Illegale Preisabsprachen Kartellwächter ermitteln gegen Einzelhandel

Schröpfte der deutsche Einzelhandel jahrelang die Verbraucher? Laut "Handelsblatt" liegen dem Bundeskartellamt Beweise für illegale Preisabsprachen in der Branche vor. Einzelnen Supermarktbetreibern drohen Bußgelder in dreistelliger Millionenhöhe.

Käuferin im Supermarkt: Überteuerte Produkte
ddp

Käuferin im Supermarkt: Überteuerte Produkte


Düsseldorf - Gefühlte Wahrnehmung oder doch Realität? Immer wieder klagen Verbraucher über überteuerte Lebensmittel - und womöglich haben sie damit sogar Recht: Das Bundeskartellamt zumindest geht laut "Handelsblatt" Hinweisen nach, dass der Einzelhandel jahrelang seine Preise abgesprochen hat, um möglichst hohe Gewinne einzufahren.

Nachdem bereits Verfahren gegen Nahrungsmittelproduzenten mit hohen Bußgeldforderungen geendet hatten, verstärken die Wettbewerbshüter damit den Druck auf den Handel. Dort hatten die Kartellwächter bereits zu Jahresbeginn den Verkauf von Kaffee, Schokolade und Tiernahrung überprüft.

Insider erwarten laut der Zeitung, dass jetzt zusätzlich Produktgruppen wie Bier, Backzutaten oder Würzmittel wie Maggi in den Fokus der Ermittler geraten. Hier werde der Markt von wenigen Anbietern dominiert - und das erleichtere Preisabsprachen.

Kartellamt relativiert Aussagen

"Wir konzentrieren uns in diesem Verfahren auf klare Kartellrechtsverstöße und nicht auf sogenannte Graubereiche", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der Zeitung. So müssten viele große Einzelhändler nun damit rechnen, dass sich in den kommenden Tagen das Amt bei ihnen meldet. Im Anschluss könnten die Betroffenen zu möglichen Vorwürfen Stellung nehmen.

Das Bundeskartellamt wies allerdings die Darstellung zurück, dass die Prüfung angeblicher Preisabsprachen bald auf weitere Produktgruppen ausgeweitet werden soll. Es sei noch nichts entschieden, und es sei auch nicht unmittelbar eine Ausweitung der Untersuchungen geplant, sagte Sprecher Kay Weidner.

Er könne lediglich interne Überlegungen bestätigen, die Prüfung unter Umständen auf weitere Produktgruppen auszuweiten. Der Versand von Fragebögen an weitere Unternehmen oder die Einforderung von Stellungnahmen stünden - anders als vom "Handelsblatt" behauptet - nicht kurz bevor, sagte er.

Einzelnen Händlern drohten hohe Bußgelder, berichtete die Zeitung weiter. Führten die Ermittlungen zu gerichtsfesten Ergebnissen, könnten die Strafen Experten zufolge insgesamt im unteren dreistelligen Millionenbereich liegen.

Einzelhandelsumsatz legt im Mai zu

Erfreulichere Nachrichten für den Handel verbreiteten am Donnerstag die Statistiker: Im Mai haben die Unternehmen ein kleines Plus von 0,4 Prozent im Vergleich zum April erzielt. In den ersten fünf Monaten des Jahres gingen die Einnahmen allerdings preisbereinigt um 1,3 Prozent zurück, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Zahlen aus sieben Bundesländern mit.

Im Vergleich zum Mai 2009 sank der Umsatz um 2,4 Prozent, allerdings hatte der Mai damals auch einen Verkaufstag mehr, wie die Statistiker betonten.

yes/ddp/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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***p.k*** 01.07.2010
1. Seltsam...
... im europäischen Vergleich sind Lebensmittel in D ja extrem günstig. Wurde nicht vor einigen Monaten kritisiert, daß Aldi & Co. Lebensmittel, speziell Miclprodukte zu billig verkaufen und damit die heimische Landwirtschaft der Existenzgrundlage berauben?
lemming51 01.07.2010
2. Frage
Kann es sein, dass die Schlangengurkenpreise mittlerweile auch an den Ölpreis gekoppelt sind, da sie permanent bis zu 30 % variieren ?
atipic, 01.07.2010
3. Überteuerte Lebensmittel
Auch wenn es keine Preisabsprachen gibt, werden die Verbraucher abgezockt. Ich frage mich immer noch warum bei Edeka, Marktkauf & Co (z.B.) die lose Champignons 5,99 € das Kilo kostet, und in anderen Märkte in derselben Stadt nur 4,49 €. Oder warum werden – ohne jegliche Begründung - einfach Preise erhöht. Gewinnmaximierung? Der Staat duldet es weil es mehr USt. in den Steuersäckel bringt, aber de Verbraucher ist immer der Verlierer!
fatalismo 01.07.2010
4. Die ganze Wahrheit dürfte aber sein...
Zitat von ***p.k***... im europäischen Vergleich sind Lebensmittel in D ja extrem günstig. Wurde nicht vor einigen Monaten kritisiert, daß Aldi & Co. Lebensmittel, speziell Miclprodukte zu billig verkaufen und damit die heimische Landwirtschaft der Existenzgrundlage berauben?
..., dass die Marktketten mit den 'Alltagsschnäppchen' - letztlich in der Tat auf Kosten der Ursprungserzeuger - die Kundschaft keilen, die sie dann vor einem ganz anderen Regal abzocken. Wichtig ist, was 'hinten rauskommt', wie wir spätestens seit unserem unvergesslichen Big Kohl wissen Will heißen: Auf meinem Kassenzettel heute morgen bei REWE standen 66,23 EURO - darunter waren zwei Liter Milch und ein Pfund Butter nebst fünf Becher Schlagsahne - richtige Billigartikel. Bin ich nun sehr argwöhnisch, wenn ich vermute, dass in dem mehr als neunzigprozentigen Rest meines Zahlbetrags die paar Cent untergebracht wurden, die ich per Schnäppchen erbeuten durfte? So schrecklich repressiv ist unser Kartellamt fürwahr nicht. Die wollen schon Butter bei die Fische, ehe sie sich zu einem 'Anfangsverdacht' versteigen. Vermutlich stimmt nicht mal Ihre Ausgangsüberlegung: In den meisten europäischen Ländern werden 'Lebenshaltungskosten der Grundversorgung' statistisch in einem Block zusammengefasst. Richtig Zufall, nicht?, dass die drei, vier Länder, die sich den Luxus einer Splittung dieses Statistik-Postens bis hinunter in die Grundnahrungsmittel leisten, just die sind, in denen Lebensmittel als extrem preisgünstig gelten. Fürwahr: Im Vergleich zu meinen Heizungs- und sonstigen Energiekosten scheinen mir Lebensmittel auch wie Manna vom Himmel zu regnen...
***p.k*** 01.07.2010
5. Kartell & Co.
Zitat von fatalismo..., dass die Marktketten mit den 'Alltagsschnäppchen' - letztlich in der Tat auf Kosten der Ursprungserzeuger - die Kundschaft keilen, die sie dann vor einem ganz anderen Regal abzocken. Wichtig ist, was 'hinten rauskommt', wie wir spätestens seit unserem unvergesslichen Big Kohl wissen Will heißen: Auf meinem Kassenzettel heute morgen bei REWE standen 66,23 EURO - darunter waren zwei Liter Milch und ein Pfund Butter nebst fünf Becher Schlagsahne - richtige Billigartikel. Bin ich nun sehr argwöhnisch, wenn ich vermute, dass in dem mehr als neunzigprozentigen Rest meines Zahlbetrags die paar Cent untergebracht wurden, die ich per Schnäppchen erbeuten durfte? So schrecklich repressiv ist unser Kartellamt fürwahr nicht. Die wollen schon Butter bei die Fische, ehe sie sich zu einem 'Anfangsverdacht' versteigen. Vermutlich stimmt nicht mal Ihre Ausgangsüberlegung: In den meisten europäischen Ländern werden 'Lebenshaltungskosten der Grundversorgung' statistisch in einem Block zusammengefasst. Richtig Zufall, nicht?, dass die drei, vier Länder, die sich den Luxus einer Splittung dieses Statistik-Postens bis hinunter in die Grundnahrungsmittel leisten, just die sind, in denen Lebensmittel als extrem preisgünstig gelten. Fürwahr: Im Vergleich zu meinen Heizungs- und sonstigen Energiekosten scheinen mir Lebensmittel auch wie Manna vom Himmel zu regnen...
Naja, es ist inzwischen so, daß bei Treffen mit Kollegen, beispielsweise in einem Erfakreis, vor Beginn eine Kartellklausel akzeptiert werden muß; daß also nicht über Verkaufspreise gesprochen werden darf. Finde ich schon restriktiv. Was die Preise angeht: ich kaufe recht häufig in F. Preis für Butter (250gr): ca. 2 Euro. Praktisch alle Grundnahrungsmittel sind dort deutlich teurer. Günstiger allerdings die Wachteleier und die Gänseleber. Dürfte sich im Warenkorb aber nicht so stark bemerkbar machen...
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