Weniger Chemikalien Greenpeace lobt Klamotten von Aldi und Co.

Käufer müssen sich laut Greenpeace bei Kleidung von Aldi, Lidl, Penny und Tchibo weniger Sorgen um Schadstoffe machen. Diese Händler seien "stramm auf Entgiftungskurs", hieß es. Andere Firmen dagegen sträubten sich noch.

Kleidungseigenmarken von Lidl: Lob von Greenpeace
DPA

Kleidungseigenmarken von Lidl: Lob von Greenpeace


Noch im vergangenen Jahr hatte Greenpeace der Kindermode von Aldi, Lidl, Rewe und Tchibo ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Die Umweltschutzorganisation hatte Klamotten und Schuhe untersucht und nach eigenen Angaben gefährliche Chemikalien nachgewiesen. Doch in den zurückliegenden Monaten haben die Firmen offenbar zahlreiche Verbesserungen eingeführt.

Laut Greenpeace sind die Discounterketten Aldi, Lidl und Penny, der Kaffeeröster Tchibo sowie die schweizerische Kette Coop vorbildlich bei einer sauberen und schadstoffarmen Textilproduktion. Diese Händler hätten bereits erste besonders schädliche Chemikalien aus der Produktion verbannt, teilte Greenpeace mit. In Kürze würden sie zudem 80 Prozent ihrer Abwasserdaten veröffentlichen, und sie brächten Programme für die Rücknahme und das Recycling von Textilien auf den Weg.

"Was erschwinglich ist, sollte auch sauber sein", sagte Greenpeace-Expertin Kirsten Brodde. "Aldi, Lidl, Penny und Tchibo beweisen das nun: Sie sind stramm auf Entgiftungskurs".

Greenpeace beruft sich bei seiner Einschätzung auf Fortschrittsberichte der Firmen. Demnach sind die Unternehmen dabei, schädliche Chemikalien wie Weichmacher oder per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) bei der Herstellung nicht mehr zu verwenden.

Umweltschützer sehen auch die Kunden am Zug

Die Kritik von Greenpeace an den Billighändlern im vergangenen Jahr hatte bald darauf Wirkung gezeigt. Aldi, Lidl, Penny und Tchibo hatten sich im Frühjahr einer Greenpeace-Kampagne angeschlossen und zugesagt, bis 2020 alle umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien aus der Textilproduktion zu verbannen.

Als weitere Supermarktkette wolle sich Kaufland nun verpflichten, bis zum Jahr 2020 giftfrei zu produzieren, teilte Greenpeace aktuell mit. Damit seien es nun 33 internationale Marken, die sich gegenüber der Umweltschutzorganisation zur schrittweisen Verbannung riskanter Chemikalien bekannt hätten. Dies entspreche etwa 15 Prozent der weltweiten Textilproduktion. Die zum Färben und Ausrüsten eingesetzten Substanzen verschmutzten Gewässer besonders in den asiatischen Herstellungsländern, teilte Greenpeace mit.

Zugleich kritisierte die Organisation, dass es immer noch Unternehmen gebe, die sich gegen die Initiative für giftfreies Produzieren sperren. So seien Edeka, Netto, Norma, Metro und Real Schlusslichter beim Engagement für eine saubere Textilproduktion.

Greenpeace mahnte zudem die Verbraucher, auf die Wiederverwertbarkeit von Klamotten zu achten. Demnach arbeiten Lidl, Tchibo, Rewe und Penny auch an Programmen für Rücknahme und Recycling. Greenpeace appellierte an die Kunden, abgetragene Kleidung in die Supermärkte zurückzubringen. "Umso schneller werden die Supermarktketten mit dem Recycling beginnen", hieß es.

mmq/AFP



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insgesamt 43 Beiträge
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labbimen 15.12.2015
1.
Greenpeace lobt die Firmen, "weil sie dabei sind", schädliche Substanzen nicht mehr zu verwenden? Genügen der einst höchsten moralischen Instanz in Sachen Umweltschutz mittlerweile Absichtserklärungen zum Ablass oder vielleicht eher eine (finanzielle) Beteiligung an ihrer Kampagne?
axelmueller1976 15.12.2015
2. Welche Kleidung darf man noch anziehen ?
Die Grünen wollten uns schon einmal vorschreiben was und wann wir essen dürfen und sind krachend gescheitert. Jetzt will uns Greenpeace sagen was wir anzuziehen haben .Sind wir nicht freie Bürger ?
joe_ann 15.12.2015
3. Das lässt die Discounter gleich noch sympatischer werden
...Wer glaubt, teuer zu kaufen, kauft auch gut, der irrt. Eine Fabrik in Bangladesch- auf Nachfrage, für wen sie produzieren: u.A. H&M, Jack&Jones, KIK. Und da ich noch nie gewillt war, nur für einen Namen 200% mehr zu zahlen, kann ich jetzt noch ruhigeren Gewissens Klamotten bei Lidl und Aldi kaufen.
trader_07 15.12.2015
4. Und wie bewertet...
Und wie bewertet Greenpaece die Nachhaltigkeit von diesem Billig-Schund, der nach 5 mal Waschen schon so ausser Form ist, dass man ihn eigentlich nur noch wegschmeissen kann?
r_dawkins 15.12.2015
5. @axelmueller76
Zitat von axelmueller1976Die Grünen wollten uns schon einmal vorschreiben was und wann wir essen dürfen und sind krachend gescheitert. Jetzt will uns Greenpeace sagen was wir anzuziehen haben .Sind wir nicht freie Bürger ?
Sie können gerne weiterhin Schwermetall-belastete Kleidung kaufen und tragen, denn das Recht darauf uns, oder unsere Kinder mit solchen Klamotten zu vergiften, lassen wir uns doch von diesen "Grünen" nicht nehemen! Freiheit!
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