Immobilien als Kapitalanlage Drei Millionen Vermieter verdienen nichts

Wie rentabel sind Eigentumswohnungen und Häuser? Wirtschaftsforscher kommen zu ernüchternden Ergebnissen: Drei Millionen Vermieter verdienen mit ihren Immobilien nichts, rund 500.000 machen sogar Verlust.

Von Alexander Jung

Altbauten in Berlin-Kreuzberg: Lohnt sich das Vermieten noch?
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Altbauten in Berlin-Kreuzberg: Lohnt sich das Vermieten noch?


Hamburg - An der Bank bringt das Ersparte kaum noch Zinsen, das Investment in Aktien ist vielen zu riskant. Wohin also mit dem Geld? Immer mehr Anleger stecken ihr Vermögen in Immobilien, die sie vermieten, schließlich haben Wohnungen und Häuser den Ruf eines sicheren Investments: Es dient der Altersvorsorge, und es schützt vor Inflation, so die Erwartung. Doch stimmt das überhaupt?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hat untersucht, wie rentabel solche Anlagen wirklich sind. Von den knapp sieben Millionen Eigentümern vermieteter Immobilien verdienen demnach ohne Berücksichtigung der Inflation rund drei Millionen keinen Cent. Fast eine halbe Million davon erwirtschaftet sogar eine negative Rendite, wie dies die Ökonomen formulieren. Zu Deutsch: Sie machen Verlust. Berechnet man den Anstieg des Preisniveaus mit ein, steigt die Zahl der Immobilienanleger, die draufzahlen, sogar noch.

Es sind bemerkenswerte Zahlen, die das DIW im Auftrag der Wertgrund Immobilien AG für 2012 erhoben hat; sie beruhen auf der Befragung von rund 11.000 Haushalten. Demnach summiert sich das gesamte Immobilienvermögen in Deutschland auf rund 4,83 Billionen Euro. Davon entfallen 3,75 Billionen Euro auf Häuser und Wohnungen, die selbst genutzt werden. Immerhin 1,08 Billionen Euro beträgt der Wert der Mietobjekte.

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Die Vermietung von Wohnungen oder Häusern ist damit die zweitwichtigste Form der Vermögensanlage, nach der Anlage in Geld und Wertpapiere mit 1,6 Billionen Euro. Der Wert einer vermieteten Immobilie beträgt im Schnitt 155.000 Euro, beim reichsten Zehntel der Bevölkerung sind es 264.000 Euro - viel Geld, das wenig abwirft.

Im Schnitt erzielen die Eigentümer laut der Studie eine Bruttorendite zwischen zwei und drei Prozent. Die DIW-Forscher stellen fest, dass die Erträge "recht niedrig liegen im Vergleich zu den Renditen, die in der Vergangenheit für sichere Finanzanlagen zu erzielen waren", also zum Beispiel im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren.

Mehr als die Hälfte der Vermieter, genau 57,5 Prozent, verdient weniger als zwei Prozent mit ihrer Immobilie. Mehr als ein Drittel (35,8 Prozent) gibt als Rendite null Prozent an; dies könnte nach Einschätzung der DIW-Wissenschaftler daran liegen, dass die Objekte aktuell nicht vermietet seien. Nur einer Minderheit gelingt eine ordentliche Verzinsung: Rund 18 Prozent der Eigentümer schaffen ein Plus von fünf Prozent und mehr.

Das schlechte Abschneiden der Immobilieninvestments führt der Wertgrund-Chef Thomas Meyer auf die Unerfahrenheit der Anleger zurück. Sie hätten bei der Standortwahl Fehler gemacht, sich in der Vergangenheit von steuerlichen Anreizen verführen lassen, gerade bei Objekten in Ostdeutschland, oder sie hätten sogenannte technische Risiken unterschätzt, also etwa die Sanierungskosten, die mit einem Mieterwechsel verbunden sind.

Viele, so Meyer, seien einfach blauäugig gewesen.

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elwu 17.09.2014
1. Ein Appartement
zur Vermietung war meine mit Abstand schlechteste Geldanlage. Nicht nur wegen der sehr mageren Rendite, sondern auch wegen des permanenten Ärgers mit Objekt, Miteigentümern und Mietern. Nach allem werde ich den Kauf einer Vermietimmobilie nie wieder erwägen.
boblinger 17.09.2014
2. Auswahl des Fotos?
Interessanter Artikel. Aber zur Illustration ausgerechnet einen Altbau in Kreuzberg? Wirklich, SPON? Hattet ihr kein Foto aus Guben, Forst, Luckenwalde oder Görlitz zur Hand?
bucksatan 17.09.2014
3. Und mit der Mietpreisbremse
wird sich die Situation weiter verschärfen. In der Konsequenz wird Wohnraum noch knapper und wir müssen wieder in Höhlen schlafen.
Steuerfuzzi 17.09.2014
4. So stellt sich
Klein Erna oder das DIW wohl eine Renditeanalyse für Vermieter vor. Und was ist bitte mit den Wertsteigerungen am Objekt selbst ? Die sind offenbar nicht Gegenstand der Betrachtung. Um zu wirklich relevanten Ergebnissen zu kommen, müsste man jene Erhaltungsaufwendungen, die den Wert der Immobilie erhöhen, herausgerechnet werden und dann sähe die Studie völlig anders aus.
silenced 17.09.2014
5.
Vermieten rentiert sich wenn man das Geld hat und die Immobilie abbezahlt ist. Sollte man aber auf den Zug aufspringen und eine Immobilie auf Kredit kaufen um diese zu vermieten, dann kann es schon vorkommen, daß der Bankberater ab und zu kurz auf's Klo muss um seinen Lachkrampf nicht permanent unterdrücken zu müssen. Nebenkosten sind der Renditekiller schlechthin, wie schon im Artikel erwähnt. Selbst kaufen für den Eigenbedarf lohnt sich nicht mehr wirklich, anders als immer propagiert. Je nachdem wo man lebt, kommt man mit dem Abzahlen des Kredits nicht wirklich zurecht, da die Zinsen dank des hohen Kaufpreises jegliche Tilgung gegen 0 drücken. Schonmal versucht in und um München herum eine 4+ Zimmer Wohnung zu kaufen? Als Otto-Normal-Haushalt mit 2 Personen + Kinder und ca. 5.000,-€ Netto Gesamteinkommen schon sogut wie unmöglich. Sicher, das ginge, aber wir haben nicht wirklich Lust jeden Cent 5x umzudrehen um das zu erreichen. Zumal: Ein Arbeitsplatz weg = das wars! Da lieber zur Miete wohnen. Mag für viele zwar Altmodisch sein, aber es ist finanziell sicherer. Rücklagen kann man auch noch bilden.
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