Indiskreter Geldautomat "Wohnen Sie in Rumänien?"

Bizarre Geldautomaten-Panne in der Grenzstadt Konstanz. "Wohnen Sie in Rumänien?", fragte die Maschine in einem Shoppingcenter die Kunden, die Schweizer Franken in Euro umtauschen wollten. Schuld waren - ausgerechnet - statistikliebende Rumänen.

Geldautomat: Am Sortenwechsler in Konstanz wurden Franken in Euro umgetauscht
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Geldautomat: Am Sortenwechsler in Konstanz wurden Franken in Euro umgetauscht


Frankfurt am Main - Ausgerechnet in diesen Zeiten. Gerade hatte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit seinen Bemerkungen über die vermeintlich schlechte Arbeitsmoral von Rumänen für Empörung gesorgt. Und dann konfrontiert ein Geldautomat der Volksbank Konstanz Kunden mit der Frage: "Wohnen Sie in Rumänien?" Dabei soll die Maschine in dem großen Shoppingcenter, das direkt an der Schweizer Grenze liegt, eigentlich nur Franken in Euro umtauschen.

Die dreiste Frage musste zunächst mit Ja oder Nein beantwortet werden, bevor der Kunde sein Geld getauscht bekam. In beiden Varianten habe der Automat dann einwandfrei seine Arbeit erledigt, berichtete der "Südkurier".

Der neugierige Automat brachte denn auch Volksbank-Vorstand Roger Winter kurz vor seinem Sommerurlaub in Erklärungsnot. "Jeder Nationalismus ist uns fremd", versicherte er eiligst dem Blatt. Die peinliche Frage sei Folge einer Verwechslung: Die Software stammt von einem externen Dienstleister und sei eigentlich für eine andere Bank bestimmt gewesen. Winters Vorstandskollege Bruno Ragg versichert auf SPIEGEL ONLINE, die meisten Kunden hätten mit Humor auf die Panne reagiert. Und fügt hinzu: Der Angriff eines Hackers sei auszuschließen. Zumal der Automat einzig und allein dem Zweck des Geldwechselns diene, "da gehen nur Franken rein und Euro raus". Somit sei die Maschine auch nicht an das Netz der Volksbank angeschlossen.

Statistikinteressierte Rumänen

Bleibt die Frage, welche Bank die Anzahl ihrer rumänischen Kunden herausfinden will. Mario Hoffmeister bringt etwas Licht ins Dunkel. Die bizarre Frage sei eine der Standardkonfigurationen, sagt der Sprecher des Automatenherstellers Hess Cash Systems. Der Grund: "Wir vertreiben die Sortenwechsler international. Die meisten sind nach Rumänien verkauft worden." Die Geldinstitute dort seien aus statistischen Gründen daran interessiert, ob mehr Einheimische oder mehr Touristen Euros in die einheimische Währung umtauschten. "Warum, das müssen Sie die Banken fragen."

Bei den deutschen Banken sei die Einstellung normalerweise außer Betrieb, so Hoffmeister weiter. Doch an dem Konstanzer Wechsler habe es Wartungsarbeiten gegeben. "Danach hat der Automat die Standardeinstellungen hochgefahren." Allerdings nicht auf Rumänisch, sondern dem Standort entsprechend auf Deutsch.

Kunden, die Wert auf Diskretion legen, können aber aufatmen: Inzwischen ist der Fehler behoben.

ase



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