Insideraffäre: Ex-Aktionärsschützer kommt mit Bewährungsstrafe davon

Das Landgericht München hat das zweite Urteil in der Insideraffäre um manipulierte Aktienkurse verkündet. Ein früherer Funktionär der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger kann seine Haftstrafe auf Bewährung verbüßen - der Mann hatte alle Vorwürfe gestanden.

München - Er gehörte zu einer Clique von Aktionärsschützern und Finanzjournalisten, die Kurse manipuliert haben: Christoph Öfele, früher Funktionär der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), ist wegen Insiderhandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der 43-Jährige hatte Insiderhandel in 92 Fällen zugegeben und damit die Vorwürfe der Anklage in vollem Umfang eingeräumt. Das Landgericht München verhängte eine Haftstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Öfele war früher Sprecher SdK. In dieser Funktion war er auf Hauptversammlungen von Unternehmen aufgetreten, um den Kleinanlegern dort eine Stimme zu geben. Zudem war er als Sachverständiger für geschädigte Kapitalanleger tätig und prangerte auf seiner Website unseriöse Kapitalanlageprodukte an. Bis seine Verwicklung in den Aktienskandal bekannt wurde, war der 43-Jährige auch Aufsichtsratschef des Fußballclubs 1860 München.

Das milde Urteil war erwartet worden, da das Gericht im Gegenzug für das Geständnis Öfeles bereits zum Prozessauftakt am Dienstag die Bewährungsstrafe und eine Geldstrafe in Aussicht gestellt hatte. Der Anklage zufolge hatte Öfele im Jahr 2006 zusammen mit zwei weiteren früheren SdK-Mitarbeitern eine Mehrheit an dem Pharmaunternehmen NascaCell gekauft. Vor dem Börsengang des Unternehmens wurde der Kurs der Aktie mit falschen Informationen in Börsenbriefen in die Höhe getrieben.

Diese Berichte hatte der Herausgeber der Börsenbriefe verfasst, der bereits am Dienstag nach einer ähnlichen Absprache vor Gericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Im Fall NascaCell wurde er nach Einschätzung der Anklage aber bewusst von einem anderen Angeklagten, Tobias Bosler, getäuscht. Bosler gilt als Haupttäter und muss sich von kommendem Montag an gemeinsam mit dem ehemaligen Vizechef der SdK, Markus Straub, vor Gericht verantworten. Beide sitzen seit einer großangelegten Razzia im Herbst 2010 in Untersuchungshaft.

fdi/dpa

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