Von Stefan Kaiser
Hamburg - Die Deutschen haben viel zu verlieren. Auf Bankkonten, in Aktiendepots, bei Versicherungen und unter Kopfkissen haben sie laut Bundesbank fast fünf Billionen Euro Geldvermögen gebunkert. Pro Bundesbürger sind das durchschnittlich rund 60.000 Euro. Wegen der ungleichen Verteilung haben einige Bürger sehr viel mehr, und viele andere deutlich weniger Geld - doch keiner will etwas davon verlieren. Genau das droht aber nun durch die Zuspitzung der Euro-Krise.
Egal, wie es weitergeht, auf Anleger dürften in jedem Fall schwere Zeiten zukommen: Bricht die Euro-Zone im schlimmsten Fall auseinander, drohen Staatspleiten in Südeuropa und heftige Verwerfungen auf den Finanzmärkten wie in der Realwirtschaft. Rettet die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen, wie von vielen Politikern gefordert, die gemeinsame Währung durch unbegrenzte Aufkäufe von Staatsanleihen, müssen sich die Bürger auf steigende Inflationsraten einstellen.
Experten halten es auch für möglich, dass beide Szenarien zusammenfallen. "Die Euro-Zone wird in fünf Jahren voraussichtlich nicht mehr so aussehen wie heute", sagt Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Deutschlands zweitgrößtem unabhängigen Vermögensverwalter Flossbach & von Storch. Staaten wie Griechenland oder Portugal würden wahrscheinlich freiwillig aus der Währungsunion ausscheiden, auch ein Abgang Italiens und Spaniens sei nicht unmöglich. Aber nur in kleineren Ländern bestehe die Gefahr einer Umschuldung, meint Vorndran.
Schon das allein könnte heftige ökonomische Turbulenzen zur Folge haben. Doch damit nicht genug: Vorndran und seine Kollegen rechnen zusätzlich mit steigenden Inflationsraten. "Wir sind davon überzeugt, dass alle Volkswirtschaften gezwungen sein werden, ihre Schuldenprobleme über die weitere Ausweitung der Geldbasis und künstlich tiefen Zinsen zu lösen", sagt der Anlageexperte. "Ein konzertiertes Sparen aller Schuldensünder hätte eine Depression wie in den dreißiger Jahren zu Folge, und das ist politisch nicht gewünscht."
"Für die kommenden zehn Jahre erwartet Vorndran Inflationsraten von durchschnittlich fünf bis sechs Prozent. "Damit werden die klassischen Lieblingsanlagen der Deutschen wie Festgeld, Sparbuch oder Anleihen zum Verlustgeschäft", sagt der Experte. Die mickrigen Zinsen würden von den Inflationsraten aufgefressen. Deshalb müssten sich die Anleger umstellen: Statt den nominalen Wert ihres Geldes zu vermehren, sollten sie künftig darauf bedacht sein, ihre Kaufkraft zu erhalten.
Einige Anleger sind bereits auf der Flucht in vermeintlich sichere Investments. In Deutschland boomt der Immobilienmarkt. Vor allem in den Großstädten steigen die Preise für Eigentumswohnungen und Häuser deutlich an. In Metropolen wie Hamburg oder München ist der Markt schon fast leergefegt. Was noch zu haben ist, ist entweder sehr teuer oder hat Macken.
Auch Gold steht bei vielen Anlegern hoch im Kurs. Der Preis für eine 31 Gramm schwere Feinunze ist seit Jahresbeginn von etwa 1400 auf mehr als 1700 Dollar gestiegen. Händler berichten von einem regelrechten Ansturm auf das Edelmetall.
Doch nicht alle sind überzeugt, ob das die richtige Reaktion ist: "Ich halte die Flucht in die Sachwerte für keine geeignete Lösung", sagt Andreas Beck, Chef des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) in München. Die Risiken von Immobilien, Edelmetallen oder auch Aktien würden derzeit von vielen Anlegern und ihren Bankberatern unterschätzt.
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