Paris - Hilfsorganisationen in Frankreich haben eine Weiterverwendung für die Zehntausenden aus dem Handel gezogenen Tiefkühlgerichte mit Pferdefleisch vorgeschlagen: Sie würden die Produkte gerne an Bedürftige verteilen, wenn die Gesundheitsbehörde die Unbedenklichkeit bescheinige, sagte ein Sprecher des französischen Verbands der Lebensmittelbanken, die landesweit beispielsweise in Supermärkten Lebensmittel sammeln und an Initiativen weiterleiten.
Die Organisation Secours Populaire, die im vergangenen Jahr 181 Millionen Gerichte an 2,4 Millionen Bedürftige verteilte, schließt eine Verwendung der aus den Regalen genommenen Produkte wie Tiefkühl-Lasagne ebenfalls nicht aus. Allerdings müsse deren Etikettierung korrekt sein und beispielsweise die Präsenz und Herkunft von Pferdefleisch angegeben werden. Auch die populären "Restos du Coeur" ("Restaurants der Herzen") kündigten an, sie würden besonders auf die Rückverfolgbarkeit von Fleisch in Fertigprodukten achten.
Das Rote Kreuz in Frankreich schließt hingegen eine Weitergabe der aus dem Verkehr gezogenen Tiefkühlgerichte aus. "Dies ist eine Frage der Würde", betonte ein Sprecher. Die Organisation wolle die Ärmsten nicht stigmatisieren. "Wenn man nicht genug zu essen hat, bedeutet dies nicht, dass man isst, was andere nicht wollen."
Im Südwesten des Landes durchsuchten Ermittler erneut den Sitz der Firma Spanghero, beschlagnahmten Dokumente und verhörten Manager und Mitarbeiter. Die französischen Behörden hatten Spanghero am vergangenen Donnerstag zu einem Hauptverantwortlichen in dem Skandal erklärt. Demnach hatte Spanghero aus Rumänien bezogenes Pferdefleisch wissentlich falsch als Rindfleisch ausgezeichnet und an die französische Firma Comigel verkauft. So gelangten Fertiggerichte unter anderem auch nach Deutschland.
Debatte über Krisenmanagement verschärft sich
Unterdessen entdecken die deutschen Behörden immer mehr undeklariertes Pferdefleisch in Lebensmitteln. Bisher seien 34 von 485 amtlichen Proben positiv gewesen, sagte Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) am Rande einer Sitzung des Verbraucherausschusses in Berlin. Auf der Internetseite pferdefleisch-rueckrufe.de können sich Konsumenten zudem über falsch deklarierte Fleischprodukte informieren. Die vom Bundesverbraucherministerium betriebene Seite listet die von Herstellern und Händlern im Zuge des Pferdefleisch-Skandals zurückgerufenen Produkte auf und stellt die Informationen der Gesundheitsbehörden der Länder über den Skandal zusammen.
Gleichzeitig verschärft sich die Debatte über den Umgang mit der Krise: Den Skandal um falsch deklariertes Fleisch "hätte man verhindern können", sagte der EU-Politiker Jo Leinen (SPD) im ZDF-"Morgenmagazin". Das Problem sei, dass die Warenströme international, die Kontrollen aber national seien. Nötig sei daher "eine Koordinierungsstelle für die Information und die Kontrollen". Die im italienischen Parma angesiedelte Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA dürfe nur analysieren, aber kein Risikomanagement betreiben.
Die Schwachstellen seien seit mehreren Jahren bekannt und das Europaparlament habe bereits Vorschläge für einen besseren Verbraucherschutz vorgelegt. Jedoch hätten die einzelnen Staaten versagt, kritisierte Leinen. Dem nationalen Aktionsplan, den Aigner und die Verbraucherminister der Länder am Montag vorgelegt hatten, müssten jetzt auch Taten folgen.
nck/AFP/dpa
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