Gebrochenes Versprechen: Hipp verkauft Zuckertees für Kinder über Tochterfirma

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Alt und neu: Die Kinder-Früchtetees von Hipp (links) und Bebivita

Bis zu 96 Prozent Zucker im Instantpulver für Kindertees - das stieß auf heftige Verbraucherkritik. Der Hersteller Hipp nahm die Pulvergetränke daraufhin vom Markt. Doch die Tochterfirma Bebivita verkauft eine ganz ähnliche Zuckerbombe.

Hamburg - Viele Eltern kaufen Baby- und Kindernahrung von Hipp, weil sie auf die Qualität der Marke und die meist ökologischen Zutaten setzen. Sie vertrauen dem Slogan: "Das Beste aus der Natur für die Natur". Ein gutes Image ist ein echter Wettbewerbsvorteil, deshalb reagierte die Firma auch schnell, als die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch die Hipp-Kindertees für ihren hohen Zuckergehalt kritisierte, und nahm die Produkte vom Markt. Für die Tochterfirma Bebivita allerdings produziert Hipp das Zuckergranulat weiter, wie Foodwatch herausgefunden hat.

Zur Vorgeschichte: Die Verbraucherschützer hatten die Hipp-Instant-Tees "Früchte", "Waldfrüchte" und "Apfel-Melisse" im Frühjahr 2012 für ihren Negativpreis "Goldener Windbeutel" nominiert. Foodwatch kritisierte, dass Hipp die Tees als "Durstlöscher" für "Babys, Klein- und Schulkinder" vermarktete, obwohl Ernährungswissenschaftler für Kleinkinder nur ungesüßte Getränke empfehlen: Das Granulat, aus dem die Tees angemischt werden, besteht aus bis zu 96 Prozent Zucker, im fertigen Getränk sind es nach Foodwatch-Berechnung zweieinhalb Stück Würfelzucker pro Tasse.

Mehr als 44.000 Verbraucher kürten die Hipp-Tees zum Gewinner des Goldenen Windbeutels, Hipp knickte daraufhin ein. Seit Ende 2012 gibt es das Produkt nicht mehr zu kaufen - offiziell jedenfalls. Foodwatch machte aber die verblüffende Entdeckung, dass Hipp das Zuckerpulver doch noch vertreibt - nur unter anderem Namen.

Was nur wenige Verbraucher wissen: Hipp besitzt eine Tochterfirma namens Bebivita. Eine Firma, die ebenfalls Baby- und Kindernahrung anbietet, allerdings aus konventioneller Landwirtschaft und deutlich günstiger als die Bio-Produkte des Mutterunternehmens - hergestellt und vertrieben werden sie allerdings ausschließlich von Hipp.

Und so scheint das Unternehmen bei seinen Zuckergranulattees für Bebivita nur andere Etiketten und eine leicht veränderte Rezeptur zu haben: Unter der Marke Bebivita vertreibt Hipp für Kinder ab zwölf Monaten Früchtetees aus Granulat, das laut Foodwatch zu 94 Prozent aus Zucker besteht. Größter Unterschied zu den Hipp-Tees: Die Bebivita-Granulate enthalten das Säuerungsmittel Zitronensäure (E 330), das bei der Marke Hipp unter Verweis auf gesundheitliche Gründe nicht eingesetzt wird.

Foodwatch zeigt sich empört: "Es gibt Produkte, für die Claus Hipp nicht mit seinem Namen stehen will - die verkauft er dann eben einfach unter dem Namen Bebivita", sagt Oliver Huizinga, Experte für Lebensmittelwerbung bei der Organisation. "Man möchte es Herrn Hipp so gern abnehmen, dass es nicht nur um Profit, sondern wirklich auch um die Gesundheit der Kinder geht - die Produktpolitik bei der Tochterfirma Bebivita legt eher den gegenteiligen Eindruck nahe."

Hipp selbst verteidigt sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE: Natürlich habe das Produktmanagement von Bebivita "nach der zunehmenden Diskussion um den Zucker und aktuellen ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen reagiert" und das Tee-Sortiment entsprechend angepasst. Bebivita reduziere jedes Jahr den Zuckerzusatz, um die Empfehlungen der Ernährungswissenschaft umzusetzen. Man habe "die empfohlene Dosierung" der Bebivita-Tees halbiert - das bedeutet: Auf der Packung wird jetzt empfohlen, weniger Pulver ins Wasser zu mischen. Dann enthielten 100 ml Tee nur noch 1,9 Prozent Zucker, was auch deutlich auf dem Etikett zu lesen sei, "damit sich jede Mutter frei entscheiden kann, ob sie den Tee kaufen möchte oder nicht".

Soweit es möglich ist, verzichtet Bebivita laut eigener Auskunft auf den Zusatz von Zitronensäure, im Früchtetee seien nur geringe Spuren enthalten. Für die Zukunft werde nach Wegen gesucht, auf den Zusatzstoff komplett verzichten zu können. Bei der Mutterfirma Hipp scheint man da schon weiter zu sein.

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