Greiskraut-Fund Rucola-Bauern gehen in die Offensive

Großaktion der Rucola-Bauern: Nach dem Fund des giftigen Greiskrauts in einer Packung Salat starten die Erzeuger nun eine Informationskampagne im Internet. Sie hoffen, damit den drastischen Umsatzeinbruch eindämmen zu können.

Rucola-Salat: Drastischer Umsatzeinbruch nach Greiskraut-Fund
dpa

Rucola-Salat: Drastischer Umsatzeinbruch nach Greiskraut-Fund


Hamburg - Das Gemeine Greiskraut ist an allem schuld: Nachdem ein Kunde vor zwei Wochen Blätter der giftigen Pflanze in einer Rucola-Packung gefunden hatte, ist der Markt für den Mode-Salat eingebrochen. Nun aber gehen die Rucola-Bauern in die Offensive. Sechs Erzeuger aus der Pfalz - der Hauptanbauregion für Rucola in Deutschland - haben sich zusammengeschlossen und eine Informationskampagne gestartet. Seit diesem Dienstag hat die neu gegründete "Interessengemeinschaft (IG) Rucola Anbauer Pfalz" ein eigenes Internetangebot. Auf der Plattform www.ig-qualitaetsrucola-pfalz.de wollen die Hersteller zur Aufklärung der Sachlage beitragen. "Die Landwirte wollen den berechtigten Anfragen der Verbraucher nun gesammelt Antworten geben", erklärte ein Sprecher.

Vor knapp drei Wochen hatte ein Kunde des Discounters Plus das giftige, von Rucola nur schwer zu unterscheidende Gemeine Greiskraut im Salat gefunden. Den Rucola hatte er in einer Filiale der Edeka-Tochter in Hannover gekauft. Der Kunde schickte die Ware zur Analyse an das Pharmazeutische Institut der Universität Bonn. Die Forscher dort fanden heraus, dass in der Probe die tägliche Höchstdosis des im Greiskraut enthaltenen Giftstoffs um ein Vielfaches überschritten war.

Die IG betonte, dass bis heute kein amtliches Gutachten vorliege. Dennoch sei der Absatz Pfälzer Rucola-Erzeuger fast vollständig zum Erliegen gekommen. Nach dem Fund hatten mehrere Lebensmittelketten Rucola aus deutschem Anbau aus dem Sortiment genommen. Inzwischen haben sie aber angekündigt, den Salat wieder in die Regale zu nehmen.

Rheinland-Pfalz ist das Bundesland mit der größten Rucola-Anbaufläche in Deutschland. Der zeitweilige Verkaufsstopp hatte den Landwirten drastische Umsatzeinbußen beschert.

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Silvia, 09.07.2009
1.
Tja, ob Gesetze etwas bringen, ist fraglich. Noch mehr solcher abstrusen Gesetze, die krumme Gurken und nicht DIN-genormte Bananen verbieten, brauchen wir jedenfalls nicht. Ich denke, es muss grundsätzlich etwas passieren, damit man vom reinen Profitstreben endlich weg kommt. Das ist auch ein Umdenkprozess bei der Bevölkerung, dass sie nicht alles gedankenlos in sich hineinstopft. Also, da bin ich mittlerweile empfindlicher geworden. Mais kaufe ich nur noch aus biologischem Anbau, seitdem sich Gen-Mais breit macht. Und nachdem ich einmal einen Film über die Machenschaften von Monsanto gesehen habe, bin ich geprickt. Oder diese ganze Bio-Piraterie und dieses merkwürdige Patentwesen, dass es Großkonzernen erlaubt, uraltes Menschheitswissen für sich zu beanspruchen und zu vermarkten wie es z. B. beim Neem-Samen (http://umweltinstitut.org/gentechnik/patentierung/erfolg-gegen-biopiraterie-europaisches-patentamt-widerruft-endgultig-patent-auf-neem-ol-204.html) durch die Firma Grace versucht wurde, sowas finde ich widerwärtig. Das sind für mich alles Gangster. Das gehört sich einfach nicht! Und sowas versuche ich, wenn es irgend geht, mit meiner kleinen, wahrscheinlich in der Masse unbedeutenden Kaufverweigerung zu demonstrieren. Aber mehr kann ich nicht tun.
ender, 09.07.2009
2.
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
Die Lebensmittel sind gut. Die Richter sind schlecht. Wenn jemand etwas anderes draufsteht als drinnen ist, dann ist das schwerer gewerbsmäßiger Betrug. Es sei denn es ist etwas besseres drinnen als draufsteht. Man braucht kein anderes Lebensmittelrecht, sondern Richter, die Betrug als Betrug bestrafen. Ohne Ausnahme. ender
the Poodle chews it, 09.07.2009
3.
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
Eine Verschärfung des Lebensmittelrechtes verbessert weder die Lebensmittel selbst noch die Interessen des Verbrauchers. Der einzige Effekt ist der, daß Händler, die nicht den großen Handelsketten angeschlossen sind, unter'm bürokratischen Aufwand Fehler machen und Marktverbot (http://www.abendblatt.de/hamburg/article1087061/Marktverbot-Kunden-kaempfen-fuer-Haendler.html) erhalten...
Gaztelupe, 10.07.2009
4.
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
Es wäre viel interessanter, würden sich die Ansprüche des Verbrauchers verschärfen.
inci 10.07.2009
5.
Zitat von sysopSchon wieder klagen Verbraucherschützer über die Qualität der Lebensmittel in Deutschland. Mal ist nicht drin, was draufsteht, dann werden Billigerzeugnisse zu überteuerten Preisen angeboten. Was denken Sie - muss das Lebensmittelrecht verschärft werden?
nein, muß es nicht. es würde schon ausreichend sein, wenn die verbraucher einfach mal auf die packung schauen, was sie da eigentlich kaufen. so steht z.b. seit jahrzehnten schon auf den verpackungen als zutat "formschinken", sogar in pizzerien steht das auf der speisekarte. auch der analogkäse ist beim einkauf zu erkennen. da steht nämlich milcherzeugnis drauf und nicht käse. wer zu dämlich ist, den unterschied zwischen milcherzeugnis und käse nicht kennt, dem ist sowieso kaum zu helfen. gleiches gilt für formschinken. das war in den 70ern schon ein "skandal". überhöhte preise haben allerdings mit dem lebensmittelrecht nun so viel zu tun, wie eine kuh mit dem tanzen. überhöhte preise wird es immer geben, das liegt am system. das ist kapitalismus. es liegt am verbraucher selbst, ob er sich produkte zu überhöhten preisen kauft. es gibt, neben billigerzeugnissen, auch eine ganze reihe anderer produkte, die zu überhöhten preisen angeboten und verkauft werden. kauft der kunde ein produkt nicht, wird es vom markt verschwinden. kauft er es doch, bleibt es dem markt erhalten. alternativ kann man aber auch den "armen" verbraucher auch gerne weiter vor sich selbst schützen, und gründet eine staatliche preisfindungskommission, die einheitspreise für alle produkte festlegt. und so wie die welt derzeit gestrickt ist, halte ich das durchaus nicht für unrealistisch.
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