Gold, Aktien, Immobilien Diese Geldanlage hätte Sie reich gemacht

Wer vor 20 Jahren 10.000 Euro aufs Sparbuch legte, hat heute real weniger Geld als damals. Doch wie lief es mit Immobilien, Aktien, Gold? Und mit welchem Investment wären Sie heute Millionär?

Goldbarren der Bundesbank (Archivbild)
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Goldbarren der Bundesbank (Archivbild)

Von Anna Wilke


Die Zeiten sind hart für deutsche Sparer: Auf das klassische Sparbuch gibt es so gut wie keine Zinsen mehr, und die Inflation ließ zuletzt die Kaufkraft des angesparten Geldes dahinschmelzen.

Wer vor 20 Jahren 10.000 Euro auf ein Sparbuch gelegt hat, freut sich dank Zinsen heute über rund 12.000 Euro. Weil zugleich aber auch die Preise gestiegen sind, kann er sich im Vergleich zu damals nur noch Waren im Wert von 9340 Euro kaufen. Der Anleger hat also trotz fleißigen Sparens einen realen Verlust gemacht.

Um wenigstens ein bisschen Rendite zu erwirtschaften, müssen sich Anleger daher auch abseits der gängigen Sparbücher und Tagesgeldkonten umsehen: Doch wohin am besten mit dem Geld: Gold, Immobilien, Aktien?

Empfehlungen für die Zukunft sind immer eine schwierige Sache. Ob die Zinswende kommt oder einzelne Aktienkurse einbrechen, kann in etwa so gut vorausgesagt werden, wie die Lottozahlen am kommenden Samstag. Doch wer sich die Vergangenheit ansieht, kann daraus trotzdem manchmal kluge Schlüsse ziehen. Die folgende Grafik zeigt, was in 20 Jahren aus 10.000 Euro geworden wäre.

Die einzelnen Kurven können über die Legende ein- und ausgeblendet werden. So können Sie Anlageformen miteinander vergleichen. Kleiner Tipp: Lassen Sie sich auch einmal die Apple-Aktie anzeigen.

Wer im Jahr 1997 zum Beispiel 10.000 Euro in Dax-Aktien investiert hat, kann sich heute inflationsbereinigt über knapp 27.000 Euro freuen - ein Gewinn von 170 Prozent. Und da ist der Wertverlust durch Preissteigerung schon einberechnet.

Doch längst nicht alle Aktien liefen so gut - mit der Deutschen Bank Chart zeigen etwa machte man inflationsbereinigt Verluste. Wer damals 10.000 Euro in Apple-Papiere investiert hätte, wäre dagegen heute zweifacher Millionär.

Das Tagesgeldkonto brachte im selben Zeitraum real nur ein kleines Plus. Und Immobilieninvestments - selbst in deutschen Metropolen - zahlten sich für Anleger auch erst in den vergangenen sechs Jahren aus. Zuvor ging es meist abwärts.

Bei dieser Rückschau muss beachtet werden, dass es sich bei dem Zeitraum (1997 bis 2017) um eine sehr willkürliche Auswahl handelt, die das Ergebnis entscheidend beeinflusst. So macht es beispielsweise einen enormen Unterschied, ob man sein Vermögen im Jahr 2000 oder 2001 in Telekom-Aktien gesteckt hat.

Ebenfalls wichtig: Steuern, Nebenkosten und Gebühren sind in der Grafik nicht eingerechnet. Bei Geldanlagen mit hohen Kaufnebenkosten wie zum Beispiel Immobilien sollte man das beachten.

Welche Daten stecken hinter der Grafik?
Der Sparstrumpf
Wer vor zwanzig Jahren Geld in seinen Sparstrumpf gelegt hat, findet dort heute noch denselben Betrag. Trotzdem kann er sich mittlerweile weniger von seinem Geld kaufen als damals. Grund ist die Inflation, also der Anstieg des allgemeinen Preisniveaus.

Durchschnittlich liegt die Inflation in Deutschland bei 1,5 Prozent pro Jahr. Der Wert des gesparten Geldes liegt nach zwanzig Jahren bei nur noch rund 7600 Euro.

Zahlen zur jährlichen Inflation gibt es beim Statistischen Bundesamt.
Das Sparbuch
Auf ein Sparbuch gibt es im Vergleich zum Sparstrumpf wenigstens ein paar Zinsen. Um herauszufinden, ob diese Zinsen die jährliche Inflation ausgleichen, interessieren sich Anleger für den sogenannten Realzins. Im Gegensatz zum Nominalzins, also dem Zins auf dem Papier, ist dieser inflationsbereinigt. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das: Realzins gleich Nominalzins minus Inflationsrate. Ist die Inflationsrate höher als der Nominalzins, ist der Realzins negativ und der Anleger hat am Ende weniger als vorher. Berechnet wird der Realzins mit folgender Formel:
Die Zinsen auf Spareinlagen sind von 2,32 Prozent im Frühjahr 1997 auf 0,03 Prozent im Frühjahr 2017 gefallen. Die Sparbuchzinsen hätte die Inflation in den letzten zwanzig Jahren nicht ausgleichen können.

Die durchschnittlichen Zinswerte für Sparbücher stammen von der FMH-Finanzberatung.
Das Tagesgeldkonto
Die Zinsen für Tagesgeld (10.000 €) sanken in den vergangenen zwanzig Jahren von 2,69 Prozent auf 0,16 Prozent. Wer im Frühjahr 1997 seine 10.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto angelegt hätte, läge mit seinem Nominalzins über der Inflation - hätte also einen realen Gewinn gemacht.

Die durchschnittlichen Zinswerte für Tagesgeldkonten stammen von der FMH-Finanzberatung.
Die Immobilie
Entscheidend für die Berechnung der Immobilienrendite sind die Jahresmieteinahmen und die sogenannte Bruttomietrendite, die das Verhältnis der Jahresmiete zum Kaufpreis beschreibt.
Diese Berechnung gibt allerdings nur einen ersten Anhaltspunkt und ist nur von eingeschränkter Aussagekraft. Die Bruttomieteinnahmen stehen dem Vermieter schließlich nicht vollständig zur Verfügung. Sie werden beispielsweise durch laufende Betriebskosten gemindert.
Auch einmalige Kaufnebenkosten wie Steuern und Maklerprovisionen tauchen in dieser Berechnung nicht auf. Sie können rund 10 Prozent des Kaufpreises ausmachen.
In der vorliegenden Grafik wurde mit der Entwicklung der Wohnungsmieten im Bestand in den Top 7 Metropolen und den Bruttomietrenditen für Eigentumswohnungen in den Top 7 Städten (ohne München) gerechnet.

Die Zahlen stammen von den Analysten von Scope Investor Services.
Die Aktien
Bei der Wertentwicklung von Aktien wurden Aktiensplits und Dividendenauszahlungen berücksichtigt. Beides hat auf dem Papier zunächst einen Kurseinbruch zur Folge - darf aber nicht als solcher verstanden werden.

Bei einem Aktiensplit wird die Anzahl der vorhandenen Aktien vermehrt – also beispielsweise eine alte Aktie durch zwei neue ersetzt. Dabei verändern sich aber weder die Beteiligungsverhältnisse, noch der Börsenwert des Unternehmens. Der Anleger hat nur statt einer Aktie, zwei Aktien zum halben Preis.

Auch nach der jährlichen Dividendenauszahlung verändert sich der Kurswert einer Aktie. Ist eine Aktie beispielsweise mit 100 Euro notiert und 2 Euro werden ausgeschüttet, fällt der Kurs auf 98 Euro. Für den Anleger ändert sich wirtschaftlich also nichts.
Das Gold
Für Anleger gilt Gold traditionell als Krisenabsicherung und stabiles Investment in turbulenten Zeiten. Die Grafik zeigt, dass der Goldpreis in den vergangenen Jahren nicht stabil war. Als langfristige Geldanlage über zwanzig Jahre wäre Gold allerdings eine gute Wahl gewesen.


insgesamt 58 Beiträge
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forumname123 09.06.2017
1. Bitcoin
Bitcoin und Altcoins wie Ethereum und Monero wurden im Bericht vergessen
rstevens 09.06.2017
2. Bitcoin fehlt.
Wer 2010 mit 10000€ eingestiegen wäre, hätte bei heutigem Ausstieg knapp 5Mio Euro.
andreas_pieper 09.06.2017
3. Blockchain rolls
und wer sein Kapital vor wenigen Monaten in Altions gesteckt hätte, würde heute ein Profit von +500% bis +5000% haben ;-)
observerlbg 09.06.2017
4. Tja, hätte, hätte.....
Die alte Geschichte von der Ameise und der Grille. Grundsätzlich sagen einem alle Börsenfüchse, man muss nur lange genug warten, dann hat man immer eine gute Rendite, wenn man sein Portefolio breit genug hält. Nur das Kapital muss man erstmal haben. Es gibt Beispiele von Extremanlegern, die jeden verfügbaren Cent einsetzen und am Ende als Millionär in einer Einzimmerkellerwohnung sterben. Andererseits kenne ich Menschen wie mein Vater, die am Todestag nichts haben, aber lange gut leben konnten. Am Ende sind wir alle klüger?!
peterle3 09.06.2017
5. Deutsche Brille
Und wo ist sind die internationalen Anlagen? Stiftung Warentest empfiehl seit Jahren und Jahrzehnten, sich nicht auf deutsche Anlagen wie den Dax zu kaprizieren (und schon gar nicht auf Einzeltitel zu setzen), sondern weltweit zu streuen, z.B. mit dem MSCI.
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