Hausratversicherungen Das Geschäft mit der Angst

Die Schäden durch Einbruchdiebstähle gehen zurück. Doch die gesparten Summen werden von den Versicherungen oft nicht an die Kunden weitergegeben. Bei einem Wechsel können Hunderte Euro gespart werden.

Einbruchsversuch (Illustration)
DPA

Einbruchsversuch (Illustration)

Eine Kolumne von


Der Einbrecher steht im Dunkeln vorm Fenster und versucht, mit der Brechstange ins Haus zu kommen. So sieht das Bild aus, mit dem viele Versicherer für Hausratversicherungen werben.

Der Schreck wird immer noch groß sein, lautet die Botschaft. Aber der finanzielle Verlust bleibt klein, solange Sie nur versichert sind. Immerhin Zweidrittel aller deutschen Haushalte haben heute eine Hausratversicherung.

Die Angst-Kampagne hat gut funktioniert, und sie war ja auch nicht ganz unberechtigt. Von 1995 bis 2005 hatte sich die Zahl der Wohnungseinbrüche von jährlich 210.000 schon einmal fast halbiert. In den zehn Jahren darauf nahm die Zahl der Einbrüche aber Jahr für Jahr wieder zu - und damit auch der Schaden, für den die Versicherer aufkamen.

Zahl der Einbruchdiebstähle geht zurück

Im Jahr 2015 weist die polizeiliche Kriminalitätsstatistik bundesweit 167.000 Einbruchdiebstähle aus und 530 Millionen Euro überwiesen die Unternehmen an ihre Versicherten. Einbrüche waren in diesem Jahr der größte Einzelposten bei der Auszahlung und machten mehr als ein Drittel der Gesamtsumme aus.

Die Polizei verstärkte daraufhin den Kampf gegen Einbruchdiebstahl. Offenbar mit Erfolg: Seit 2015 hat sich der Trend gedreht. Die Zahl der Einbrüche nahm in den vergangenen Jahren deutlich ab. 2017 gab es bundesweit nur noch 116.000 Einbrüche, ein Drittel weniger als zwei Jahre zuvor.

Schä­den je Gefahr

Anzahl Schäden in TausendLeistungen in Mio. EuroSchadendurchschnitt in Euro
2014 2015 2016 2014 2015 2016 2014 2015 2016
Feuer* 330 280 250 380 360 360 1150 1295 1411
Einbruchdiebstahl* 410 420 390 620 690 590 1526 1622 1541
Leitungswasser* 190 170 180 230 230 240 1243 1283 1372
Sturm/Hagel* 100 140 60 50 50 40 546 346 740
Glas* 40 50 50 20 20 20 361 352 423
Elementar*,** 30 10 30 80 10 70 3.035 1.822 2.844
Verbundene Hausratversicherung (VHV) gesamt* 1113 1100 989 1407 1394 1373 1264 1268 1388

* Schät­zung auf Grund von Teil­be­stän­den (mit der Genau­ig­keit gerun­det auf 10.000 Stück bzw. 10 Mio. EUR)
** Ver­si­chert sind die Gefah­ren Über­schwem­mung (Aus­ufe­rung und Star­kre­gen), Rück­stau, Erd­be­ben, Erd­sen­kung, Erd­rutsch, Schnee­druck, Lawi­nen und Vul­kan­aus­bruch.
Quelle: GDV

Auch der GDV, der Lobbyarm der deutschen Versicherer, freut sich, dass die Zahl der Einbrüche zurückgeht. Schließlich sparen weniger Einbrüche den Versicherern jede Menge Kosten. Einmal die Kosten für Schäden, die sie den Kunden direkt ersetzen.

Jenseits der Auszahlung fallen für jeden Einbruch auch administrative Kosten beim Versicherer an. Außerdem machen die Versicherer Werbung und im Geschäft mit Hausratversicherungen einen ordentlichen Gewinn. So werden nur knapp 50 Prozent der Beitragseinnahmen tatsächlich wieder an die Kunden für Schäden ausgezahlt.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Und genau dieser Gewinn müsste seit 2015 für die engagierten Versicherer richtig stark gestiegen sein. Während nämlich die wichtige Zahl der Einbruchschäden deutlich zurückgegangen ist, sind die Prämien im Schnitt gestiegen. Die Versicherer kassieren Jahr für Jahr drei Milliarden Euro Prämien für die Hausratversicherung.

Bereits für die Jahre von 2015 auf 2016 weist die Statistik des GDV 100 Millionen Euro weniger Einbruchsschäden aus. Für 2017 berichtet der GDV sogar von bezahlten Gesamtschäden für Einbrüche, die nur noch bei 360 Millionen Euro gelegen hätten.

Weniger Schäden, etwas höhere Einnahmen - da freut sich der Versicherungsvorstand.

Raum für niedrigere Preise

Bei meiner Nachfrage diese Woche, wie hoch denn die Einbruchkosten bei den großen Versicherern jeweils waren und ob sie denn angesichts der schönen Entwicklung die Beiträge für ihre Kunden schon gesenkt hätten, blieben die Antworten recht spärlich.

Einbruchdiebstähle machten bei Branchenriesen wie Allianz, R&V oder Ergo zwischen 23 und fast 40 Prozent der Hausratschäden aus. Ein Rückgang der Schäden wurde nicht bestritten, die Gewinne durch hohe Beiträge und niedrigere Schäden mochte aber keines der Unternehmen aufgeben. Einzig R&V teilte mit, bei neuen Tarifen seit dem Januar 2018 "in Teilbereichen günstiger" geworden zu sein.

Bei­träge, Leis­tun­gen und Scha­den-Kos­ten-Quo­ten

Jahr Anzahl Versicherungs-UnternehmenBeiträge*Leistungen**Schaden- Kosten- Quote*** in Mio. Euro
in Mio. Euro Veränderung zum Vorjahr in Mio. Euro Veränderung zum Vorjahr
2010 128 2.652 1,8% 1.206 -0,6% 78,5%
2011 125 2.682 1,1% 1.265 4,9% 81,0%
2012 127 2.731 1,8% 1.327 4,8% 82,8%
2013 126 2.793 2,3% 1.391 4,9% 84,0%
2014 122 2.849 2,0% 1.407 1,1% 83,9%
2015 124 2.919 2,5% 1.394 -0,9% 81,5%
2016 121 2.990 2,4% 1.373 -1,5% 79,9%

* gebuchte Brut­to­bei­träge; ohne Ver­si­che­rung­steuer; ein­schl. Feu­er­schutz­steuer
** Brut­to­auf­wen­dun­gen für Ver­si­che­rungs­fälle des Geschäfts­jah­res
*** Com­bi­ned Ratio: Scha­den-Kos­ten-Quote nach Abwick­lung; in Rela­tion zu den ver­dien­ten Brut­to­bei­trä­gen
Quelle: GDV

Für Kunden ist die Botschaft eindeutig. Bei der Hausratversicherung ist definitiv Raum für niedrigere Preise. Und es lohnt sich, auf die Suche zu gehen. Eine gute Hausratversicherung kann hundert, manchmal sogar einige hundert Euro preiswerter werden als bisher, oft sogar mit besserem Schutz. Die Preisunterschiede sind riesig. 200 oder 600 Euro für den praktisch gleichen Versicherungsschutz in der gleichen Wohnung sind möglich.

Beim Wechsel können Sie dann gleich noch ein paar unschöne Klauseln rauswerfen, die manche alten Verträge noch haben.

  • Suchen Sie einen Vertrag, der auch bei grober Fahrlässigkeit zahlt.

  • Prüfen Sie ernsthaft, ob Sie eine Selbstbeteiligung für Ihren Vertrag wählen. Die Versicherer geben gar nicht so viel Geld für Ihren Schaden aus, aber viel für die interne Verwaltung. Deswegen werden Verträge, bei den Sie kleine Schäden bis 150 Euro selbst bezahlen, deutlich billiger angeboten.

  • Moderne Verträge haben sich unserer mobileren Lebensweise angepasst. Darin ist der Hausrat auch im draußen geparkten Auto oder im Hotel versichert. Oder sie zahlen für den Diebstahl von nicht weggeschlossenen Gartenmöbeln oder des Kinderwagens im Treppenhaus.

  • Auch unser digitales Dasein wird besser versichert. Bei Überspannungsschäden muss nicht mehr unbedingt der Blitz in Ihr Haus eingeschlagen haben: Ein Einschlag im Nachbarhaus reicht aus, um Ihren Fernseher zu beschädigen. Das ist aber in alten Verträgen nicht versichert. Unterschiede gibt es auch in der Höhe der Schadenszahlung durch den Versicherer - das reicht von 2000 Euro bis zur vollen Versicherungssumme.

Immer noch gültig bleibt die Grundregel: In einer normalen Wohnung versichern Sie eine Hausratpauschale pro Quadratmeter Wohnfläche. Senioren mit vielen Schätzen in der Wohnung achten darauf, dass sie den Biedermeier-Schrank, die Jugendstil-Kommode oder Kunst und Schmuck der vergangenen Jahrzehnte angeben und die Preise dokumentieren können. Und Menschen, die in jungen Jahren mit wenig Möbel in eine große Wohnung ziehen, können auch erstmal alles aufschreiben und sich oft etwas preiswerter versichern.

Die Versicherung, die das einfach und preiswert leistet, findet man am besten mit einem Vergleichsportal wie Mr-Money. Meine Kollegen bei Finanztip haben die spezialisierten Portale untersucht. Ihr Ergebnis: Dort lassen sich eine solide Basisleistung bestimmen und weitere Merkmale gut auswählen - und dazu dann in der Regel ein sehr günstiges Angebot finden.



insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
murksdoc 02.06.2018
1. Risiko auf Gegenseitigkeit
"Versicherung" ist ein Risikogeschäft auf Gegenseitigkeit. Die Versicherung hat das Risiko, dass bei Eintritt des Versicherungsfalls die fällige Leistung viel höher sein wird, als die einbezahlten Beträge des Versicherten. Dieser wiederum hat das "Risiko", Monat für Monat einzuzahlen und nie bestohlen zu werden, das heißt: das Geld aus dem Fenster geworfen zu haben. Für beide eigentlich ein gutes Geschäft, für den einen, wenn der Versicherungsfall eintritt, für den anderen, wenn dieser es nicht tut. Ihre oben genannte Forderung, den Versicherten am Rückgang der zu erstattenden Schadensfälle zu beteiligen, ist die Forderung, selbst am Profit der Gegenseite beteiligt zu werden. Das ist dann berechtigt, wenn die Versicherung mit Verweis auf die Zunahme der Schadensfälle die Beiträge schon einmal erhöht hat. Das ist nämlich das Pendant dazu. Wenn nicht, würde ich es einfach so lassen, wie es ist. Versicherer, die auch "grobe Fahrlässigkeit", auf Deutsch: Dummheit, Ignoranz und totale Sorglosigkeit versichern, müssen das, soweit sie das Geld nicht selber drucken, auch irgendwie wieder hereinholen. Das machen sie entweder über die Höhe der Beiträge oder dass sie im Schadensfall sehr zurückhaltend mit dem Bezahlen sind. So einen Versicherer würde ich vermeiden und eher aufpassen, keine Schäden durch grobe Fahrlässigkeit zu verursachen. Das sollte einem durchschnittlich gebildeten Menschen eigentlich immer gelingen.
veravonhinten 02.06.2018
2. Vergleichsportale? Total überflüssig
Diese ganzen Vergleiche. Da fühle ich mich völlig überfordert! Ich lasse mich seit Jahren von meinem Makler betreuen. Da habe ich einen Ansprechpartner vorallem in meinen Schadenfällen und fühle mich bestens versorgt. Und wenn das ev etwas mehr kostet, auch egal. Dafür habe ich dann den Service. Ich geh in Steuerfragen auch nicht zum Finanzamt sondern zu meinem Steuerberater, und mein Auto repariere ich auch nicht selber. Und die beiden machen ihre Arbeit nicht umsonst.
mirage122 02.06.2018
3. Wenn man Glück hat!
Es ist doch die hinreichende Praxis, dass erst einmal seitens der Versicherungen alles unternommen wird, um den Schadensfall abzuwehren mit der Argumentation, dass man dazu verpflichtet ist, um unberechtigte Forderungen aufzudecken. Schließlich sollen ja die Beiträge im Interesse aller Versicherter möglichst niedrig gehalten werden. Das kann manchmal ein ziemlich Nerven aufreibendes Anliegen sein. Und wenn man sich die Schaden-Kosten-Quote ansieht, kommt man zu dem Schluss, dass sich das für die Unternehmen auf jeden Fall lohnt!
wiwicantab 02.06.2018
4. Reißerischer Titel, wenig Substanz
Der erste Beitrag fasst die theoretischen Grundlagen schön zusammen. Um noch drei praktische Punkte herauszustreichen: 1. Die Einbrüche/Einbruchsschäden gehen nur geringfügig zurück, aber es gibt ja noch Inflation. Unterm Strich kann ich da kein großes Geschäft zugunsten der Versicherer erkennen. 2. Die meisten Menschen, die ich kenne, versichern sich vornehmlich gegen bzw. wegen Wasser- und Elementarschäden. 3. Die Zahlen sind offensichtlich völlig aus der Luft gegriffen. Ich habe einen mittelalten Vertrag für eine große Wohnung mt Kunst. Die Prämie beträgt ca. 200 €. Da kann man vielleicht 20 € rausholen, aber mit Sicherheit keine 100+ €. Wenn jemand 600 € zahlt, hat er schon ein weitläufiges Anwesen mit Park und liest wahrscheinlich nicht diese wenig gehaltvolle Kolumne.
Objectives 02.06.2018
5. Für Studenten meistens unnötig
Ich würde generell die Frage stellen, ob viele Menschen überhaupt eine Hausratversicherung brauchen. Für Studenten in ihrer ersten eigenen Wohnung oder einer WG ist eine Versicherung meistens mehr als überflüssig, da der gesamte Hausrat einen sehr geringen Wert aufweist. Als junger Mensch besitze ich momentan nur die Haftpflichtversicherung (die man wohl auch nur deshalb zwangsläufig abschließen muss, da sie jeder hat). Man kann sein Leben niemals komplett versichern und bevor ich mein Geld Milliardenkonzernen in den Rachen werfe, versuche ich mich lieber durch eigene langfristige Investitionen abzusichern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.