Frühjahrsgutachten der Immobilienweisen Wohnen wird immer teurer - auch wegen der GroKo

Auch 2018 sind Immobilien mit acht Prozent deutlich teurer geworden, so ein neues Branchengutachten. Die Bundesregierung will das durch Baukindergeld und Steuerboni stoppen - und erreicht damit exakt das Gegenteil.

Blick über Münchner Innenstadt (Archivfoto)
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Blick über Münchner Innenstadt (Archivfoto)

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Seit neun Jahren hält nun der Anstieg der Kaufpreise für Wohnimmobilien an - und er hat sich zuletzt sogar noch verstärkt: Im Jahr 2018 sind Eigentumswohnungen in Deutschland im Schnitt um 8,2 Prozent teurer geworden, so stellt es das Frühjahrsgutachten der Immobilienwirtschaft fest. Im Jahr zuvor waren es immerhin 0,3 Prozentpunkte weniger gewesen.

Anlässlich des am Dienstag vorgestellten Gutachtens im Auftrag des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) formulieren die sogenannten Immobilienweisen deutlich, wer aus ihrer Sicht Mitschuld am ungebremsten Preisanstieg hat: die Politik. Genauer die Bundesregierung, die durch zwei Maßnahmen eigentlich für mehr Wohnraum sorgen will - das Baukindergeld und befristete Steuerboni für Mietwohnungsbau. Der Immobilienwirtschaft, in deren Auftrag das Gutachten erstellt wurde, gefällt das gar nicht.

Das Baukindergeld, das bereits im vergangenen Jahr eingeführt wurde, macht Häuser, Wohnungen und Grundstücke den Experten zufolge aber noch teurer. Denn die 12.000 Euro, die es über zehn Jahre verteilt insgesamt pro Kind an Förderung gibt, reichten nicht aus, um Familien dort den Neubau zu ermöglichen, wo es dringend notwendig wäre - in den größten Städten.

Strohfeuer statt nachhaltig mehr Neubau

Stattdessen erhielten den Zuschuss vor allem jene Familien, die ihn eigentlich nicht nötig hätten, weil sie auch ohne ihn Eigentum erworben hätten, stellt der ZIA fest. Allerdings schlage der Verkäufer dann die Prämie einfach auf den Verkaufspreis auf.

Auch der vom Bundestag beschlossene, aber noch nicht wirksame Steuerbonus für Mietwohnungsbau wird laut Prognose der Immobilienweisen zu noch höheren Preisen führen. Grund ist die Befristung der Förderung. Weil klar ist, dass sie auslaufen wird, könnten eigentlich für später geplante Immobilieninvestitionen vorgezogen werden - doch derzeit ist die Baubranche ohnehin ausgelastet und Bauland knapp. Die zusätzlich befeuerte Nachfrage droht die Preise deshalb noch stärker steigen zu lassen. Die Experten sprechen von "Strohfeuereffekten".

Dabei ist die Teuerung ohnehin rasant, wie die Entwicklung im Jahr 2018 zeigt. Das gilt insbesondere für die sogenannten A-Städte, also die sieben größten Städte Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf. Hier stiegen die Kaufpreise durchweg noch stärker als im bundesweiten Schnitt.

Am stärksten schnellten die Kaufpreise mit 15,2 Prozent in Berlin in die Höhe, auch Frankfurt (13,2 Prozent), München und Köln (jeweils 10,7 Prozent) sowie Hamburg (10,4 Prozent) lagen deutlich über der Zehn-Prozent-Schwelle.

Auch die Mieten sind im vergangenen Jahr deutlich gestiegen - wenn auch bei weitem nicht so stark wie die Kaufpreise. Wer im dritten Quartal 2018 umgezogen ist, musste im deutschlandweiten Mittel 3,9 Prozent mehr für Miete bezahlen als noch im Jahr zuvor. In absoluten Zahlen lag die Quadratmetermiete für Neuverträge damit kalt bei 7,06 Euro.

Wesentlich stärker verteuerten sich die Mieten allerdings in den größten Städten Deutschlands: In Berlin waren es 9,2 Prozent im Vergleich zu 2017, in Stuttgart 7,8 Prozent und in München 6,8 Prozent. Bei der absoluten Miethöhe bei Neuverträgen ist nach wie vor München mit weitem Abstand die teuerste Stadt mit 16,54 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter im Mittel. Stuttgart und Frankfurt folgen mit 13,16 Euro beziehungsweise 12,58 Euro bereits mit einigem Abstand.

Prognose für 2019: Es wird ungebremst teurer

Zudem beobachten die Experten wie bereits jüngst die Bundesbank eine zunehmende Bewegung ins Umland der größten Städte. Dort suchen verstärkt jene nach Wohnraum, die in der Stadt selbst nichts Bezahlbares mehr finden - mit der Folge, dass die Preise nun auch dort stark steigen.

Die Immobilienweisen machen wenig Hoffnung, dass sich an dem starken Preisanstieg für das Wohnen so bald etwas ändern wird. Im vergangenen Jahr hatten sie noch eine Trendumkehr binnen eines Zeitraums von rund fünf Jahren prognostiziert - in diesem Jahr klingen die Experten etwas vorsichtiger: Zwar gehen sie durchaus davon aus, dass die Teuerung mittelfristig etwas schwächer werden wird - auch weil sich das Verhältnis zwischen Kaufpreisen und Mieten immer weiter vergrößert.

Kurzfristig jedoch werden die Preise den Experten zufolge auch im Jahr 2019 ungebremst zulegen. Das liege auch daran, dass die Zinsen nach wie vor extrem niedrig sind und angesichts der wieder schlechteren Konjunkturaussichten mit einiger Wahrscheinlichkeit auf diesem Niveau bleiben werden.

Zudem versäume die Politik, die richtigen Anreize zu setzen, klagt ZIA-Präsident Andreas Mattner: "Der Neubau wird in unserem Land völlig vernachlässigt." Mattner fordert unter anderem, die Grunderwerbssteuer zu senken. Dem Gutachten zufolge müsste vor allem in den größten Städten deutlich mehr Bauland ausgewiesen werden, zusätzlich müsste bereits bebaute Fläche durch weiteren Wohnbau verdichtet werden. Bauvorschriften und Genehmigungsverfahren müssten vereinfacht und beschleunigt werden.



insgesamt 64 Beiträge
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Teutonengriller 19.02.2019
1. Wenn ich sehe, daß hier junge
Familien Häuser für weit über 350.000€ kaufen, weiß ich, daß ich nur 10 Jahre warten muß, um billig Häuser einzukaufen,wenn die erste Prolongation der Hypotheken ansteht. Dann noch arbeitslos, geschieden o.ä. und das war es und die Preise werden dann wegen des hohen Angebotes niedriger sein, wetten?
legeips62 19.02.2019
2. Irgendwie lese ich
oft, die GROKO macht "was" und das Gegenteil tritt ein. Wo sind den hier die Unternehmensberater?
Supertramp 19.02.2019
3. Baukindergeld ist ne Fehlplanung
Baukindergeld mit seinen Fristen lässt Familien Bauen, die eigentlich nicht die Finanzierung sicherstellen können (maximales Gesamteinkommen). nur Familien die schon viel Vemögen haben bekommen dadurch noch was on Top. Die Immobilien Preise sind doch jetzt schon eine Blase im Großraum von Städten
mariepirol 19.02.2019
4. Vielleicht hätte Frau von der Leyen
mal ein paar Berater großzügig weiterreichen sollen. Tatsächlich wurde dies schon vor der Gesetzgebung prophezeit, aber natürlich wird die CSU Minderheit sich nicht belehren lassen- hat eine lange Geschichte.
Piether 19.02.2019
5. Na, hoffentlich
lesen das auch die Sozis und sonstigen "Umverteiler" und verstehen das auch noch. Die Chancen sind gering.
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