesen. Nun hat sich der Deutsche Brauer-Bund zu der Studie geäußert. Als "absurd und haltlos" bezeichnen die Brauer den Vorwurf des Umweltinstitutes, die Brauereien würden ihre Rohstoffe nicht ausreichend kontrollieren.

Die Brauereien in Deutschland betrieben einen hohen Aufwand, um die natürlichen Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe auf mögliche Schadstoffe zu kontrollieren. Nach dem Reinheitsgebot dürfen nur diese vier Stoffe zum Brauen verwendet werden. Man habe ein eigenes Überwachungssystem für Braumalz.

"Unser Monitoring zeigt, dass die gemessenen Werte stets deutlich unter den Höchstgrenzen liegen. Zu keiner Zeit konnten Überschreitungen der zulässigen Rückstandshöchstwerte bei Glyphosat festgestellt werden." Daneben gebe es staatliche Kontrollen und weitere Eigenkontrollen der Brauereien, die dafür Sorge trügen.

Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) meldete sich in der Angelegenheit zu Wort: "Wir haben in Deutschland das weltweit strengste Pflanzenschutzgesetz", sagte ein DBV-Sprecher. Nach Angaben des Bauernverbands sei der Einsatz bei der Vorerntebehandlung von Braugerste hierzulande verboten. Möglich sei jedoch, dass Bauern den Boden vor dem Einbringen des Saatguts mit glyphosathaltigen Mitteln behandeln, um diesen von Unkraut zu befreien. Glyphosat zersetze sich jedoch innerhalb von zwei bis drei Wochen im Boden.

Es sei schwer festzustellen, aus welcher Quelle das gefundene Herbizid stamme, sagte der Bauernverbandssprecher weiter. Es könnte jedoch sein, dass Spuren von Glyphosat durch den Import von Braugerste Eingang in die Produktionskette gefunden hätten. Jedes Jahr werden rund eine Million Tonnen Braugerste importiert - hauptsächlich aus Frankreich, Dänemark und Großbritannien.

Im Sommer läuft EU-Zulassung aus

Über den Einsatz des Unkrautvernichters wird schon länger debattiert. Die Weltgesundheitsorganisation hatte Glyphosat im vergangenen Jahr als potenziell krebserregend eingestuft. Die EU-Lebensmittelbehörde Efsa kam dagegen zum Schluss, es sei "unwahrscheinlich, dass Glyphosat eine krebserregende Gefahr für den Menschen darstellt". Diese Entscheidung wurde von hundert internationalen Forschern in einem offenen Brief als"wissenschaftlich unakzeptabel" kritisiert.

Die Zulassung in der EU läuft im Sommer aus, die EU-Kommission muss über eine neue Genehmigung des Unkrautvernichters entscheiden. Der Bundestag hat sich für eine baldige Neuzulassung des umstrittenen Pflanzengiftes Glyphosat ausgesprochen.

dpa/afp/asc

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insgesamt 205 Beiträge
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eckawol 25.02.2016
1. Glyphosat wsr bei Entstehung des Reinheitsgebotes
nicht bekannt. Also gehört Glyphosat auch in kleinsten Mengen nicht ins Bier.
josian 25.02.2016
2. Nur Markenbiere betroffen
Die Großbrauereien der Discounter sind alle rein? Unvorstellbar !
passiflore 25.02.2016
3. Journalisten können nicht rechnen,
haben weder eine Ahnung von Maßeinheiten, noch von Physik oder Chemie. Hätten sie das, wären sie ja nicht Journalist geworden. Das „Institut“ (welches gar kein Institut im Sinne eines wissenschaftlichen Instituts ist, sondern ein von Spenden lebender Aktivisten-Verein) hat heute die Meldung rausgehauen, dass in einer von ihnen beauftragten Studie in Bieren das Herbizid Glyphosat nachgewiesen worden sei, und zwar in Konzentrationen von bis zu 29,74 Mikrogramm pro Liter. Dann verweisen sie auf den Trinkwassergrenzwert für Pflanzenschutzmittel, der liegt bei 0,1 ug pro Liter. Die Meldung, die sofort von SPON und dem WDR aufgegriffen wurde, erinnert fatal an das Muttermilch-Glyphosat-Desaster der Grünen vom vergangenen Jahr und wurde prompt vom Bundesinstitut für Risikobewertung klar gestellt. Der Haken an der Sache ist nämlich die Messmethode: So schreibt das Umweltinstitut: „So haben wir getestet: Für unseren Test wurde die sogenannte ELISA-Methode verwendet. Diese Methode ist die sensibelste, die es derzeit gibt. Mit einer Bestimmungsgrenze von 0,075 µg/l kann sie selbst sehr kleine Spuren von Glyphosat aufspüren.“ Hier scheint ein Rechenfehler oder eine bewusste Täuschung vorzuliegen: Zitat: Hans-Jörg Jacobsen, ehem. Leiter der Abteilung Pflanzenbiotechnologie am Institut für Pflanzengenetik der Universität Hannover
Mundil 25.02.2016
4. Unglaublich
aber wahr- der private Benutzer soll dieses zeug nicht benutzen, die Industrielle Landwirtschaft sehr wohl- man sollte da mal mit der Wahrheit rausrücken. Warum ist etwas privat schädlicher? Es geht hier um Gifte die von der Industrie in Unmengen genutzt werden.
tomxxx 25.02.2016
5. Nitrosamine...
gehören nicht ins Bier, die sind einfach drin! Auch Krebs-erregend!
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