Nach Volksentscheid: Hamburg bereitet Rückkauf der Energienetze vor
Die Hamburger haben sich in einem Volksentscheid entschieden: Die Hansestadt soll die Energienetze zurückkaufen. Die allein regierende SPD muss das nun umsetzen, obwohl sie sich vehement gegen den Rückkauf eingesetzt hatte. Noch in dieser Woche wollen die Genossen einen Zeitplan vorlegen.
Hamburg - Nach dem Votum der Hamburger Wähler für einen Rückkauf der Energienetze will die in der Hansestadt allein regierende SPD noch in dieser Woche einen Fahrplan dafür vorlegen. Bereits am Mittwoch solle die Bürgerschaft die Vorbereitungen treffen, kündigte SPD-Fraktionschef Andreas Dressel am Montag an.
Eile sei nötig, da Anfang Januar die Frist ablaufe, bis zu der die Stadt ihr Interesse am Rückkauf des Stromnetzes bekundet haben müsse. Zunächst sollen die Versorger E.on (Gas) und Vattenfall (Strom und Fernwärme) angesprochen werden, ob sie ihre Anteile an den Netzen verkaufen wollen. Da dies "nicht überwiegend wahrscheinlich" sei, werde die Hansestadt im Anschluss daran eine Gesellschaft gründen, die sich um die Konzessionen bewerben solle, erläuterte Dressel.
In den kommenden Jahren laufen die Nutzungsrechte für die Energienetze aus und müssen neu vergeben werden. Am Sonntag hatte sich eine Mehrheit von knapp 51 Prozent der Hamburger in einem Volksentscheid parallel zur Bundestagswahl dafür ausgesprochen, dass die Stadt die Energienetze vollständig zurückkauft.
Das Ergebnis ist vor allem für Bürgermeister Olaf Scholz ein Rückschlag, der sich in den Wochen vor der Abstimmung zusammen mit CDU, FDP und Wirtschaftsverbänden sowie einigen Gewerkschaften massiv gegen einen Rückkauf eingesetzt hatte. Als Argumente gegen eine Verstaatlichung der Netze hatte Scholz hohe Kosten angeführt. Ein Komplettrückkauf würde mehr als zwei Milliarden Euro kosten. Zudem würde eine Verstaatlichung die Energiewende hemmen, wenn man die Versorger nicht im Boot habe, befürchtet die SPD.
Der schwedische Energiekonzern Vattenfall, der sich ebenfalls gegen einen Rückkauf ausgesprochen hatte, nahm den Ausgang des Volksentscheids "mit Respekt" zur Kenntnis. Geschäftsführer Tuomo Hatakka kündigte an, in den nächsten Wochen mit Hochdruck die Bewerbungsunterlagen für das Konzessionsverfahren vorzubereiten. Hamburg hatte vor einigen Jahren die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) und den Versorger Hein Gas verkauft und 2011 für 544 Millionen Euro eine Beteiligung von 25,1 Prozent an den drei Netzgesellschaften erworben.
nck/dpa
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