Bundesländer im Vergleich Wo Immobilienkredite am höchsten sind

In Hamburg nehmen Hausbauer und Immobilienkäufer im Schnitt einen Kredit von 341.000 Euro auf, damit liegt der Stadtstaat vorne. Wie sieht es in Ihrem Bundesland aus?

Häuser in Hamburg
imago/ Westend61

Häuser in Hamburg

Von und (Grafiken)


Häuser und Wohnungen werden in Deutschland im Schnitt immer teurer - doch die regionalen Unterschiede sind gewaltig. Das spiegelt sich auch in der Höhe der Kredite wider, die Immobilienkäufer und Hausbauer aufnehmen.

Nach Daten des Finanzierungsvermittlers Dr. Klein, die dem SPIEGEL exklusiv vorlagen, waren die Kreditsummen im vergangenen Jahr in Hamburg am höchsten. Danach folgen die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Berlin. Die niedrigsten Kredite wurden in den ostdeutschen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt aufgenommen.

In Sachsen-Anhalt war die durchschnittliche Kreditsumme mit rund 173.000 Euro dabei nur etwa halb so hoch wie in Hamburg mit 341.000 Euro. Der deutschlandweite Durchschnitt lag bei 257.795 Euro.



Erklären lassen sich die hohen Unterschiede vor allem durch das Stadt-Land-Gefälle. Während die Immobilienpreise in und um Metropolen wie München (Bayern), Hamburg, Stuttgart (Baden-Württemberg), Frankfurt am Main (Hessen) oder Berlin in den vergangenen sieben Jahren drastisch gestiegen sind, stagnieren sie in vielen ländlichen Regionen. In Ostdeutschland fallen sie teilweise sogar. Entsprechend müssen Hauskäufer oder Bauherren dort auch deutlich niedrigere Kredite aufnehmen.

Dr. Klein ist ein Finanzierungsvermittler, der Banken und Immobilienkäufer zusammenbringt. Die Daten für 2016 basieren auf 74.000 Erstfinanzierungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 19 Milliarden Euro. Sie weichen stark ab von Daten, die die Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin kürzlich veröffentlicht haben. Die Finanzaufseher kamen demnach bundesweit nur auf eine durchschnittliche Finanzierungssumme von 110.000 Euro. Allerdings zählten sie auch Kredite für Modernisierung und Sanierung von Immobilien mit. Zudem hatten BaFin und Bundesbank nur kleine und mittelgroße Banken befragt - deren Schwerpunkt oft eher im ländlichen Bereich liegt, wo die Finanzierungssummen deutlich kleiner ausfallen als in Großstädten.



In den Großstädten ist auch der Anteil derer höher, die Wohnungen und Häuser kaufen statt neu zu bauen. Beim Bundesländer-Vergleich liegen die Stadtstaaten Bremen, Berlin und Hamburg vorn - in Bremen stehen 91,2 Prozent Käufer nur 8,8 Prozent Bauherren gegenüber. Hinter den Stadtstaaten folgen dicht besiedelte Flächenländer wie Hessen, Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Baden-Württemberg. Auch dort liegt der Anteil der Immobilienkäufer noch bei mehr als 80 Prozent. In Brandenburg dagegen kaufen nur knapp 64 Prozent.



Auch beim Alter der Käufer und Hausbauer gibt es deutliche Unterschiede. In Berlin waren die Immobilienerwerber 2016 im Schnitt 41,9 Jahre alt, in Sachsen-Anhalt dagegen fast vier Jahre jünger. Diese Diskrepanz dürfte ebenfalls mit dem Stadt-Land-Gefälle zusammenhängen: In den Großstädten sind Immobilien schließlich deutlich teurer - da sollte man ein paar Jahre fürs nötige Eigenkapital gespart oder kräftig geerbt haben.



insgesamt 37 Beiträge
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Bolligru 06.09.2017
1. Ich hätte angenommen
auf der Zugspitze sind die Kredite am höchsten. Oder meinten Sie evtl. am teuersten? Spaß beiseite, ein hoher Kredit ist ein Kredit mit einer hohen Kreditsumme.. aber das ist halt deutsche Sprache...
Bolligru 06.09.2017
2. oh
hab mir selbst ins Knie geschossen und nehme meinen Beitrag mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück :-( Erst lesen, dann schreiben...
funny-smartie 06.09.2017
3. wen wunderts?
War es nicht schon immer so, dass in Ballungsgebieten die Immobilienpreise höher sind? Die qm-Preise sind andere, Handwerker sind innerhalb den Ballungsgebieten teurer, innerhalb der Privatwirtschaft sind die Löhne auch höher, etc. Wenn wunderts? Viel schlimmer sind die Aussichten für das Rhein-Main-Gebiet wenn der Brexit vollzogen ist und viele Banken/Firmen aus England/London ihre Firmensitze verlegen. Hier fehlt es an infrastukturellen Ausbaumöglichkeiten des ÖPNV und natürlich bedingt durch den Flughafen an zusätzlichen Siedlungsmöglichkeiten.
hoeffertobias 06.09.2017
4. Erstaunlich!
Gerade dort, wo die Mieten seit Jahren kontinuierlich sinken, wird signifikant mehr gebaut, zumindest im Verhältnis zum Kauf bestehender Immobilien. Das sollte doch jedem Befürworter der Mietpreisbremse zu denken geben. Wenn die bestehenden Immobilien tendenziell nur hin- und herverkauft werden, kann ja kaum zusätzlicher Wohnraum entstehen. Interessant ist zudem, dass gerade in den tiefroten Stadtstaaten deutlich weniger Neubauten finanziert werden als Käufe bestehender Immobilien. Würde man in den Zentren das Verhältnis umkehren, bräuchte man sich darüber keine Gedanken zu machen.... Statt dessen werden die Mieten eingefroren, was das Problem weiter verschärft und keinem Wohnungssuchenden eine (zusätzliche) Bleibe verschafft... Peinliche Planwirtschaft!
thequickeningishappening 06.09.2017
5. Die Erstfinanzierungen ergeben dann doch
ein realistischeres Bild als die Daten von Bundesbank und BaFin. Was fehlt ist das Stadt - Land Gefälle innerhalb der Flaechenlaender sowie der Gesamtpreis incl. EK sowie die Trennung zwischen Hauspreisen und Wohnungspreisen.
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