Steigende Preise Teure Energie hält Inflation über zwei Prozent

Die Teuerungsrate in Deutschland bleibt relativ hoch: Im April mussten Verbraucher für Dinge des täglichen Bedarfs 2,1 Prozent mehr zahlen als vor einem Jahr. Die Bundesbank dementiert entschieden, dass Deutschlands Währungshüter einen weiteren Anstieg akzeptieren könnten.

Kennen derzeit nur eine Richtung: Steigende Spritpreise treiben die Inflation
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Kennen derzeit nur eine Richtung: Steigende Spritpreise treiben die Inflation


Hamburg - Das Leben in Deutschland wird teurer - das galt auch im April. Waren und Dienstleistungen kosteten wie schon im Vormonat durchschnittlich 2,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. "Damit liegt die Inflationsrate bereits seit Februar 2011 über der Zwei-Prozent-Marke", schrieben die Statistiker. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht nur bei Werten knapp unter diesem Wert von stabilen Preisen.

Für den deutlichen Anstieg waren vor allem die Rekordpreise für Benzin und Diesel verantwortlich. "Die Preise für Kraftstoffe stiegen binnen Jahresfrist um 6,3 Prozent und erreichten damit einen neuen Höchststand", hieß es. Auch Nahrungsmittel verteuerten sich, und das sogar um drei Prozent.

In Deutschland ist über den Umgang mit der Teuerung eine neue Debatte entbrannt. Bundesbankchef Jens Weidmann wies Berichte zurück, laut denen die Notenbank künftig höhere Inflationsraten akzeptieren will. Das sei eine "absurde Diskussion", sagte Weidmann der "Süddeutschen Zeitung". Die Haltung seiner Institution habe sich nicht verändert: Als Teil des Euro-Systems sei es Aufgabe seiner Bank, die durchschnittliche Inflationsrate im Euro-Raum bei knapp zwei Prozent zu halten.

Das könne "im Einzelfall" bedeuten, dass die Inflation in Deutschland "zeitweise über dem Durchschnitt und gleichzeitig in anderen Euro-Ländern unter dem Durchschnitt liegt." Weidmann rechnet laut der Zeitung aber allenfalls mit leicht höheren Preisen in Deutschland. "Wenn wir im EZB-Rat darauf achten, dass die durchschnittliche Inflation nicht über zwei Prozent ansteigt, dann läuft die Inflation auch in Deutschland nicht aus dem Ruder", sagte er weiter. Entscheidend sei, dass sich die Währungshüter "nicht vor den Karren der Finanzpolitik spannen" ließen, sagte Weidmann in der "Bild"-Zeitung.

Die Bundesbank hatte am Mittwoch in einer Stellungnahme zu einer Anhörung des Bundestagsfinanzausschusses erklärt, dass Deutschland in der EU eher überdurchschnittliche Inflationsraten ausweisen werde, wenn sich die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Schuldenländer gegenüber Deutschland verbessern solle. Eine hohe Inflationsrate würde deutsche Produkte verteuern und sie damit weniger wettbewerbsfähig machen.

Die Bundesbank hat ihre ursprüngliche Inflationsprognose von 1,8 Prozent im laufenden Jahr angesichts der weiter steigenden Energiepreise bereits kassiert. Sie erwartet nun, dass die Inflationsrate im Jahresschnitt "leicht über zwei Prozent" liegen wird. Auch im Euro-Raum insgesamt dürfte die Teuerung nach Einschätzung der EZB in diesem Jahr über der Schwelle von zwei Prozent liegen.

Aus Sicht von Commerzbank-Experten lassen die steigende Kapazitätsauslastung der deutschen Wirtschaft und der dadurch angeschobene stärkere Lohnanstieg erwarten, dass die Verbraucherpreise auch mittelfristig um mehr als zwei Prozent pro Jahr steigen werden: "Da die EZB aus Rücksicht auf die Probleme der Peripherieländer auf diese Risiken in Deutschland wohl nicht reagieren wird, dürfte die Inflation langfristig höher ausfallen als im letzten Jahrzehnt."

Bei Tarifverhandlungen wurden in Deutschland zuletzt deutlich höhere Lohnabschlüsse erzielt. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich für bessere Lohnabschlüsse aus.

yes/dab/Reuters/dpa

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Seite 1
elster22 11.05.2012
1.
Diese unverblümte gestrige Aussage hat mich schon verblüfft. Nun eine Dementi. Auf mittlere bis lange Sicht werden wir uns aber auf eine höhere Inflation einstzellen müssen. Nur ohne explizite Ankündigung.
localpatriot 11.05.2012
2. Kafkaeske Wirtschaftspolitik
Zitat von sysopdapdDie Teuerungsrate in Deutschland bleibt relativ hoch: Im April mussten Verbraucher für Dinge des täglichen Bedarfs 2,1 Prozent mehr zahlen als vor einem Jahr. Die Bundesbank dementiert entschieden, dass Deutschlands Währungshüter einen weiteren Anstieg akzeptieren könnten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,832609,00.html
Die Benzinpreise steigen und treiben die gemessene Inflation in die Hoehe. Kafkaesk ist die Antwort der Volkswirte: Hoehere Benzinpreise ziehen den Verbrauchern Geld aus der Tasche, deshalb muss die EZB die Leitzinsen erhoehen. Eine perverse Logik die sich endlich "outen" muss.
Fritz Motzki 11.05.2012
3. Regierung muß endlich weg
Zitat von sysopdapdDie Teuerungsrate in Deutschland bleibt relativ hoch: Im April mussten Verbraucher für Dinge des täglichen Bedarfs 2,1 Prozent mehr zahlen als vor einem Jahr. Die Bundesbank dementiert entschieden, dass Deutschlands Währungshüter einen weiteren Anstieg akzeptieren könnten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,832609,00.html
Gestern wurde in Panorama der neuste Coup dieser Dilettanten aufgedeckt - Betreiber wurden von Geschenken überrascht Ökostrom: neue sinnlose Subventionen - Panorama - Alle Sendungen - 2012 | DasErste.de (http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2012/energiewende243.html)
Markenfetischist 11.05.2012
4. Subventionierte Inflation
Die Energiewirtschaft wird mit über 2 Milliarden Euro pro Jahr vom Staat subventioniert. Die einfache Logik würde jetzt besagen, dass wenn man die Subvenionen streicht die Energiepreise noch weiter steigen. Auf den ersten Blick würde das ja vielleicht Sinn ergeben, eine kränkelnde Branche, die sich nur mit Hilfe des Staates über Wasser halten kann... Tja, die Energiekonzerne haben allerdings Rekordgewinne eingefahren! Auf dem zweiten Blick, könnte man auch annehmen, dass eine Streichung der Subventionen zu einer Preiserhöhung führen würde. Die Verluste an Steuervergünstigungen und Hilfen werden einfach an die Kunden weitergereicht. Die meisten Leute lassen sich damit ja leider abspeisen. In Wahrheit sind Subventionen ein Steuerungsinstrument mit denen diejenigen Unternehmen gegenüber der Konkurrenz gestärkt werden, die von den Subventionen begünstigt werden. Zur Zeit sind das die wenigen Großen. Wenige Große heißen immer, dass der Wettbewerb geschwächt ist, und somit die Endkundenpreise steigen. Die Bundesregierung hat nun auch noch die Subventionen für die Kleinen gestrichen, mit dem Stopp der Solarförderung. Wenn man Energiepreise runter haben möchte, muss man für dort Wettbewerb sorgen, damit Preisabsprachen durch Konkurrenzkampf ersetzt wird.
lanre 11.05.2012
5.
Zitat von localpatriotDie Benzinpreise steigen und treiben die gemessene Inflation in die Hoehe. Kafkaesk ist die Antwort der Volkswirte: Hoehere Benzinpreise ziehen den Verbrauchern Geld aus der Tasche, deshalb muss die EZB die Leitzinsen erhoehen. Eine perverse Logik die sich endlich "outen" muss.
Was ist daran perverse Logik? Durch eine Erhöhung des Leitzinses wird dem Markt Geld entzogen und somit die Preissteigerung gebremst. Wo ist hier bitte eine perverse Logik?
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