"Goldener Windbeutel" Wer wirbt mit den dreistesten Slogans?

Zu süß, zu fett, zu viele Zusatzstoffe: Die Verbraucherorganisation Foodwatch nominiert fünf Produkte für den "Goldenen Windbeutel", den Schmähpreis für die dreisteste Werbeaussage des Jahres. Die Kandidaten.

Windbeutel-Kandidaten 2018
foodwatch

Windbeutel-Kandidaten 2018

Von Florian Gontek


"Du bist, was du isst", heißt es - und das hat manchmal ziemlich wenig mit dem zu tun, was in großen Buchstaben auf den Verpackungen steht. Was wirklich dran ist an den Werbeversprechen der Hersteller, entlarvt häufig erst die Zutatenliste. Fünf Produkte, die die Verbraucher aus ihrer Sicht besonders unverschämt getäuscht haben, hat die Verbraucherorganisation Foodwatch nun für ihren Schmähpreis der dreistesten Werbeaussage, den "Goldenen Windbeutel", nominiert.

Mehr als hundert Produkte wurden zuvor über die neue Foodwatch-Beschwerdeplattform www.schummelmelder.de eingereicht. Noch bis Anfang Dezember besteht nun unter www.goldener-windbeutel.de die Möglichkeit, darüber abzustimmen, welches Produkt den Schmähpreis verdient hat. Der "Goldene Windbeutel" wird dem Gewinner anschließend an dessen Firmensitz verliehen - falls der Hersteller ihn annimmt. Bisher lehnten alle Unternehmen ab. Im vergangenen Jahr die Firma Alete, die für einen überzuckerten Kinderkeks ausgezeichnet werden sollte.

Foodwatch will mit der Aktion auf die "alltägliche Verbrauchertäuschung" der Lebensmittelindustrie aufmerksam machen. Selbst wenn Verbraucher bewusst einkaufen wollten, werde ihnen dies durch die Aufmachung und Beschreibung der Produkte zu oft erschwert, so Foodwatch. Auch Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Verbraucherschutz, sei bislang vor allem durch ihren "Kuschelkurs gegenüber der Lebensmittelwirtschaft" aufgefallen, der den Schwindel toleriere, kritisieren die Verbraucherschützer.

Foodwatch vergibt den "Goldenen Windbeutel" dieses Jahr zum achten Mal. Die Verbraucherorganisation will mit der Onlinewahl und der anschließenden Preisverleihung nach eigenen Angaben darauf aufmerksam machen, wie Produzenten mit ihren Beschreibungen tricksen und täuschen - und sich für eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln einsetzen.

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insgesamt 26 Beiträge
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Tharsonius 06.11.2018
1. Gute Kampagne
auch wenn ich selber in der Lage bin mir die Zutaten von produkten anzuschauen (was heutzutage jeder können sollte) und darauf basierend meine Kaufentscheidung zu treffen, sind solche kampagnen wichtig um den Herstellern etwas reputativ Paroli zu bieten. Weiter so. ;)
dasfred 06.11.2018
2. Langsam übertreiben sie es
Wenn im Erbseneintopf die Zusatzstoffe im Speck und Kasseler stecken, dann unterscheidet er sich kaum vom selbst gekochten Eintopf. Da kommen schließlich auch Kasseler und geräuchertes Fleisch als Geschmacksträger hinein. Und Ketchup für Kids ist ein Marketing Gag. Die verzehren doch sowieso den meisten Ketchup. Riegel, die nicht aus Fett und Zucker bestehen, ist doch kein Mensch freiwillig. Wer trotz Schule, Internet und Fernsehen immer noch glaubt, Fertigfraß ist so gesund, wie frisches Gemüse, der will auch nichts ändern.
Strafjurist 06.11.2018
3. Klarer Favorit
Auch wenn die anderen Produkte in unterschiedlichem Umfang ärgerlich sind: Das "Smartwater" schießt hier eindeutig den Vogel ab. Wasser erst zu destillieren um es dann künstlich zu mineralisieren ist angesichts der hierzulande erhältlichen Trinkwasserqualität aus dem Wasserhahn ohnehin eine vollkommen sinnlose Ressourcenverschwendung, und die irrwitzigen Kosten dafür auch noch dem Endverbraucher aufdrücken zu wollen, ist schlicht unverschämt. Erstmals begegnet bin ich so beworbenen Wässern letztes Jahr in London, und auch da habe ich mich schon darüber aufgeregt, was für einen Werbequatsch Hersteller betreiben, um das von ihnen verwendete kohlensäureversetzte Leitungswasser so aufzumotzen, dass Tafelwasser als Premiumprodukt vermarktet wird - hierzulande soll der Namensbestandteil "Glaceau" wohl an Eis-, also Gletscherwasser, erinnern und damit dem Verbraucher eine besondere Herkunft des Wasser suggerieren, die gar nicht existiert. Dann doch lieber ein echtes Mineralwasser - oder eben einen Leitungswasserprudler, um sich die Schlepperei zu sparen. Damit schafft man mit dem Preis von fünf Litern des Sinnlosprodukts von Coca Cola über 60 l gesprudeltes Trinkwasser...
sponskinny 06.11.2018
4. Goldener Windbeutel aber Smart-Innovationspreis
geht an das Wasser. Gibt es dafür eine CO2-Bilanz? Wie genial ist das denn, olles Leitungswasser nehmen, destillieren, dann wieder 3 Mineralien hinzufügen, dass es trinkbar ist und halbwegs schmeckt, und dass sich noch teuer bezahlen lassen. RESPEKT!!!! Die Idee ist ja noch besser als das bisherige Wasser der Cola Company (kam das nicht bei Frankfurt aus dem Wasserhahn?). Nur noch zu toppen, indem man einzelne Flaschen in Folienschlauch mit Griff einschweißt, als Outdoor-Wasser für unterwegs...
zieglerm 06.11.2018
5. Etwas enttäuschend
Das Wasser und der Müsliriegel sind sicher ärgerlich, aber früher gab es drastischere Preisträger. Gibt es die nicht mehr ? Dann wäre die Kampagne ja tatsächlich ein Erfolg. Schlimmer finde ich Fruchtjoghurt ohne Frucht, angeblich gesunde Süßigkeiten wie Vitamin-Bonbons oder Milchschnitte, Bio Produkte mit umweltzerstörend gewonnenem Palmöl, ...
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