Berlin - Bauern sollen nach dem Willen von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) zu mehr Tierschutz verpflichtet werden. "Tieren Leid zuzufügen ist nicht zulässig", sagte Aigner vor Beginn der Grünen Woche in Berlin. Konkret will sich die Ministerin erreichen, dass die Kastration männlicher Ferkel ohne Betäubung ab 2017 in allen EU-Ländern verboten wird und Mindeststandard für die Haltung von Mastkaninchen und Puten festgelegt werden.
Zum Auftakt der größten deutschen Landwirtschaftsmesse stellte Aigner zudem eine "Charta für Landwirtschaft und Verbraucher" vor. Diese war von Vertretern von Verbrauchern, Landwirten, Wirtschaftsverbänden, Umweltschützern, Tierschützern und Kirchenvertretern erarbeitet worden. Das Ziel der Charta sei "eine ökologisch tragfähige, ökonomisch existenzfähige, sozial verantwortliche und Ressourcen schonende Wirtschaftsweise", sagte Aigner.
Demnach sollen bäuerliche und bodengebundene Betriebe besonders unterstützt und regionale Wirtschaftskreisläufe gestärkt werden. Den Verbrauch wertvoller Agrarflächen will Aigner reduzieren, die Exportsubentionen der EU ab 2013 abschaffen.
Kritik von Bauern und Tierschützern
Aigner sieht Deutschland beim Tierschutz bereits jetzt als "Taktgeber" in Europa. So sei die Käfighaltung von Legehennen, die seit Anfang des Jahres in allen EU-Ländern verboten ist, hierzulande bereits seit 2010 nicht mehr erlaubt. Aigner kündigte an, sich zudem für ein EU-weites Gütesiegel für Fleisch aus besonders tiergerechter Haltung einzusetzen, das sogenannte Tierwohl-Siegel.
Zum umstrittenen Antibiotika-Einsatz in der Geflügelzucht sagte die Ministerin, es sei bereits jetzt verboten, die Medikamente zur Wachstumsförderung einsetzen oder um Hygienemängel auszugleichen. Die Bundesländer müssten die Einhaltung der Gesetze besser kontrollieren.
Kritik äußerten Vertreter der Landwirte. Für die deutschen Tierhalter sei Aigners Charta "harte Kost", erklärte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Es sei zwar wichtig, Probleme in der Tierhaltung anzupacken und den Umweltschutz zu verbessern. Gleichzeitig müssten aber auch die ökonomische Perspektive der Bauern und das "Preisgebaren" des Lebensmitteleinzelhandels im Blick behalten werden. Eine "Minimierungsstrategie" beim Antibiotika-Einsatz werde der Bauernverband aber mittragen.
Auch Tierschützer und Ökobauern sind unzufrieden mit Aigners Plänen - ihnen gehen sie nicht weit genug. Die Massentierhaltung sorge für "unvostellbares Tierleid", erklärte der Vorsitzende des Verbandes Menschen für Tierrechte, Kurt Simons. Subventionen sollten an soziale, ökologische und Tierschutz-Kriterien geknüpft werden.
fdi/AFP
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