Griechischer Schuldenschnitt: Anlegerschützer raten zu Schadensersatzklagen
Beim Schuldenschnitt in Griechenland haben deutsche Kleinanleger hohe Verluste erlitten. Aktionärsschützer raten nun zu Schadensersatzklagen. Dabei sei ein Verfahren in der Bundesrepublik der günstigste Weg - und im Sinne der Aktionärsschützer.
Berlin - Auf Griechenland könnte eine Klagewelle deutscher Kleinanleger zukommen. Eine Schadensersatzklage vor einem deutschen Gericht komme für alle in Frage, die dem Zwangsumtausch ihrer Anleihen bei dem griechischen Schuldenschnitt nicht zugestimmt hätten, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer.
Die privaten Gläubiger müssen auf mindestens 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten und erhalten neue Papiere mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Mit diesem Vorgehen verstoße Griechenland gegen Völker- und Europarecht, sagte Jurist und DSW-Funktionär Dirk Unrau. Insgesamt machten die Anleger den Angaben zufolge Verluste zwischen 76 und 80 Prozent.
Privatanleger, die Bonds im Volumen von insgesamt rund 170 Millionen Euro hielten, hätten sich bereits für eine Klage entschieden. Durchschnittlich besitze jeder von ihnen Anleihen im Wert von 25.000 Euro. Nach Schätzungen der DSW haben kleine institutionelle und private Anleger aus Deutschland mit einem Anleihevolumen von insgesamt fünf bis sechs Milliarden Euro die Möglichkeit zur Klage.
Ein Verfahren in Deutschland sei der direkteste und kostengünstigste Weg, sagte Hechtfischer. Die DSW hofft offenbar auch darauf, möglichst viele Verfahren zu begleiten. Die Möglichkeit einer Musterklage sowie von Klagen in Griechenland selbst seien wegen der Gefahr der Verjährung verworfen worden, hieß es weiter. "Die griechische Regierung versteht es wunderbar, Prozesse in die Länge zu ziehen", sagte Tüngler.
Bei einer Bündelung der Klagen an großen Gerichtsstandorten in Deutschland können die Anleger laut Hechtfischer bis zu 80 Prozent der Anwaltskosten sparen. Schon jetzt hätten sich dafür in den größten Städten genügend Betroffene zusammengefunden. Die Anerkennung eines deutschen Urteils in Griechenland sei "kein Problem, solange Griechenland in der EU ist". Die ersten Klagen sollen schon in den kommenden Wochen eingehen.
cte/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Wirtschaft
- Twitter | RSS
- alles aus der Rubrik Verbraucher & Service
- RSS
- alles zum Thema Finanzkrise in Griechenland
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Freitag, 05.10.2012 – 13:19 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 8 Kommentare
MEHR AUS DEM RESSORT WIRTSCHAFT
-
Börsen
Dax, Dow, Nikkei und Ihr persönliches Portfolio: Die Weltbörsen im Überblick -
Gehalt-Check
Brutto-Netto-Rechner: Berechnen Sie Ihr Gehalt -
Konjunktur
Alle wichtigen Wirtschaftsdaten: Arbeitslosigkeit, Brutto-
inlandsprodukt und Inflation -
Finanztest
Im Test: Finanztipps und mehr - was Sie als Verbraucher unbedingt wissen sollten -
Mehr Wirtschaft
Die Angebote von manager-magazin.de und harvardbusiness
manager.de