Inflation Verbraucherpreise steigen auf Fünfjahreshoch

Die Inflation in Deutschland hat 2017 deutlich zugelegt. Hauptgründe sind höhere Mieten, steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise - und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

Supermarkt (Archivbild)
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Die Verbraucherpreise sind 2017 im Schnitt um 1,8 Prozent angestiegen. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mit. Einen stärkeren Zuwachs hatte es zuletzt 2012 mit 2,0 Prozent gegeben.

Die Inflation ist damit deutlich höher als im vergangenen Jahr. Für 2016 hatte das Statistische Bundesamt eine Teuerungsrate von 0,5 Prozent berechnet.

Zum Jahresende verringerte sich der Preisauftrieb leicht. Im Dezember lag die jährliche Teuerungsrate bei 1,7 Prozent. Im November waren es noch 1,8 Prozent gewesen.

Ein Haupttreiber der Inflation sind höhere Mieten sowie steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise. Ein weiterer Grund für die steigenden Verbraucherpreise ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Indem sie sehr viel Geld in den Umlauf bringt, kurbelt die EZB die Ausgaben der Verbraucher und Unternehmen an - und damit die Nachfrage. Das führt mitunter zu steigenden Verbraucherpreisen.

Banken reichten im November an Firmen 3,1 Prozent mehr Kredite aus als vor Jahresfrist. Das ist das stärkste Wachstum seit achteinhalb Jahren, wie die EZB am Freitag in Frankfurt mitteilte. An die Privathaushalte vergaben die Geldhäuser 2,8 Prozent mehr Darlehen als ein Jahr zuvor. Auch das ist das kräftigste Plus seit Mitte 2009.

Seit März 2016 halten die Euro-Wächter ihren Leitzins auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Damit wollen sie für günstige Finanzierungsbedingungen sorgen. Zudem schleusen die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken seit März 2015 über den Erwerb von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren Woche für Woche Milliarden in das Finanzsystem. Das soll Banken animieren, mehr Kredite an Firmen und Haushalte zu vergeben.

Das mittlerweile auf 2,55 Billionen Euro angelegte Kaufprogramm ist aktuell das wichtigste Instrument der Währungshüter, um die Wirtschaft auf Trab zu halten. Die in Deutschland umstrittenen Käufe sollen noch bis mindestens Ende September 2018 fortgesetzt werden.

Die EZB strebt eine Teuerung von knapp unter zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an.

ssu/dpa/Reuters



insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
murkser 29.12.2017
1. Falsche Überschrift
Die Verbraucherpreise steigen (außer bei Deflation) jedes Jahr. Also sind sie (wahrscheinlich) auf einem Allzeithoch. Auf einem Fünfjahreshoch befindet sich die Inflation, also der Anstieg der Verbraucherpreise.
stesotweb2 29.12.2017
2. Jetzt handeln
Also:Die EZB strebt eine Teuerung von knapp unter zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an. Mathe: 1,8 % sind knapp unter 2,0 %. Oder? Liebe EZB jetzt handeln!
lisa.micko 29.12.2017
3. Bestands- und Flussgrössen
Vielleicht lernt ja auch der Spiegel mal den Unterschied zwischen Bestands- und Flussgrößen. Dann gibt es auch nicht mehr so unsinnige Überschriften. Auch bei einer Inflation von 1% wären die Preise im Mittel die höchsten aller Zeiten (wenn es nicht mal Deflation gab).
beuerlein 29.12.2017
4. Längerfristige Entwicklungen
sollten stärker Beachtung finden. Gerade die Energie- und Lebensmittelpreise sind volatil, d.h. stärkeren Schwankungen unterworfen. So entsteht bei Betrachtung der Jahresentwicklung nicht unbedingt ein aussagekräftiges Bild. Interressanter wäre, die Entwicklung der Durchschnittspreise eines Jahres über einen Zeitraum von 10 oder 20 Jahren zu bewerten.
Spiegelleserin57 29.12.2017
5. mag sein...
Zitat von beuerleinsollten stärker Beachtung finden. Gerade die Energie- und Lebensmittelpreise sind volatil, d.h. stärkeren Schwankungen unterworfen. So entsteht bei Betrachtung der Jahresentwicklung nicht unbedingt ein aussagekräftiges Bild. Interressanter wäre, die Entwicklung der Durchschnittspreise eines Jahres über einen Zeitraum von 10 oder 20 Jahren zu bewerten.
für den Verbraucher ist interessant ob die Gehälter und Renten im Verhältnis zu den Steigerungen sich entsprechend verhalten oder ob der Verbraucher letztendlich ein Plus oder Minus zu verzeichnen hat. Dies beeinflusst sein Kaufverhalten. Man kann nur das Geld ausgeben was man hat.
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