Putzpartikel in Colafläschchen: Haribo muss Mann Schmerzensgeld zahlen

Colafläschchen-Fruchtgummi von Haribo: Schmerzhafter Biss Zur Großansicht
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Colafläschchen-Fruchtgummi von Haribo: Schmerzhafter Biss

Beim Biss in ein Haribo-Fruchtgummi zersplitterte sich ein 44-jähriger Mann zwei Zähne - nun stehen ihm laut einem Gerichtsurteil Schmerzensgeld und Schadensersatz zu. In dem Colafläschchen befanden sich einem Gutachter zufolge harte Partikel von Wand- oder Deckenputz.

Hamm - Dieser Genuss führte zum Zahnarzt und dann vor Gericht: Der Süßwarenhersteller Haribo muss einem Mann Schmerzensgeld und Schadensersatz zahlen, weil er auf etwas Hartes in Fruchtgummi gebissen und sich so zwei Zähne zersplittert hat. Das Oberlandesgericht in Hamm verurteilte das Bonner Unternehmen am Donnerstag zur Zahlung von 2000 Euro an den Kläger. Außerdem muss Haribo die Kosten für die Zahnbehandlung übernehmen.

Der 44-Jährige aus Bielefeld hatte bei einem Sommerfest ein Colafläschchen gekaut und sich dabei die Zahnschäden zugezogen. Einem Gutachter zufolge handelte es sich bei dem harten Teil in dem Fruchtgummi um Putzpartikel von einer Wand oder Decke.

Haribo hatte bestritten, dass die Fremdstoffe bei der Produktion in das Fruchtgummi gelangt sein könnten. Der Süßwarenhersteller vermutete, dass die Klümpchen bei dem Sommerfest hineingelangt seien. Der Gutachter widersprach vor Gericht: Dass die Partikel und ihre Poren von der Gelatine komplett umhüllt gewesen seien, sei ein klarer Beleg dafür, dass die Stoffe während der Produktion und nicht später ins Naschwerk gekommen seien.

In der mündlichen Verhandlung wiesen Richter und Gutachter darauf hin, dass es in der Lebensmittelproduktion keine hundertprozentige Sicherheit gebe. "Die Firmen sagen uns immer, es kann nicht sein, dass etwas bei der Herstellung in die Produkte gelangt. Aber trotz gut überwachter Produktionsketten passiert es eben doch immer wieder", erläuterte der Vorsitzende Richter.

Haribo zeigte sich in der mündlichen Verhandlung nicht überzeugt. Der Anwalt des Unternehmens sagte, es bestünden zudem ohnehin noch Zweifel daran, ob das Colafläschchen wirklich von Haribo sei. Dem Gutachter zufolge ist das strittige Fruchtgummi dem zum Vergleich herangezogenen Colafläschchen von Haribo aber sehr ähnlich.

Aktenzeichen: I-21 U 64/12

fdi/dpa/AFP

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insgesamt 15 Beiträge
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1.
mitchomitch 23.05.2013
Chapeau! Eine Super-Image-Kampagne von Haribo, so etwas durch zwei Gerichtsinstanzen zu treiben. Meine Güte, ein Unternehmen, welches halbwegs bei Verstand ist, würde doch eigentlich alles daran setzen, solch eine Sache außerhalb von Gerichtssälen in beiderseitigem Einvernehmen und Stillschweigen zu regeln. Naja, andere Zeiten, andere Sitten...
2. in Amerika hätte der Mann 20000 bekommen !
analyse 23.05.2013
für einen zu heißen Kaffee hat dort mal eine Frau 1Million Dollar bekommen!Hat die ein Glück gehabt!
3. nur 2000 Euro?
CaptainSpock 23.05.2013
von einem globalen Unternehmen mit Millionen Gewinn hätte ich mehr erwartet.
4. Amerika
trinityguildhall 23.05.2013
An Herrn "analyse": Amerika = 38 Laender, verteilt ueber zwei Kontinente. Ich nehme an Sie beziehen sich auf die USA? Und ja, dort gibt es tatsaechlich mehr Schmerzensgeld, der Nachteil ist allerdings eine teils hysterische Gesellschaft in der selbst ein Kindergeburtstag nicht ohne schriftliches Einverstaendnis der Eltern ablaufen kann.
5. Fast
Altesocke 23.05.2013
Zitat von analysefür einen zu heißen Kaffee hat dort mal eine Frau 1Million Dollar bekommen!Hat die ein Glück gehabt!
In Amerika muessen sie mindestens der Zweite sein, dem so etwas passiert. Beim ersten mal gibt's nur Peanuts, beim zweiten dann eine schoen Strafe obendrauf, weil aus dem ersten Nal nicht gelernt wurde. Bedeutet, das in Amerika die Cola-Gummis jetzt gekauft werden wuerden, wie bloede. Zumindestens fuer eine gewisse Zeit!
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