Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Insolvenzwelle: Firmenpleiten kosten mehr als 500.000 Arbeitsplätze

Die Zahl der Insolvenzen nimmt zu: Durch die Finanzkrise ist die Zahl der Unternehmenspleiten in Deutschland in diesem Jahr um 16 Prozent gestiegen. Jetzt erwarten Experten auch einen Anstieg der Privatinsolvenzen.

Frankfurt am Main - Die Wirtschaftskrise hat für einen deutlichen Anstieg der Firmeninsolvenzen gesorgt. Im laufenden Jahr schlitterten 34.300 Firmen in die Pleite, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch mitteilte. Das seien 16 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Im kommenden Jahr sei mit einem weiteren Anstieg auf bis zu 40.000 Fälle zu rechnen.

Die Insolvenzschäden für die Volkswirtschaft erreichten nach Angaben von Creditreform einen Rekordstand: Das Schadensniveau sei um zwei Drittel auf rund 49 Milliarden Euro gestiegen. Den Großteil des Geldes werden die Gläubiger demnach abschreiben müssen. Die Firmenpleiten hätten 521.000 Arbeitsplätze vernichtet.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen blieb 2009 mit 98.800 Fällen fast gleich. Wegen wachsender Arbeitslosigkeit werde sich aber auch die Lage der Privatpersonen verschlechtern.

Die größten Pleiten im ersten Halbjahr 2009
Insolvenzen und betroffene Mitarbeiter
Die größten Firmenpleiten im Deutschland im ersten Halbjahr 2009 nach einer Übersicht der Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit der Zahl der betroffenen Mitarbeiter. Die Zahlen können von Unternehmensangaben abweichen. So sprach Arcandor bislang von rund 40.000 betroffenen Beschäftigten.
Arcandor
Woolworth
Qimonda
Wadan-Werften
Schiesser
Märklin
Rosenthal
Adessa
Textileinzelhandel, 900 Mitarbeiter
Kampa

ore/AP/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Banken - zu viele Fehler bei Kreditbewertung?
insgesamt 52 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Absicherung?
jdm11000 19.08.2009
Zitat von sysopBanken und Einzelhändler sichern sich gerne ab, bevor sie Kredite vergeben. Dumm nur, dass die Daten, die Rückschlüsse auf die die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden zulassen, häufig falsch sind. Machen Banken zu viele Fehler bei der Kreditbewertung?
Die Aussage des Vorstandes der Schufa ist ein Hohn. Denn ohne eine kostenpflichte Auskunft, man muß ja Geld dafür bezahlen um die eigenen Daten einsehen zu können, bekommt man da gar nichts zu sehen. Zudem: wenn man Falscheinträge entdeckt, dann bekommt man die Auskunft, die könnten nicht geändert werden. Zudem: man bekommt oft genug zu lesen:"Wir melden dies der Schufa...." - dabei ist gar nicht mal gesagt, ob die Meldung aufgrund eines Verfalls geschah, oder ob dies nur so geschah. Zudem: das wissen viele Leute überhaupt nicht: Die Schufa ist eh ein Zahnloseer Wolf - viel schlimemr sind die Auskunfteien der Sparkasse usw. Da wird nämlich wegen einer geplatzten Verwendung einer EC-Karte oder ähnliches ein Eintrag gemacht. Viele Einzelhändler und andere nutzen dann diese Datei um eventuell einen Abbuchungsauftrag zurückzunehmen. Mit der Folge, daß man selber den nächsten fälligen Betrag nicht zahlt. Mit der Folge eines Schufaeintrages unter Umständen usw. Diese Datein gehören einfach nur abgeschafft. Das ist ein Wildwuchs und wird nur mißbraucht. Zu ungunsten der meisten Bürger!
2.
Motorpsycho 19.08.2009
Es wird Zeit, dass diese Firmen zu einer kostenlosen Selbstauskunft verpflichtet werden. Wenn Herr Neumann sagt, dass der Verbraucher selbst Schuld sei, es aber gleichzeitig seit Jahren erfolgreich ablehnt, Transparenz in das Scoring-Verfahren zu bringen und die eigentlich dem Gesetz nach kostenlose Selbstauskunft mit dem Hinweis verweigert, dass man diese ja in einer der zahlreichen Geschäftsstellen kostenlos einsehen könne, dann kann man nur von Hohn sprechen.
3. Auskunfteien - die heimliche Macht
kaiser-kobern 19.08.2009
Es werden Daten nicht nur gesammelt sondern gezielt eingefordert; eine Korrektur von nachweislich falschen oder veralteten Daten kann aber nur vom Vertragspartner (z.B. Bank) veranlasst werden. Die Verweigerung der Zustimmung zur sogenanntgen Schufa-Klausel stellt bereits ein absolutes k.o.-Kriterium dar. Wo und wann greift der Datenschutz? Dieser Umgang mit meinen persönlichen Daten ist nach der derzeitigen Gesetzeslage ein staatlich geduldeter Datenmißbrauch. Dass der Schufa-Vorsitzende Neumann die Verantwortung für die Richtigkeit der Daten beim "Kunden" sieht ist eine Unverschämtheit; dies auch vor dem Hintergrund, dass jede Anfrage (Selbstauskunft) bei der Schufa kostenpflichtig ist. Auch eine Möglichkeit der Umsatzsteigerung.
4. Sinkt die Fehlerquote...
koshernostra 19.08.2009
...bei den Daten, wenn man dem Ratschlag: "Wir appellieren an alle Verbraucher, die einen Kredit aufnehmen oder auf Raten finanzieren möchten, sich vorab bei den führenden Auskunfteien zu erkundigen. Vor dem Kreditantrag können sie so nachvollziehen, welche Daten der Geschäftspartner zu sehen bekommen wird." folgt? Und nicht zu vergessen sind die Gebühren, die man für eine Abfrage zu zahlen hat. Ich vermute, in diesem Falle wird doppelt gezahlt - einmal vom anfragenden Kreditnehmer, einmal vom Kreditgeber. Pffffffffffff...
5. Banken - zu viele Fehler bei Kreditbewertung?
geronimo68 19.08.2009
Die Antwort der Schufa spricht für ganz schön viel Chuzpe, wennn man bedenkt, daß derzeit noch Selbstauskünfte ganz schön ins Geld gehen, bis mal alle Institutionen abgeklappert hat. Ist aber eine nette Geschäftsidee, den Verbrauchern die Schuld zu geben und sie dafür zahlen zu lassen, daß man selber schlampig arbeitet.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Insolvenz - nicht immer das Aus
Wann kommt es zu einer Insolvenz?
Es kommt zu einer Insolvenz, wenn die Zahlungsunfähigkeit droht oder eingetreten ist oder das Unternehmen überschuldet ist. Wenn kein Geld mehr in der Kasse ist, wird umgangssprachlich auch davon gesprochen, dass ein Unternehmen pleite ist. Das Unternehmen oder ein Gläubiger stellen dann nach der Insolvenzordnung beim Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Umgangssprachlich sagt man auch: Sie melden Insolvenz an.
Welche Ziele werden mit dem Insolvenzverfahren verfolgt?
Zweck des Verfahrens ist in erster Linie, die Gläubiger zu befriedigen, indem das noch bestehende Vermögen des Unternehmens verwertet und der Erlös verteilt wird. Werden alle Gläubiger entsprechend der errechneten Insolvenzquote ausgezahlt, wird das Verfahren beendet und die Firma gelöscht. In den meisten Fällen, bei vielen kleineren Unternehmen, ist aber nur noch so wenig Vermögen ("Masse") vorhanden, dass gar kein Verfahren eröffnet werden kann. Dann wird das Unternehmen liquidiert, das heißt gelöscht.
Warum muss Insolvenz nicht das Aus bedeuten?
Mit der Reform des Insolvenzrechts 1999 kam ein weiteres Ziel dazu, nach dem Vorbild des US-Insolvenzrechts, das mit seinem "Chapter 11" Pate stand. Die bis dahin gängigen Begriffe Konkurs, Vergleich bzw. Gesamtvollstreckung (in den neuen Bundesländern) wurden durch den einheitlichen Begriff Insolvenz ersetzt. Wenn das Unternehmen grundsätzlich als lebensfähig erachtet wird, wird in einem Insolvenzplan dafür eine Regelung getroffen. Das bedeutet, die Insolvenz markiert nicht das Ende - sondern steht am Anfang eines Sanierungsprozesses, bei dem so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten bleiben sollen. Das Unternehmen produziert oder arbeitet weiter und es wird nach Investoren gesucht, die die Firma dauerhaft übernehmen wollen.
Wie läuft das Insolvenzverfahren praktisch ab?
Weil oft Eile geboten ist, ernennt das Gericht sofort einen vorläufigen Insolvenzverwalter. Er macht sich unverzüglich an die Arbeit, noch bevor das Insolvenzverfahren förmlich eröffnet wird. Er erhält besondere Vollmachten und ist quasi Chef im Haus. Er spricht mit potentiellen Investoren und versucht, mit Sparplänen die Kosten zu drücken. Der Geschäftsbetrieb läuft - soweit möglich - währenddessen weiter. Zugleich muss der Insolvenzverwalter versuchen, die Gläubiger von seinen Plänen zu überzeugen; dazu gibt es eigens einberufene Gläubigerversammlungen.
Wer kommt als Insolvenzverwalter in Betracht?
Der Insolvenzverwalter ist in der Regel ein erfahrener Jurist und Betriebswirt. Es gibt nicht viele Fachleute, die mit dieser heiklen Aufgabe betraut werden: Der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) hat nach eigenen Angaben auf seiner Internet-Seite lediglich 435 Mitglieder. Große Insolvenzen sind bisher nur von einem kleinen Kreis von Insolvenzverwaltern bearbeitet worden.

Fotostrecke
Schuldneratlas: Hier ist das Geld besonders knapp

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: