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Hypo Real Estate: Ex-Aktionäre können nach Urteil auf Schadensersatz hoffen

Ehemalige Aktionäre der HRE haben in einem Musterprozess einen Sieg gegen die Krisenbank errungen. Die Anleger können nun auf Schadensersatz hoffen - allerdings müssen darüber weitere Gerichte entscheiden.

Ex-HRE-Chef Funke im Jahr 2007: Anleger über desaströse Lage getäuscht Zur Großansicht
DPA

Ex-HRE-Chef Funke im Jahr 2007: Anleger über desaströse Lage getäuscht

München - Der verstaatlichten Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) drohen Schadensersatzzahlungen an frühere Investoren. Dabei geht es um Beträge in dreistelliger Millionenhöhe. Das Oberlandesgericht München entschied in einem Musterprozess, die Bank habe Anleger in der Finanzkrise über ihre desaströse Lage getäuscht. Die HRE habe unter anderem am 3. August 2007 eine unwahre Pressemitteilung veröffentlicht und später ihre Bilanz manipuliert, sagte Richter Guido Kotschy. Der frühere HRE-Chef Georg Funke, der in dem Prozess ebenfalls verklagt wurde, war nicht vor Gericht erschienen.

Die Bank kündigte an, dass sie die Entscheidung vor dem Bundesgerichtshof (BGH) anfechten werde.

Das Oberlandesgericht hatte sich anhand eines Musterfalls gebündelt mit den wichtigsten Fragen befasst. Es liefert damit einigen Hundert Investoren eine Grundlage für Schadensersatzprozesse, in denen die Anleger ihre Einzelansprüche allerdings noch durchfechten müssen. Aktionäre, die ihre Anteile zwischen dem 3. August 2007 und 15. Januar 2008 gekauft haben, haben mit dem Urteil eine Grundlage für Schadensersatzforderungen.

Den Bund als Eigentümer der HRE könnte das heutige Urteil viel Geld kosten. Der Anwalt der Kläger sprach von einer Summe von mehr als einer halben Milliarde Euro. Gefordert hatten die Kläger ursprünglich sogar mehr als eine Milliarde Euro. Das Gericht grenzte die Ansprüche aber zeitlich bis Mitte Januar 2008 ein, da die Bank an dem Tag per Pflichtmitteilung über ihre Probleme informiert hatte.

Der Beinahe-Zusammenbruch der HRE war eines der dramatischsten Kapitel der Finanzkrise. Als der Immobilienfinanzierer am 15. Januar 2008 unerwartet hohe Abschreibungen auf US-Wertpapiere bekannt gab, brachen die damals im deutschen Leitindex Dax gelisteten HRE-Aktien um 35 Prozent ein. Weil die HRE weitere Banken in die Pleite zu reißen drohte, sprang der Bund ein. Mit weit über 100 Milliarden Euro an Steuergeldern rettete er das Münchner Institut und brachte es schließlich unter seine Kontrolle.

Die Staatsanwaltschaft strebt auch einen Strafprozess gegen den früheren Vorstandschef Funke an. Die Anklage liegt zur Prüfung beim Landgericht München.

mmq/dpa/Reuters

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Eine schlechte Nachricht für alle Steuerzahler und Rentner
Eppelein von Gailingen 15.12.2014
Diese Nachricht wäre gut, wenn die verhaute Deutsche Bank als deutsches Skandalinstitut mit Häme nur so überschüttet werden könnte. Das geht leider nicht, weil der trickreiche Frauenversteher aus der Schweiz die Pastorentochter aus dem Nest Templin/Ostsee - systemrelevant - diese Schrottbank dem Bund aufs Auge drückte. Damit auch alle künftigen Forderungen. Aber, der schlaue Finanzhai aus Freiburg, wird einfach per Weisungsbindung die Justiz manipulieren, welche die Milliönchen der gebeutelten Börsianer wegwischen wird. So regiert die scheinbare Demokratie von Berlin - wie früher unter dem steifen Fritz.
2.
salkin 15.12.2014
Hier lässt sich wieder mal ein Ergebnis der missglückten Bankenrettung aus der Ära Steinbrück/Merkel besichtigen. Anstatt die Bank pleite gehen zu lassen um sich vor späteren Schadenersatzansprüchen und Pensionszahlungen an das Management zu schützen wurde diese verstaatlicht und den Altaktionären für wertlose Aktien auch noch Geld gezahlt. So haftet der Steuerzahler mal wieder für sachfremde Entscheidungen von Politikern manipuliert durch "Berater" wie Herrn Ackermann der einen "Schutzschirm" um seine Bank aufgebaut hat.
3. Was wäre, wenn...
kaischek 15.12.2014
Manchmal stelle ich mir diese Frage: Was wäre, wenn wir all die Schrottbanken hätten bankrott gehen lassen? Eine globale Pleitwelle, ja, ein paar Hundersttausend Banker und Parteienfinanzierer ohne Jobs und Kohle, auch richtig. Aber danach: Reine Luft, geöffnete Fenster, und ein globales Wiederaufbau-Klima ohne Belastungen und mit zunächst ethischem Geschäftsgebahren, selbst auf Seiten der neu entstehenden Banken, in dem wir alle noch einmal neu angefangen hätten. Vielleicht wäre das der bessere Weg gewesen...
4.
HighFrequency 15.12.2014
"Ex-Aktionäre können nach Urteil auf Schadensersatz hoffen" Klar - auf Kosten des Steuerzahlers!
5.
Immanuel_Goldstein 15.12.2014
Wieso soll jetzt wieder der Steuerzahler für die Fehler von Bankern haften, die sich jahrzehntelang fett selbst bedient und bereichert haben und für einen Aufsichtsrat, der immer weggeschaut hat, wenn sich jemand die Taschen voll geschaufelt hat? Nur zur Erinnerung: die Aktionäre sind die Spekulanten und sie selbst haben in den Hauptversammlungen die Gremien gewählt, bestätigt und entlastet. Genau dafür sollten sie gefälligst selbst haften. Das ist keine Sache des Steuerzahlers.
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