Insideraffäre: Ex-Aktionärsschützer legt Geständnis ab

Das erste Urteil in der Insideraffäre um manipulierte Aktienkurse ist gefallen: Ein ehemaliger Börsenbrief-Herausgeber kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Auch ein früherer Funktionär der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kann auf eine milde Strafe hoffen.

München - In der Prozess-Serie gegen eine Clique von Aktionärsschützern und Finanzjournalisten wegen Marktmanipulationen und Insiderhandel gibt es ein erstes Urteil: Das Landgericht München verhängte gegen einen 47-jährigen Herausgeber eines Börsenbriefs eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren sowie eine Geldstrafe von 5000 Euro wegen Marktmanipulation.

Der Diplom-Kaufmann hatte zugegeben, in seinen Briefen vor allem Aktien zum Kauf empfohlen zu haben, die er selbst besaß - um damit Kasse zu machen. Strafmildernd wertete das Gericht außer dem Geständnis, dass der Mann nichts an seinen Geschäften verdiente, weil alle seine Gewinne durch einen hohen Verlust bei einem Aktiendeal zunichte gemacht wurden.

Auch dem früheren Aktionärsschützer Christoph Öfele stellten die Richter eine Bewährungsstrafe in Aussicht. Er legte ebenfalls ein Geständnis ab und gab über seinen Anwalt zu, Insiderhandel betrieben zu haben. Im Gegenzug stellte das Landgericht eine Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren sowie eine Geldstrafe in Aussicht. Außerdem soll er den größten Teil seines Vermögens in Höhe von mehr als 200.000 Euro als Nebenstrafe an die Staatskasse zahlen. Ein Urteil könnte bereits am Donnerstag gesprochen werden.

Der 43-jährige Öfele hatte sich früher aktiv für den Aktionärsschutz eingesetzt. Für die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) war er als Sprecher auf Hauptversammlungen aufgetreten, um den Kleinanlegern dort eine Stimme zu geben. Zudem war er als Sachverständiger für geschädigte Kapitalanleger tätig und prangerte auf seiner Website Anlageschutzarchiv.de unseriöse Kapitalanlageprodukte an.

Ex-Aktionärsschützer gesteht Insiderhandel

Im Prozess gab Öfele Insiderhandel in 92 Fällen zu und räumte damit die Vorwürfe der Anklage in vollem Umfang ein, wie er über seinen Anwalt erklären ließ. Durch die illegalen Aktiengeschäfte machte er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft einen Gewinn in Millionenhöhe.

Öfele ist Teil einer Clique von Aktionärsschützern und Finanzjournalisten, gegen die die Staatsanwaltschaft seit 2008 wegen krimineller Börsengeschäfte ermittelt. Die Anklage wirft ihnen vor, von 2005 bis 2008 durch gezielte Veröffentlichungen Anleger zum Kauf oder Verkauf von Aktien bewegt zu haben. Damit sollen sie Aktienkurse nach oben oder unten getrieben haben, um mit zuvor getätigten Käufen oder Leerverkäufen hohe Gewinne zu erzielen.

Bei Leerverkäufen leihen sich Spekulanten Aktien, verkaufen sie und kaufen sie später zu einem geringeren Preis wieder ein - um sie dem Ausleihenden zurückzugeben. Die Angeklagten sollen dabei teils mehrere Millionen Euro eingesetzt haben.

Öfele kaufte laut Anklage im Jahr 2006 gemeinsam mit zwei weiteren früheren SdK-Mitarbeitern Anteile an einem Pharmaunternehmen. Dessen Kurs soll durch Veröffentlichungen beeinflusst worden sein, die Spekulanten sollen anhand von Insiderinformationen erhebliche Gewinne mit Aktienverkäufen eingestrichen haben.

Auch der frühere SdK-Vizechef Markus Straub ist in der Insideraffäre angeklagt. Der Prozess gegen ihn und gegen den Geschäftsmann Tobias Bosler soll am kommenden Montag beginnen. Beide sitzen seit einer großangelegten Razzia im Herbst 2010 in Untersuchungshaft.

mmq/dpa/Reuters

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