Immobilien-Investments "Wir suchen ja auch gerade"

Finanzinvestoren verabschieden sich aus ihren Beteiligungen an Wohnungskonzernen in der Bundesrepublik. Das sollte Anlass zur Vorsicht sein. Wer in Immobilienaktien investieren will, streut sein Risiko am besten weltweit.

Von Christian Kirchner

Wohnhäuser in Köln: An Immobilienaktien geht der Boom vorbei
DPA

Wohnhäuser in Köln: An Immobilienaktien geht der Boom vorbei


Mit anekdotischer Evidenz ist das ja immer so eine Sache. Gehe ich etwa die Frankfurter Einkaufsstraße Zeil einmal auf und ab, bekomme ich schnell ein Gefühl dafür, wieso die Charts der Aktien von Starbucks Chart zeigen, H&M Chart zeigen, Dunkin' Donuts, McDonald's Chart zeigen oder der Primark-Muttergesellschaft A.B. Foods einem Strich von links unten nach rechts oben gleichen. Die Läden sind immer voll.

Eine laienhafte Herangehensweise? Mag sein. Der US-Fondsmanager Peter Lynch jedenfalls hielt den Besuch einer örtlichen Shoppingmall mit Frau und Kindern für enorm hilfreich für die Aktienauswahl. Und der Mann erzielte in den siebziger und achtziger Jahren Renditen von im Schnitt knapp 30 Prozent pro Jahr.

Wenn ich jedoch zähle, wie oft ich derzeit den Satz höre "Wir suchen ja auch gerade", und diese Zahl dann vergleiche mit der miesen Kursentwicklung von deutschen Immobilienaktien, frage ich mich: Was läuft da schief? Wieso notieren deutsche Immobilienaktien im Schnitt ein Drittel unter den 2007er Hochs? Wieso muss ein Milliarden-Immobilienkonzern wie die Deutsche Annington Chart zeigen vergangene Woche seinen Börsengang verkleinern, verbilligen und schließlich mit der Brechstange durchdrücken, wo sich doch Menschen in deutschen Großstädten um attraktive Wohnimmobilien geradezu prügeln?

Der Grund ist nicht nur die Aktien- und Risikoaversion vieler deutscher Investoren. Börsennotierte Immobilienkonzerne sind oft auch im Geschäftsimmobilienmarkt unterwegs, der ein völlig anderes Spielfeld ist als der für Wohnimmobilien. Die Objekte der reinen Wohnimmobilienkonzerne wiederum sind eher in einfachen und mittleren Lagen zu finden. Starke Preisanstiege gibt es aber vor allem in Top-Lagen von A-Städten wie Hamburg, München oder Frankfurt. Und schließlich hängt die Kursentwicklung von Immobilienaktien vor allem davon ab, wie geschickt sich die Manager der Immobilienfirmen bei Kauf, Verkauf, Vermietung und Renovierung ihrer Wohnungen anstellen - weniger von der Preisentwicklung des Wohnungsbestands insgesamt.

In Zeiten ausufernder Schulden sind Sachwerte gefragt

Auf lange Sicht sind Immobilienengagements über den Kapitalmarkt dennoch ein wachsendes und spannendes Geschäft, und das aus einem einfachen Grund: Sie sind global noch nicht völlig überreizt. Anleihen sind historisch betrachtet extrem teuer, Aktien nicht mehr billig, Rohstoffe bieten keine laufenden Erträge.

Zumal diese Erträge bei Immobilienaktien stimmen: der Indexbetreiber FTSE EPRA/Nareit errechnet für europäische Immobilienaktien eine 20-Jahres-Rendite von im Schnitt rund acht Prozent pro Jahr. Für Immobilienaktien weltweit sind es bereits rund zehn Prozent pro Jahr und für nordamerikanische - trotz des Crashs 2007/2008 - sogar zwölf Prozent.

Die unbezahlbare emotionale Rendite einer eigenen Immobilie

Der überwältigenden Mehrheit der "Wir suchen auch gerade"-Fraktion käme vermutlich nie in den Sinn, Immobilienaktien als Alternative zum eigenen Haus- oder Wohnungskauf in Betracht zu ziehen. Dafür gibt es gute Gründe - zum Beispiel die unbezahlbare emotionale Rendite einer eigenen Immobilie. Ferner die niedrigen Zinsen, die die selbstgenutzte Immobilie in vielen Modellannahmen zu einer guten Geldanlage machen. Und natürlich die Tatsache, dass vielen die Wertentwicklung ihrer Immobilien schnurzegal ist, solange in 20 oder 30 Jahren nur eine schwarze Null steht. Schließlich wollen sie vor allem selbst in den eigenen vier Wänden wohnen.

Wer hingegen in Immobilien einen besseren Schutz vor Inflation, Staatspleiten oder krisenbedingten Verlusten als in Aktien sieht, unterschätzt, zu welchen Grausamkeiten ein Staat gegenüber Immobilienbesitzern in der Lage sein dürfte (und in den zwanziger und vierziger Jahren auch war), um den sozialen Frieden zu wahren und die Einnahmen aufzubessern. Eine deutlich höhere Grundsteuer wäre da noch die harmloseste Variante.

Doch ganz egal, ob notorischer Mieter und Kapitalmarktfan oder begeisterter Immobilienkäufer und Aktienskeptiker - dass Finanzinvestoren dem deutschen Wohnimmobilienmarkt wenig zutrauen, sollte beide Gruppen nachdenklich stimmen. Offenbar sehen sowohl der Investor Terra Firma (der hinter dem gewaltsamen Börsengang der Deutschen Annington steht) als auch Rivale Fortress Chart zeigen (der bei der Immobilienfirma Gagfah Chart zeigen seine Beteiligung vergangene Woche auf unter 50 Prozent reduziert hat) außerhalb der Bundesrepublik lukrativere Anlagemöglichkeiten. Sonst würden sie ihre Anteile ja nicht an der Börse veräußern.

Für Investoren in Immobilienaktien sollte das ein Fingerzeig sein. Statt ausschließlich auf deutsche Immobilienkonzerne sollten sie lieber auf breit diversifizierte Engagements europa- oder besser weltweit setzen. Mittlerweile gibt es Indexfonds auf Immobilienaktien, mit denen das ebenso problemlos wie günstig möglich ist.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
berufskonsument 14.07.2013
1.
Sorry, aber geht es hier um Immobilienfonds oder um Aktien von Immobilienkonzernen? Die muntere Vermischung erzeugt den Eindruck, dass der Autor nicht so recht weiß, wovon der schreibt.
systemfeind 14.07.2013
2. unverkäufliche Eigenheime
Zitat von sysopDPAFinanzinvestoren verabschieden sich aus ihren Beteiligungen an Wohnungskonzernen in der Bundesrepublik. Das sollte Anlass zur Vorsicht sein. Wer in Immobilienaktien investieren will, streut sein Risiko am besten weltweit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/immobilienmarkt-investoren-trennen-sich-von-immobilienaktien-a-910785.html
in wenigen Jahren gibt es jede Menge potthässlicher Eigenheime ( Riesenpanoramafenster , Grillecke und Waschbetonterrasse ) zu günstigen Preisen . Teuer bleiben Altbauwohnungen in guter Lage ( gut ist die Lage genau dann wenn die Nachbarn die "taz" lesen und Multikulti nur als Holodecksimulation in den Köpfen der Anwohner stattfindet ) . Tipp : Land in Mecklenburg oder Brandenburg kaufen ; ist aber nur ratsam wenn man optisch in die Dorfgemeinschaft passt ( besonders beeindruckt zeigen sich die Ureinwohner wenn der Onkel aus dem Westen mit einem Unimog ( Feinflecktarn , Eigencréation ) vorfährt ( " gutes Gerät " ) . Dank dsl für Eigenbrödler und Heimarbeiter gut geeignet .
tritop 14.07.2013
3. 60 Jahre Milchkuh
dann kommt halt der Metzger
spon-facebook-1663567461 14.07.2013
4. was war denn in den in
zwanziger und vierziger Jahren mit den Immobilienbesitzern? und dass irgendwann die Blase platzt, ist so sicher, wie das Armen in der Kirche.
Wololooo 14.07.2013
5.
Ich bin mit Wohn- und Geschäftsimmobilien (kleine bis mittelgroße) in China immer gut gefahren. Habe derzeit jedoch alles abgestoßen und warte auf das Platzen der Blase und werde dann wieder einsteigen. Allerdings ist es für Deutsche und Ausländer allgemein sehr schwer in diesem Markt zu investieren, wenn man nicht die richtigen Kontakte hat (die einem auch gerne mal zuflüstern, wo die Regierung in Zukunft Ubahn-Stationen, Stadtteilverschönerungen oder große Geschäftsgebäude plant). Meine Rendite erzähle ich besser nicht, denn das würde mir keiner glauben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.