Neuverträge In diesen Städten steigen die Mieten am stärksten

Lörrach, Ostfildern, Kelkheim: Gerade in kleineren Städten sind die Mieten bei Neuverträgen zuletzt stark gestiegen. Nur in einer der deutschen Millionenstädte mussten Neumieter ähnlich hohe Zuschläge hinnehmen.

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In Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern sind die Mieten für Wohnungen in den ersten drei Monaten 2017 im Vergleich zum Vorquartal am stärksten gestiegen. Spitzenreiter bei Wohnungen mit Neuverträgen ist das an der Grenze zur Schweiz gelegene Lörrach (rund 49.000 Einwohner). Dort beträgt der Mietpreisanstieg durchschnittlich 8,5 Prozent. Das geht aus dem Wohn-Index des Hamburger Forschungs- und Beratungsunternehmens F+B hervor, das bundesweit Daten des Wohnungs- und Immobilienmarkts sammelt und aufbereitet.

Das südöstlich von Stuttgart gelegene Ostfildern liegt auf Platz zwei der Auswertung. In der Stadt mit rund 38.000 Einwohnern betrug die Preissteigerung bei Wohnungsmieten mit Neuverträgen 5,7 Prozent. Auf den weiteren Plätzen: Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt mit plus 4,8 Prozent, Kelkheim (Taunus) mit plus 4,6 Prozent, Sindelfingen und Ingolstadt jeweils mit 4,1 Prozent. Erst auf dem geteilten siebten Platz rangiert mit Berlin eine der vier deutschen Millionenstädte. In der Hauptstadt sind die Mietpreise im Schnitt um vier Prozent gestiegen - allerdings lagen sie mit 8,10 Euro im Vergleich immer noch relativ niedrig.

Wohnmieten: Preisentwicklung bei Neuverträgen im 1. Quartal 2017

Stadt Mietpreis pro qm in Euro Steigerung zu 1. Quartal 2016 in Prozent
Lörrach 10,30 +8,5
Ostfildern 9,60 +5,7
Mörfelden-Walldorf 9,20 +4,8
Kelkheim (Taunus) 9,30 +4,6
Ingolstadt 10,10 +4,1
Sindelfingen 9,50 +4,1
Esslingen 9,30 +4,0
Regensburg 9,30 +4,0
Berlin 8,10 +4,0
München 13,10 +1,6
Frankfurt/Main 11,00 +2,5
Stuttgart 10,50 +3,1
Hamburg 10,10 +1,3
Köln 9,70 +2,3
Düsseldorf 9,60 +2,8

Quelle: F und B

In Berlin wurde im Juni 2015 die Mietpreisbremse eingeführt. Seitdem dürfen Mieten in neuen Verträgen stadtweit nur noch zehn Prozent über dem Mietspiegel liegen. Ausnahmen gelten für Neubauten, nach umfassender Modernisierung und wenn der Vormieter bereits eine hohe Miete zahlte. Diese Angaben aber kennen die neuen Mieter häufig nicht. Der neue Mietspiegel für Berlin mit den ortsüblichen Vergleichsmieten wird am 19. Mai veröffentlicht.

Bundesweit wuchsen der Auswertung zufolge die Neuvertragsmieten um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Zum Vergleich: Die Bestandsmieten sind im selben Zeitraum nur leicht um 0,3 Prozent angestiegen.

man/fdi

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
mettwurstlolli 08.05.2017
1. Leider
Leider sind volkswirtschaftliche Grundkenntnisse in der Poltik nicht besonders verbreitet. So ähneln Parteien eher religiösen Vereinigungen als wissenschaftlichen Instituten. Anders ist kaum zu erklären, dass man versucht, des Wohnungsmarktes Herr zu werden, ohne auf Grundprinzipien von Märkten Rücksicht zu nehmen. Der deutsche Mieterschutz (ein international wahrlich einzigartiges Bollwerk) führt dazu, dass Bestandsmieter sich auf jahrzehntelang ersessenen Altmieten ausruhen und lebenslaufbedingte Leerstände lieber via Untervermietung und AirBnB ausgleichen, als die Wohnungen wieder auf den Markt zu geben. Gleichzeitig fehlsubventioniert der Staat den sozialen Wohnungsbau mit Milliarden. Anstatt trotz Nichterreichen der Politikziele die Mittel zu ändern, übertreffen sich die Politiker mit "Mehr vom Gleichen"-Forderungen. Ein neuer Ansatz wäre mal: Subjektförderung statt Objektförderung im Sozialbereich und eine Freigabe der Bestandsmieten, damit der Markt auch mal wieder wie ein Markt funktioniert und Leute ihre Wohnverhältnisse ihren Lebensverhältnissen anpassen.... Aber Mietervereine und Sozialromantiker werden dafür sorgen, dass das nicht passiert und weiterhin alle bestraft werden, die sich auf diesem Wohnungsmarkt bewegen müssen, oder neu hinzukommen.
marcus_tullius 08.05.2017
2. Auszug nur in der Horizontale
Warum sollte man im Alter eine 160 qm große Mietwohnung, in der man seit 30 Jahren lebt, gegen ein von 60 qm tauschen wollen, wenn Letztere auch noch deutlich teurer ist? Selbst wenn man die geringeren Betriebs- und Heizkosten in die Rechnung einbezieht und Stress und Kosten eines Umzugs unter den Tisch fallen lässt.
duke_van_hudde 08.05.2017
3. das macht auf das Jahr gerechnet 1,2 % Mieststeigerung
für Bestandsmieten. Da stellt sich die Frage wie stark gerade die Mitenditen fallen bei den deutlich stärker steigenden Preisen. Selbst die Steigerung für Neuvermietung ist nicht im ansatz das was gerade bei den Preisen passiert. Dauerhaft können die Preise zum kaufen nur so steigen wie die Mieten und diese können nur so stark steigen wie Lohnentwicklung. Wobei sie eher geringer steigen müssen. Es gibt zwar bei Immobilien massive Steuervorteile z.b. nach 10 Jahren sind Gewinne Steuerfrei (warum gitb es sowas nicht für Aktien) doch so langsam sind die Mietrenditen so gering das es wirklich hart wird sein Geld zu behalten. Der Unterschied zwischen Bestand und Neuvermietungsmieten ist natürlich so hoch weil der Staat hier massiv eingreift und die langjährigen Mietern Wahlgeschenke macht auf Kosten von Leuten die neu in die Stadt ziehen wollen oder müssen.
jallajalla 08.05.2017
4.
Der Staat verdient über die Grunderwerbssteuer, die bei einer Projektentwicklung gleich Mehrfach anfallen kann, mit - und folgerichtig haben fast alle Bundesländer diese in den letzten Jahren deutlich erhöht. Von ausufernden Bauvorschriften mal ganz zu schweigen. Eine Subjektförderung würde auch die Armutsquote verbessern, da durch staatliche Zuwendungen mehr Personen das Medianeinkommen erreichen würden.
Sibylle1969 08.05.2017
5.
Die genannten kleineren Städte zeichnet aus, dass sie im Speckgürtel einer Großstadt liegen: Kelkheim und Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt, Ostfildern bei Stuttgart und Lörrach bei Basel. In Schweizer Grenznähe macht sich sicher bemerkbar, dass das Preisniveau in der Schweiz noch höher ist. Und in Ingolstadt gibt es mit Audi einen sehr großen Arbeitgeber, zudem ist Ingolstadt aufgrund der sehr guten Zugverbindung nach München auch noch für Pendler attraktiv. Wenn die Preise in Umlandgemeinden stark anziehen, dann heißt das ja, dass die Nachfrage dort gestiegen ist. Was wiederum sicherlich daran liegt, dass die Preise in den Großstädten selbst für viele zu teuer sind und sie ins Umland ausweichen. Im Fall von Mörfelden-Walldorf lässt das tief blicken. Da zieht normalerweise kein vernünftiger Mensch freiwillig hin. Denn das ist eine der am schlimmsten von Fluglärm betroffenen Gemeinden, die permanent den Lärm der startenden Flugzeuge von der Startbahn West abbekommt, was m.E. noch schlimmer ist als der Lärm der landenden Flugzeuge.
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