Inflation Draghis Bazooka hat Ladehemmungen

Die Milliarden der EZB reichen nicht, um die Verbraucherpreise anzuheben. Die Inflation in der Eurozone bleibt auch im Dezember rekordverdächtig niedrig. Anleger erwarten, dass Mario Draghi bald nachlegt.

EZB-Chef Draghi: Mini-Inflation trotz großer Geldspritze
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EZB-Chef Draghi: Mini-Inflation trotz großer Geldspritze


Trotz der Geldflut Europäischen Zentralbank (EZB) bleibt die Inflation in der Eurozone auf einem Rekordtief. Die Preise zogen im Dezember nur um 0,2 Prozent an, wie das Europäische Statistikamt am Dienstag in Brüssel mitteilte. Damit fiel die Jahresteuerung genauso niedrig aus wie im Vormonat.

Im Sog des Ölpreisverfalls verbilligte sich Energie um 5,9 Prozent, während sich Nahrungsmittel mit plus 1,2 Prozent und Dienstleistungen mit plus 1,1 Prozent moderat verteuerten. Der Euro setzte seine Talfahrt nach den Daten fort; er gab um mehr als einen halben US-Cent auf 1,0760 Dollar nach.

Viele Anleger wetten nun auf eine erneute Ausweitung der Wertpapierkäufe durch die EZB. Mit den Geldspritzen, umgangssprachlich Bazooka genannt, soll eine deflationäre Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und rückläufigen Investitionen verhindert werden. Die EZB will es nicht soweit kommen lassen und strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an, die ihr als optimal für die Konjunkturentwicklung gilt.

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Erklär-Comic: Warum die EZB massenhaft Staatsanleihen kauft
Der EZB-Rat hatte seine Politik erst Anfang Dezember weiter gelockert - jedoch deutlich weniger als erwartet. Das auf jetzt auf 1,5 Billionen Euro angelegte Wertpapierkaufprogramm, das neben Anleihen auch Pfandbriefe und Hypotheken-Papiere umfasst, soll nun bis mindestens Ende März 2017 laufen.

Experten rätseln nun, ob die EZB bald nachlegt, nachdem die US-Notenbank Fed die Zinswende gerade erst eingeläutet hat. "Eine weitere Lockerung der Geldpolitik bleibt auf der Tagesordnung", meint Ökonom Christoph Weil von der Commerzbank. EZB-Beobachter Teunis Brosens von ING-DiBa rechnet indes zunächst nicht mit einer weiteren Öffnung der Geldschleusen, solange es konjunkturell aufwärts geht: "Die EZB wird ihr Pulver wohl vorerst trocken halten."

ssu/Reuters



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suplesse 05.01.2016
1. Kapitalismus pur!
Das Geld bleibt bei den Banken und Anlegern. Es wird nicht in die reale Wirtschaft gepumpt. Ihre Aufgabe in der Wirtschaft nehmen die Banken nach amerikanischen Muster schon lange nicht mehr wahr. Versuchen Sie mal für ihr neu gegründetes Handwerksunternehmen Geld zu bekommen. Ohne doppelt und dreifache Absicherung fester Werte ist das unmöglich.Irgendwann kolabiert die Börse wegen totaler Überhitzung. Draghis Politik ist brandgefährlich.
dwg 05.01.2016
2.
Durch immer noch mehr "vom Falschen" wird es nun mal nicht richtig.
salkin 05.01.2016
3.
Die Bazooka ist erwartungsgemäß ein Rohrkrepierer weil sie nur einen Anstieg der Vermögenspreise bewirkt. Investoren, hier meine ich nicht die Aktienspekulanten, brauchen ein verlässliches Umfeld. Wenn schon kurz nach der Ausweitungen der Maßnahmen Ratsmitglieder der EZB auf Tagungen rumschwadronieren, dass die Maßnahmen auch ausgeweitet werden können, dann warte ich als Unternehmer lieber nochmal ab ob es nicht noch billiger wird. Die Politiker und die EZB sollten Klarheit schaffen worauf man sich in den nächsten 1 bis 2 Jahren einrichten kann und nicht laufend neue Maßnahmen ankündigen die schon am nächsten Tag wieder in Frage gestellt werden. Unabhängig davon ist das Programm darauf angelegt, die eigentlich insolventen Club Med Staaten bis nach den Wahlen 2017 finanzierbar zu lassen. Da offensichtlich alle Zentralbankpräsidenten an der gleichen Uni studiert haben glauben auch alle an den Segen der 2% Inflation und fahren die gleichen unwirksamen Programme. Von intelligenten Menschen sollte man eigentlich erwarten, dass sie auch eigene Konzepte entwickeln können und nicht nur immer wieder die gleichen Konzepte nutzen.
muellerthomas 05.01.2016
4.
Zitat von salkinDie Bazooka ist erwartungsgemäß ein Rohrkrepierer weil sie nur einen Anstieg der Vermögenspreise bewirkt. Investoren, hier meine ich nicht die Aktienspekulanten, brauchen ein verlässliches Umfeld. Wenn schon kurz nach der Ausweitungen der Maßnahmen Ratsmitglieder der EZB auf Tagungen rumschwadronieren, dass die Maßnahmen auch ausgeweitet werden können, dann warte ich als Unternehmer lieber nochmal ab ob es nicht noch billiger wird. Die Politiker und die EZB sollten Klarheit schaffen worauf man sich in den nächsten 1 bis 2 Jahren einrichten kann und nicht laufend neue Maßnahmen ankündigen die schon am nächsten Tag wieder in Frage gestellt werden. Unabhängig davon ist das Programm darauf angelegt, die eigentlich insolventen Club Med Staaten bis nach den Wahlen 2017 finanzierbar zu lassen. Da offensichtlich alle Zentralbankpräsidenten an der gleichen Uni studiert haben glauben auch alle an den Segen der 2% Inflation und fahren die gleichen unwirksamen Programme. Von intelligenten Menschen sollte man eigentlich erwarten, dass sie auch eigene Konzepte entwickeln können und nicht nur immer wieder die gleichen Konzepte nutzen.
Haben Sie mal überlegt, ob die Wirtschaft in Europa nicht in Schwung kommt, weil die Fiskalpolitik so restriktiv ist? Welche Konzepte würden Ihnen denn so vorschweben? Und was ist Ihre Kritik an einem Inflationsziel? Also ich würde es begrüßen, wenn die Fiskalpolitik endlich expansiv würde, wobei auch dann die Geldpolitik zusätzlich expansiv bleiben müsste und nicht ihrerseits restriktiv werden sollte.
bausa 05.01.2016
5. Sinn der Sache
Worin liegt den nder Sinn. Höhere Verbraucherpreise lassen ev. die Inflationsrate steigen, die Firmen haben vorübergehend mehr Gewinn. Das heisst aber nicht, das dann auch mehr investiert wird oder? In der Regel schöpfen doch nur die Aktinäre die Sahne ab und nicht der kleine Mann. Der darf nur die höhreren Preise bezahlen, hat weniger in der Tasche und konsumiert dann auch wieder weniger. Da wäre es doch sinnvoller jedem Bürger mit niedrigen Gehalt 2tsd Euro zu schenken, die dann zielgerecht verwendet werden.
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