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Greenwashing-Vorwurf Verbraucherschützer überziehen Konzerne mit Abmahnungen

Autoabgase: Gibt es einen "umweltfreundlichen CO2-Ausstoß"?Zur Großansicht
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Autoabgase: Gibt es einen "umweltfreundlichen CO2-Ausstoß"?

In der Werbung geben sich viele Konzerne umweltfreundlich und nachhaltig. Doch die Realität sieht anders aus, bemängeln Verbraucherschützer. Mit Abmahnungen gehen sie nun gegen die Firmen vor - einige gaben schon nach.

Eine alte Werbeweisheit besagt, dass man eine Lüge nur oft genug wiederholen muss, bis sie geglaubt wird. Die deutsche Automobilindustrie ist mit einer selbstgesponnenen Legende zur Zeit ganz nah dran an einer neuen Wahrheit. Es ist die Geschichte von Autos, die vor Seen und in Urwäldern stehen und so ecoflex und bluemotion sind, dass man sich quasi wundert, weshalb sie nicht gleich zu blühen anfangen. Garniert wird der Reklametraum gern mit entsprechend grotesker Philosophie: Opel etwa wies bei einem Insignia-Modell, das vor einem Wasserfall steht, auf den besonders "umweltfreundlichen CO2-Ausstoß" hin.

Ähnlich kreativ sind die VW-Kollegen, die in einer Broschüre ihren mit 239 Gramm CO2 pro Kilometer ziemlich unökologischen Phaeton mit dem Satz dekorierten: "So hinterlässt der V6 TDI nur geringe Schadstoffmengen in der Luft - und ein reines Gewissen bei Ihnen." Das sei vor allem in Bezug auf das Vorgängermodell und das Wettbewerbsumfeld gemeint gewesen, erklärt eine Konzernsprecherin.

Neuerdings jedoch gehen die Verbraucherzentralen massiv gegen solche Umweltkosmetik vor. Mehr als ein Dutzend Abmahnungen wegen Verbrauchertäuschung verschickten sie in den vergangenen Wochen - auch an die beiden Autohersteller. Die dicke Luft, die diese Oberklassekarossen erzeugten, sei "alles andere als umweltfreundlich", kritisiert Gerd Billen, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

Billen mahnte ab - und die Hersteller gaben nach: Sie schickten Unterlassungserklärungen.

Doch seit sich Umweltverträglichkeit immer besser verkaufen lässt, wimmelt es nur so von vermeintlich nachhaltigen Produkten - und dem Konsumenten schwirrt der Kopf: Kann er wirklich hier mit ein paar Cent den Regenwald retten und dann mit "zero Emission" nach Hause fahren? "Es gibt eine Inflation irreführender Geschäftspraktiken", sagt Billen.

Die Industrie kapituliert meist sofort

Für ihre Offensiven nutzen die Verbraucherschützer immer häufiger das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), das die Täuschung von Konsumenten verbietet. Die Industrie kapituliert meist sofort: Die Edeka-Tochter Marktkauf etwa schickte der Hamburger Verbraucherzentrale gleich fünf Unterlassungserklärungen.

Man hatte Gefrierschränke als "Öko" beworben, die gar nicht so öko und auch nicht mehr die neuesten waren, so der Vorwurf. Zudem war mit Selbstverständlichkeiten wie "FCKW-frei" geworben worden. Das Kühlmittel ist allerdings schon seit Jahren verboten.

Auch Karstadt gab klein bei: Ein Notebook mit "Super Hybrid Engine" verbrauche - so hieß es im Prospekt - angeblich 35 Prozent weniger Strom. Weniger als was? Das blieb das Geheimnis der PR-Abteilung.

Lange Zeit, sagt Reiner Münker, Chef der Wettbewerbszentrale in Bad Homburg und damit eine Art Marktaufseher, seien mit dem Wettbewerbsrecht vor allem überhöhte Preise und mangelnde Qualität attackiert worden. "Jetzt geht es zusehends gegen die Sozialstandards und Nachhaltigkeitsversprechen der Unternehmen."

"Soziales Mäntelchen"

So auch bei Lidl. "Wir handeln fair", hatte der Discounter vertrauensvoll in Anzeigen behauptet. Garniert war die Werbung mit einem seriös wirkenden Siegel des BSCI. Doch diese "Business Social Compliance Initiative" ist keine unabhängige Prüfinstanz. Sie ist eine Art sozialer Vollkaskoschutz, den Einzelhändler wie Lidl und Metro für sich erfanden. Als BSCI-Mitglied sorge man "weltweit für faire Arbeitsbedingungen", behauptete Lidl noch im Januar.

Die Verbraucherzentrale Hamburg und die Kampagne für Saubere Kleidung sahen das anders. Lidl, so deren Argumentation, hänge sich nur ein "soziales Mäntelchen um" und erschleiche sich damit einen Wettbewerbsvorteil. Die Menschenrechtler hatten Zulieferfabriken in Bangladesch untersucht und sich von Näherinnen die "unmenschlichen Arbeitsbedingungen" dort schildern lassen. Nach einigem Zögern gaben auch die Lidl-Juristen vorvergangene Woche eine Unterlassungserklärung ab.

Während sich die Industrie in anderen EU-Ländern wie Norwegen, Frankreich und Großbritannien immerhin freiwillig der Prüfung ihrer Öko-Slogans unterwirft, wird hierzulande weiter getäuscht und getrickst.

Renault will sich wehren

Billens nächster Angriffspunkt ist deshalb die vermeintlich "emissionsfreie Mobilität" von Elektrofahrzeugen. Er hat nichts gegen die Technik, seine Kritik richtet sich gegen den Mythos vom sauberen Autofahren. Die Propaganda mit "zero Emission" verführe viele Käufer, so Billen - obwohl die Hersteller "weit entfernt sind von emissionsfreier Mobilität". Gerade 16 Prozent beträgt der Anteil regenerativer Energien am deutschen Strommix.

Dass hier nur der Fahrbetrieb gemeint sei, wie die Produzenten versichern, werde in der Werbung nicht klar. Die Verbraucherzentrale mahnte nun gleich vier Autohersteller ab: Mitsubishi, Renault, Daimler (Smart) und BMW. Renault will sich "wehren", ein Mitsubishi-Sprecher ließ gar wissen, man werde die Zero-Emission-PR keinesfalls unterlassen.

Verbraucherschützer Gerd Billen dagegen lässt das kalt. "Auch die", behauptet Billen, "werden bald einknicken."

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insgesamt 40 Beiträge
robiflyer 08.05.2010
Ja , diese Bigotterie unnötig überschwere Autos als umweltfreundlich anzupresein offenbart ,daß der typische BWLer keine Ahnung hat ,was er da anpreist. Im Schnitt rund 200 kg Dämmmatte aus eher fragwürdigen Komfortgründen. [...]
Ja , diese Bigotterie unnötig überschwere Autos als umweltfreundlich anzupresein offenbart ,daß der typische BWLer keine Ahnung hat ,was er da anpreist. Im Schnitt rund 200 kg Dämmmatte aus eher fragwürdigen Komfortgründen. Hinzu kommt ,daß der Produktionsprozeß garnicht beachtet wird . man tut ja so als hüpft der Wagen einfach so zum Händler.... Man kann bei einem Klein- bis unterste Mittelklasse von rund 40 Tonnen Begleitmüll ausgehen . Das steigert sich bis weit über 70 Tonnen Müll bei >40000 Euro Klasse .... man gönnt sich ja sonst nix und wohlgemerkt PRO Auto ! Insofern sollte man Abwrackprämie eher geiseln ,weil 1. der typisch Neuwagen eher mehr(!!) verbraucht 2. Ohne effektiven Nutzen ( ausser Egobefriedigung ggüb Nachbarn ) eben die Umwelt übermäßig belastet
hannohonk 08.05.2010
Was tut man am besten, wenn man wiedereinmal auf eine völlig hahnebüchene Werbung stößt? Ich habe es satt das die Konzerne ihre Konsumenten derart schamlos anlügen. Wenn ich mir ausmale das ich nur auf diesem Gebiet bewandert [...]
Was tut man am besten, wenn man wiedereinmal auf eine völlig hahnebüchene Werbung stößt? Ich habe es satt das die Konzerne ihre Konsumenten derart schamlos anlügen. Wenn ich mir ausmale das ich nur auf diesem Gebiet bewandert genug bin die Lügen zu durchschauen, wage ich es mir nicht vorzustellen was einem da sonst noch alles vorgelogen wird. Wenn mir jemand einen Rat geben kann wie man selbst dagegen tätig werden kann, wäre ich dankbar dafür.
Rainer Daeschler 08.05.2010
Es fehlt jetzt nur noch eine Initiative gegen "dietwashing", wenn Nahrungsmittelkonzerne ungestraft kalorienarmes Naschwerk für Kinder herausgeben, das sie aufgehen lässt, wie Dampfnudeln.
Es fehlt jetzt nur noch eine Initiative gegen "dietwashing", wenn Nahrungsmittelkonzerne ungestraft kalorienarmes Naschwerk für Kinder herausgeben, das sie aufgehen lässt, wie Dampfnudeln.
frubi 08.05.2010
Es gibt auch immer noch diejenigen, die sich gerne belügen lassen und das kritische hinterfragen eingestellt haben. Für solche Leute gibt es die Verbraucherzentralen. Abgabe der Eigenverantwortung in einem gewissen Rahmen. [...]
Zitat von sysopIn der Werbung geben sich viele Konzerne umweltfreundlich und nachhaltig. Doch die Realität sieht anders aus, bemängeln Verbraucherschützer. Mit Abmahnungen gehen sie nun gegen die Firmen vor - einige gaben schon nach. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,693684,00.html
Es gibt auch immer noch diejenigen, die sich gerne belügen lassen und das kritische hinterfragen eingestellt haben. Für solche Leute gibt es die Verbraucherzentralen. Abgabe der Eigenverantwortung in einem gewissen Rahmen. Wer sich z. B. Actimel kauft nur weil es angeblich der Verdauung hilt, der hat sowieso schon verloren. Ähnlich ist es beim Kaufgrund "Umweltschonend" für einen 5er BMW. Die Verbraucherschützer sollten lieber mal an die wirklichen Probleme der Verbraucher arbeiten: Genfood, Stromkartelle, Absprache bei Benzinpreisen. Das betrifft die Verbraucher wesentlich härter.
anders_denker 08.05.2010
Da mag sich Herr B. auf den kopp stellen und mit de bee wackeln, dem normalen mündigen Bürger ist schon klar, das weniger schadestoffe immer einen Vergleich zu irgendwas stehen. Das man sich mit Vorgänger, oder Wettbewerbsmodellen [...]
Da mag sich Herr B. auf den kopp stellen und mit de bee wackeln, dem normalen mündigen Bürger ist schon klar, das weniger schadestoffe immer einen Vergleich zu irgendwas stehen. Das man sich mit Vorgänger, oder Wettbewerbsmodellen (natürlich nicht noch besseren, die es ja geben könnte) vergleicht, ist logisch. Nur - es ist beleidigend, wenn Verbaruicherschützer und Politiker immer vom maximal dümmsten Bundesbürger ausgehen. Selbst die creativen der Werbenden machen das ja nicht!
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Wer wie viel CO2 reduzieren will
Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.





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