Young-Money-Blog Höhere Zinsen auf Tagesgeld - wann lohnt sich ein Wechsel?

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Kürzlich erzählte mir ein Bekannter - ein echter Sparfuchs - , dass er mal wieder sein Tagesgeldkonto gewechselt hatte. Er bekäme jetzt 0,6 statt 0,3 Prozent Zinsen auf sein Erspartes, sagte er stolz. Immer wieder steuert er im Internet Vergleichsplattformen an, um nachzuschauen, welche Bank die besten Zinsen bietet. Findet er ein gutes Angebot, schließt er sein altes Tagesgeldkonto und transferiert sein Erspartes auf das neue Tagesgeldkonto und heimst dort die höheren Zinsen ein. "Man muss eben gucken, wo man bleibt", sagte er.

Tatsächlich gibt es in Deutschland ziemlich viele Menschen, die so vorgehen wie mein Bekannter. Man nennt sie auch Tagesgeldhopper, immer auf der Suche nach dem höchsten Zins.

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    Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 28 Jahre alt, seit der Kindheit. Die erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, ein paar Jahre später folgten die ersten Fondsanteile. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog.

Aber ist dieses Hopping wirklich sinnvoll? Lohnt sich der Aufwand des Geld-hin-und-her-Schiebens für 0,3 Prozent Zinsen mehr im Jahr?

Zunächst einmal gilt: Ein Tagesgeldkonto ist durchaus vernünftig, jeder Sparer sollte eines haben. Es eignet sich gut, um dort eine Geldreserve zu parken, an die man kurzfristig schnell herankommt. Die meisten Finanzexperten empfehlen dort rund drei Nettomonatsgehälter aufzubewahren. Geld auf dem Tagesgeldkonto ist jederzeit verfügbar und wird im Gegensatz zum Girokonto oder Sparbuch verzinst. Das Tagesgeldkonto ist also so etwas wie die modernere Variante eines klassischen Sparbuchs.

Das Konto eignet sich nicht für den Alltag

Ein weiterer Unterschied zu einem normalen Konto liegt darin, dass man seine Ausgaben und Einnahmen nicht über ein Tagesgeldkonto bestreitet. Man kann deshalb Geld vom Tagesgeldkonto nur auf sein Girokonto überweisen, das sogenannte Referenzkonto, nicht aber auf andere Konten. Deshalb eignet sich Tagesgeld nicht für den täglichen Zahlungsverkehr. Doch das ist auch der Sinn: Denn dort können Sparer Geldbeträge getrennt von den laufenden Einnahmen und Ausgaben aufbewahren, sie verringern also die Gefahr, das Geld im Alltag auszugeben.

In Deutschland erhalten Sparer auf Tagesgeld derzeit einen durchschnittlichen Zinssatz von 0,17 Prozent. Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro bekommen Sparer also Zinsen in Höhe von 17 Euro pro Jahr. Nicht gerade viel, zumal dieser Ertrag vollständig von der Inflation aufgezehrt wird. Denn die Preise von Produkten und Dienstleistungen steigen normalerweise Jahr für Jahr. Das Leben wird also teurer, Verbraucher können sich von ihrem Ersparten immer weniger leisten.

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Mein Bekannter kassiert dank seines Wechsels nun immerhin einen Zinssatz von 0,6 Prozent, die ihm eine Bank bietet. Damit bekommt er bei seiner Anlagesumme von 10.000 Euro Zinsen in Höhe von 60 Euro im Jahr - 30 Euro mehr als bei seinem alten Konto, das mit 0,3 Prozent verzinst war.

Doch um diese Summe zu erhalten, musste er einigen Aufwand auf sich nehmen: Zunächst schloss er sein altes Konto und parkte sein Geld auf seinem Girokonto zwischen. Anschließend eröffnete er das neue Konto und ließ sich in einer Postfiliale mittels Postident-Verfahren verifizieren. Dann überwies er sein Geld auf das neue Konto und richtete dort einen neuen Freistellungsauftrag ein, damit er die Zinserträge steuerfrei kassieren kann. Alles in allem kostete ihn dieser Wechselvorgang ein paar Stunden.

Tagesgeldhopper müssen ständig den Markt beobachten

Doch damit ist die Arbeit nicht vorbei: Es könnte sein, dass der Tagesgeldhopper in wenigen Wochen oder Monaten das ganze Prozedere erneut durchmachen muss. Denn eine Bank kann jederzeit den Zins ändern, den sie auf ein Tagesgeldkonto zahlt. Tagesgeldhopper müssen also ständig den Markt beobachten und ihre bestehenden Konten verwalten und immer zum besten Anbieter ziehen.

Ziemlich mühselig, wie ich finde. Würde es nicht mehr Sinn ergeben, auf die 30 Euro zu verzichten und stattdessen seine Freizeit zu genießen? Man könnte die Zeit auch nutzen, um in seinem normalen Beruf zu arbeiten - der Stundenlohn wäre für die meisten sicher höher als derjenige, den man mit Tagesgeldhopping verdient.

Anders verhält es sich bei Anlegern, die wirklich große Summen bewegen. Hätte mein Bekannter 100.000 Euro transferiert, hätte er Zinsen in Höhe von 600 statt 300 Euro bekommen. Da lohnt sich das Wechseln dann schon eher.

Doch die meisten jüngeren Menschen haben eher kleine Beträge angespart. Sie sollten sich einen Anbieter suchen, dessen Konditionen in den vergangenen Jahren konstant hoch waren, dann haben sie keinen Wechselstress. Dabei gilt es darauf zu achten, nicht auf verlockende Angebote der Banken hereinzufallen: Denn oftmals werben Banken auch mit einem Aktionszins, der dann nur für ein paar Monate gilt, danach erhalten die Sparer aber nur noch den niedrigeren Zinssatz für Bestandskunden. Einen guten Tagesgeldvergleich bieten Portale wie Check24, Finanztip oder Verivox.

Und wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen bei der Suche auch ausländische Tagesgeldanbieter angeboten werden, denn auch bei der maltesischen Fimbank, der niederländischen Rabodirect oder der österreichischen Anadi Bank sind die Einlagen aufgrund der Einlagensicherung innerhalb der EU sicher. Pro Kunde und Bank sind 100.000 Euro gesetzlich geschützt, selbst im Falle einer Bankenpleite.

Summen, die darüber hinaus gehen, sollten aber wegen der mickrigen Zinsen sowieso nicht auf einem Tagesgeldkonto herumliegen, sondern sollten langfristig in Aktien investiert werden. Am besten in passive Indexfonds, also ETFs, die das Geld über mehrere tausend Firmen streuen. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie hier.

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
*Querdenker* 05.03.2019
1. Tagesgeld ist Geldvernichtung
Tagesgeld ist Geldvernichtung bei einem Zinssatz von 0,6 %, wenn die Inflationsrate bei 2 % liegt. Da empfehle ich einen kostengünstigen ETF, der weltweit anlegt und im Schnitt 5 - 6 % Rendite bringt, wenn man die Zeit hat. Mein Depot weist für den letzten Monat 4,39 % Gewinn aus. Ich wäre auch zufrieden, wenn ich diese 4,39 % im Jahr hätte.
frenchie3 05.03.2019
2. Die Überschrift
wird ja schon im Artikel mit Zahlen beantwortet
MatthiasPetersbach 05.03.2019
3. nun ja
man muß ja nicht wegen jedem Zehntel Prozent alle 3 Wochen die Bank wechseln - aber ab und an überprüfen, was so Mode ist, ist ja sinnvoll. Und die Argumentation "sich lohnen" finde ich eher schwach: Erst einmal sind 30 Euro/Stunde ja nicht wirklich wenig (und länger dauert das eh nicht, nicht mal ansatzweise) um irgendwo ein Konto aufzumachen bzw. eher: das Geld auf DAS bestehende Konto zu baggern, wo es zur Zeit etwas bringt. Und zweitens gibts viel mehr Sachen, die man so macht, die sich nicht lohnen. Rasenmähen z.B. lohnt sich NIE :)
cabeza_cuadrada 05.03.2019
4. Michel
Zitat von *Querdenker*Tagesgeld ist Geldvernichtung bei einem Zinssatz von 0,6 %, wenn die Inflationsrate bei 2 % liegt. Da empfehle ich einen kostengünstigen ETF, der weltweit anlegt und im Schnitt 5 - 6 % Rendite bringt, wenn man die Zeit hat. Mein Depot weist für den letzten Monat 4,39 % Gewinn aus. Ich wäre auch zufrieden, wenn ich diese 4,39 % im Jahr hätte.
ist mit dem Michel nichts zu machen. Börse ist Spielcasino. Ich wette viele nicht investierte sehnen sich nach dem nächsten Crash um ihre Vorurteile bestätigt zu sehen. Und die andere Seite hofft auch auf den Crash, aber nur um sich mal wieder ordentlich günstig einzudecken. Was ETF angeht teile ich ihre Meinung ebenso. Eigentlich ist es um jeden Euro schade der auf dem Konto liegt und schleichend immer weniger Wert wird. Ein Tagesgeldkonto mit 0,6%, das klingt wirklich sehr verlockend, nicht..
MatthiasPetersbach 05.03.2019
5.
Ja. Und deshalb nimmt man als anständiger Mensch nicht daran teil. EGAL, was man da dran verdienen kann. Solange Aktien steigen, weil Leute entlassen werden oder ausgenutzt werden, solange sollte das sich von selbst verbieten. Die Tatsache, daß da für einen selbst was rausspringt, ist dagegen - wenn man nicht gerade am Verhungern ist - völlig irrelevant.
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