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"Immunstärkende Wirkung": Danone ändert Actimel-Werbung

Danone zieht mehrere Anträge bei der europäischen Aufsichtsbehörde zurück, mit denen es die angeblich gesundheitsfördernde Eigenschaft des Produkts Actimel bestätigen lassen wollte. In einigen Ländern ändert der Konzern bereits seine Werbung - ein Zusammenhang bestehe aber nicht.

Verbraucheraktion gegen Danone (März 2009): Werbung in Europa "anpassen" Zur Großansicht
DPA

Verbraucheraktion gegen Danone (März 2009): Werbung in Europa "anpassen"

Paris - Für Danone ist es ein empfindlicher Rückschlag: Der weltgrößte Joghurthersteller will seine beiden Verkaufsschlager Actimel und Activia nicht mehr überall so bewerben wie bisher.

Der französische Konzern zog bei der europäischen Aufsichtsbehörde seine Anträge zurück, mit denen die angeblich gesundheitsfördernden Eigenschaften der beiden Produkte bestätigt werden sollten. Er behielt sich zwar vor, den offiziellen Stempel zu einem späteren Zeitpunkt einzuholen. In Frankreich und Großbritannien verzichtet das Unternehmen jedoch bereits darauf, die angeblich verdauungsfördernde und immunstärkende Wirkung anzupreisen.

Konkret stoppte Danone in Frankreich und Großbritannien Anzeigen und Spots zu den Gesundheitsaspekten. Auf den Produkten selbst blieben die Aufdrucke erhalten. Finanzvorstand Pierre-André Térisse teilte am Donnerstag mit, der Konzern werde seine Werbung in Europa weiter "anpassen".

Danone Deutschland hingegen ändert seine Werbung laut einem Sprecher nicht. "Was wir sagen, können wir beweisen, und wir stehen dazu", sagte ein Unternehmenssprecher. "Wir ändern in Deutschland die Werbung nicht."

Der Sprecher wies außerdem darauf hin, dass die Art und Weise der Werbung schon immer von Kultur zu Kultur unterschiedlich gewesen sei. "Auch in Österreich werben wir anders als in Deutschland." Der Sprecher betonte außerdem, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem zurückgezogenen Antrag bei der europäischen Aufsichtsbehörde und der geänderten Werbung in Frankreich und Großbritannien gebe.

In der Branche waren zuletzt Zweifel aufgekommen

Danone begründete seinen Schritt am Donnerstag damit, dass unklar sei, welche Unterlagen die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zur Prüfung der beworbenen Eigenschaften brauche. Die beiden Produkte brachten dem Konzern im vergangenen Jahr 3,7 Milliarden Euro ein und damit ein Viertel des weltweiten Umsatzes.

Zuletzt waren in der Branche Zweifel darüber aufgekommen, ob sich die angepriesenen Eigenschaften bei einer Prüfung durch die EFSA tatsächlich belegen ließen. Die Behörde prüft auf Basis eines Gesetzes aus dem Jahr 2006 Tausende solcher Produktbeschreibungen auf deren tatsächliches wissenschaftliches Fundament. Die Erkenntnisse werden schließlich von der EU-Kommission verwendet, die dann eine Entscheidung trifft. Im Juli hatte die EFSA bestätigt, dass der Danacol-Joghurt von Danone hilft, den Cholesterinspiegel zu senken.

Würden Actimel und Activia bei der Bewertung durchfallen, könnte das Experten zufolge verheerende Folgen für das Image von Danone sowie die Verkäufe haben. Viel werde auch von der Berichterstattung in den Medien darüber abhängen, sagte Oddo-Securities-Analyst Pierre Tegner.

Finanzchef Terisse sagte, ein neuerlicher Antrag bei der EFSA hänge davon ab, ob die Behörde ihre Anforderungen bei Gesprächen am 1. Juni kläre. Der Zulassungsprozess ist bislang alles andere als geradlinig verlaufen. Schon im April 2009 hatte das Unternehmen einmal seinen Antrag für die beiden Joghurts zurückgezogen. Auch damals gab es Unklarheiten über erforderliche Unterlagen. Neue Anträge hatte Danone dann Ende 2009 und Anfang 2010 eingereicht.

Britische Werbeaufsicht stoppte Actimel-Fernsehspot

Das Unternehmen wirbt damit, dass eine "nur in Actimel enthaltene" Joghurtkultur bei täglichem Verzehr - sowie "im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Lebensweise" - helfe, die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers "zu stärken".

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hatte vor einem Jahr kritisiert, dass die Werbung von Danone "ein großes probiotisches Märchen" sei. Der Trinkjoghurt stärke das Immunsystem nur ähnlich gut wie ein herkömmlicher Naturjoghurt, sei aber viermal so teuer und enthalte doppelt so viel Zucker.

Danone hatte daraufhin erklärt, es sei in über 30 wissenschaftlichen Studien belegt, dass das Produkt die Abwehrkräfte aktiviere; nicht nur das hauseigene Forschungszentrum in Paris, auch unabhängige Forschungsinstitute hätten diese Studien erstellt. Dies bestritten die Verbraucherschützer auch nicht. Danone suggeriere dem Verbraucher jedoch, dass Actimel "als einziges Produkt" die Abwehrkräfte stärke.

In Großbritannien hatte die Werbeaufsicht im Oktober mehrere Werbespots für Actimel im Fernsehen gestoppt, weil die Behauptungen des Lebensmittelkonzerns zur gesundheitsfördernden Wirkung nicht erwiesen seien.

wal/Reuters/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
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1. Ich denke einfach..
a.weishaupt 15.04.2010
..dass es sich schon zu weit herumgesprochen hat, was von der Werbung zu halten ist. Damit ist die Geschäftsidee quasi "verbrannt" und man muss sich so oder so von den dadurch eingefahrenen Gewinnen verabschieden. Also vermutlich keine schwierige Entscheidung.
2. Und wer hat für Actimel Werbung gemacht
ellereller 15.04.2010
und zwar unter Einsatz seines im öffentlich-rechtlichen Fernsehens erworbenen naturwissenschaftlichen Nimbus? Jörg Kachelmann. Noch heute findet man auf dem Internet-Portal "Werben und Verkaufen" folgende Beschreibung: Im neuen 30-Sekünder von Danone Actimel setzt sich der bekannte Meteorologe wieder entschieden für sein Lieblingsprodukt ein. Nach beendeter Moderation am Strand von Ahlbeck stärkt sich Kachelmann mit Actimel. Wie das Zeug funktioniert, erklärt Kachelmann auf seine charmante Weise, indem er die Wirkung von Actimel kurzerhand auf die Kameralinse zeichnet."
3. Titel verweigert!
Rainer Helmbrecht 15.04.2010
Zitat von sysopDanone korrigiert seine Actimel-Strategie: Das Unternehmen zieht mehrere Anträge bei der europäischen Aufsichtsbehörde zurück, mit denen es die angeblich gesundheitsfördernde Eigenschaft des Produkts bestätigen lassen wollte. In einigen Ländern stoppt der Konzern bereits seine Werbung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,689263,00.html
Ein Anfang, als Nächstes könnte man dann die sogenannte "Kinderschokolade" aus den Regalen nehmen. Es gibt viel zu tun;o). MfG. Rainer
4. Titel verweigert!
Rainer Helmbrecht 15.04.2010
Zitat von sysopDanone korrigiert seine Actimel-Strategie: Das Unternehmen zieht mehrere Anträge bei der europäischen Aufsichtsbehörde zurück, mit denen es die angeblich gesundheitsfördernde Eigenschaft des Produkts bestätigen lassen wollte. In einigen Ländern stoppt der Konzern bereits seine Werbung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,689263,00.html
Ein Anfang, als Nächstes könnte man dann die sogenannte "Kinderschokolade" aus den Regalen nehmen. Es gibt viel zu tun;o). MfG. Rainer
5. .
frubi 15.04.2010
Zitat von sysopDanone korrigiert seine Actimel-Strategie: Das Unternehmen zieht mehrere Anträge bei der europäischen Aufsichtsbehörde zurück, mit denen es die angeblich gesundheitsfördernde Eigenschaft des Produkts bestätigen lassen wollte. In einigen Ländern stoppt der Konzern bereits seine Werbung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,689263,00.html
Tja. Da haben die fitten und unheimlich gesund aussehenden Menschen aus der Werbung wohl nur geringfügig für höheren Absatz gesorgt. Ich hab so sehr auch auf eine neue Spendenaktion für hungernde Kinder in Afrika gehofft.
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Health Claims: Abgelehnte und autorisierte Gesundheitsversprechen

Vollmundige Versprechen

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"Goldener Windbeutel": Die Tricks der Lebensmittelindustrie

Die Health-Claim-Verordnung der EU
Seit 2007 ist die "Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel" der EU in Kraft. Hersteller von Lebensmitteln können seitdem Health-Claim-Anträge bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) einreichen. Ziel der Verordnung: Jede Angabe auf einem Etikett über den gesundheitlichen Nutzen des Produkts muss durch wissenschaftliche Nachweise abgesichert sein. Diese werden von der Efsa überprüft.
Health Claims nach Artikel 13.1
"Kalzium ist gut für Ihre Knochen", oder "Omega-3-Fettsäuren senken den Cholesterinspiegel". Allgemeine Claims dieser Art gehören in die Kategorie 13.1. Ursprünglich waren mehr als 40.000 Anträge auf Claims dieser Art bei der Efsa eingegangen. Die EU-Behörde hat die Liste inzwischen auf 4186 reduziert. Wann die Positivliste der erlaubten Werbeaussagen fertiggestellt sein wird, ist noch nicht absehbar. Urprünglich sollte sie Ende Januar 2010 veröffentlicht werden. Doch bisher sind erst knapp tausend solcher Health-Claim-Anträge abgearbeitet. Grundsätzlich darf sich jeder Hersteller aus der Liste bedienen und sein Produkt mit den erlaubten Claims bewerben, sofern es bestimmte Nährwert-Anforderungen erfüllt. Diese wurden allerdings von der EU-Kommission noch nicht genau festgelegt.
Health Claims nach Artikel 13.5
"Actimel unterstützt das natürliche Abwehrsystem im Darm", oder "Activia hilft mit seiner speziellen Kultur regelmäßig das Darmwohlbefinden zu verbessern". Das sind gesundheitsbezogene Angaben im Hinblick auf "neue Wirkungen", wie es die Efsa formuliert. Gemeint sind damit individuelle Health Claims, die nur für ein bestimmtes Produkt gelten. Von dieser Sorte wurden bisher insgesamt 280 Anträge bei der Efsa eingereicht, 80 sind erst abgearbeitet, sechs wurden wieder zurückgezogen. Die Antragsteller müssen umfangreiche wissenschaftliche Nachweise vorlegen, die die gesundheitsbezogenen Angaben belegen.
Health Claims nach Artikel 14
"Verringert den Cholesterinspiegel", "senkt das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten". Werbeaussagen dieser Art, also Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos, fallen unter Artikel 14 der Health-Claim-Verordnung. Ebenso sind Angaben über die Gesundheit und Entwicklung von Kindern darunter definiert. Auch in diesen Fällen müssen die Antragsteller wissenschaftliche Nachweise erbringen, die diese Effekte belegen.
Was passiert, wenn ein Health Claim abgelehnt wurde?
Ohne eine Zulassung nach der Health-Claim-Verordnung darf eine gesundheitsbezogene Angabe für ein Lebensmittelprodukt nicht mehr verwendet werden, auch nicht in der Werbung. Die Behörden räumen den Herstellern jedoch eine Frist von sechs Monaten ein, innerhalb der sie die Werbeaussagen vollständig vom Markt nehmen müssen. Angaben über die Entwicklung und Gesundheit von Kindern müssen sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Nur sofern vor dem 19. Januar 2008 ein Antrag auf Zulassung gestellt wurde, gilt für sie eine Übergangsregelung.
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Ampelkennzeichnung: Was wirklich in Lebensmitteln drin ist

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Lebensmittelpackungen: So tricksen die Hersteller

Functional Food - die wichtigsten Zusätze
Heutzutage regulieren Joghurts die natürliche Verdauung, und Margarine schützt das Herz. Funktionelle Lebensmittel seien für die Gesundheit förderlich, finden die einen. Andere Experten sind skeptisch.
Probiotika
Nach Definition der WHO ist ein Probiotikum ein Zusatz von lebenden Mikroorganismen, der in ausreichender Konzentration dem Konsumenten einen Gesundheitsvorteil bietet. Der erste probiotische Joghurt kam 1994 auf den Markt: LC1 des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé. Seither boomt der Markt für Milchprodukte, denen probiotische Milchsäurebakterien zugesetzt sind. Sie sollen angeblich die Abwehrkräfte stärken, vor Erkältungskrankheiten schützen und die Verdauung fördern. Obwohl Hersteller wie Danone eine Reihe von klinischen Studien dazu durchgeführt haben, in denen positive Effekte belegt sind, werden Probiotika von Ernährungsexperten kritisiert. Manche sind der Meinung, jeder gewöhnliche Joghurt könne eine solche Wirkung entfalten. So fand etwa eine Untersuchung in Frankreich einen schützenden Effekt bei Durchfallerkrankungen nicht nur von Actimel, sondern auch von herkömmlichem Joghurt. Andere wiederum kritisieren, dass die Eigenschaften von Probiotika jeweils spezifisch für die Bakterienstämme und nur zu einem sehr geringem Teil wissenschaftlich nachgewiesen seien. Und so kam es auch, dass die Experten der Efsa es bei einer Vielzahl von Probiotika als nicht erwiesen ansah, dass die Bakterien das Immunsystem stärken oder die Verdauung fördern.
Omega-3-Fettsäuren
Relativ gut belegt ist die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren: Zahlreiche Studien zeigen tatsächlich eine positive Wirkung von Omega-3-Fettsäuren aus Lebensmitteln auf die Gedächtnisleistung. So hat man beispielsweise festgestellt, dass in Ländern, die auf eine mediterrane Kost mit viel Fisch setzen, die Häufigkeit von Alzheimer reduziert ist. Doch nicht nur Functional Food kann viel Omega 3 enthalten: Neben Fischölen sind auch viele Früchte, Gemüse und vor allem Nüsse reich an diesen essentiellen Fettsäuren.
Phytosterine
Phytosterine sind sekundäre, fettähnliche Pflanzenstoffe, die oft in Joghurt oder Margarine zugesetzt werden. Sie gehören neben den Probiotika zu der mit am besten erforschten Gruppe von Zusätzen in Functional Food. Zahlreiche Studien belegen: Phytosterine verringern die Aufnahme von Cholesterin im Darm, weshalb sie den Cholesterinwert senken - was sich wiederum positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt. Mit diesem Effekt werben Margarinehersteller gerne. Viele Ernährungsexperten sind jedoch der Meinung: Ein paar Walnüsse oder ein Frühstücksmüsli mit Haferflocken tun es auch und sind die billigere Alternative.
Vitamine und Mineralstoffe
Mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Lebensmittel zählen zu Functional Food, wenn die Menge über der empfohlenen Tagesdosis liegt. Während die Vitamine C und E als starke Antioxidantien gelten und damit die Zellen vor schädlichen freien Radikalen und Krebserkrankungen schützen sollen, hilft Vitamin D beim Aufbau von Knochen. Zwar sind Aussagen wie diese von der Efsa bereits autorisiert, doch es gibt auch Studien, die zeigen, dass die Einnahme von Vitaminpräparaten eher schadet.
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