Internationaler Negativpreis: Frechste Produktfälschung kommt aus Deutschland

Autofelgen, Kinderspielzeug, Salatschneider: Produktpiraten machen vor kaum einer Branche halt. Die Kopien schaden den Erfindern und können auch Verbrauchern gefährlich werden. Die dreistesten Plagiate wurden nun mit einem Schmähpreis bedacht.

Plagiarius: Die dreistesten Produktkopien Fotos
Plagiarius Consultancy

Hamburg - Welches Produkt ist das Original, welches die Fälschung? Plagiate ähneln ihrer Vorlage oft bis ins Detail, die Unterschiede fallen erst bei genauem Hinsehen auf. Bei dem nachgemachten Tischventilator etwa fehlt lediglich der Markenname, das 3-D-Puzzle für Kinder hat statt 175 nur 170 Teile, und beim Küchenschneider ist der Griff orangefarben statt schwarz.

Viele Fälscher kopieren das Original einfach eins zu eins. Damit sparen sie die Kosten für Entwicklung und Marketing, zudem setzen sie meist auf billigere Materialien. So können die Nachahmer ihre Ware deutlich günstiger anbieten und machen dennoch ordentlich Gewinn.

Der Verein Plagiarius hat nun einige besonders dreiste Fälschungen präsentiert. Die Jury verlieh ihren Negativpreis - einen schwarzen Zwerg mit einer goldenen Nase - an insgesamt zehn Firmen. Auf Platz eins: Ein deutscher Hersteller, der Autofelgen der Tuning-Werkstatt AC Schnitzer kopiert hat. Dahinter folgen zwei chinesische Unternehmen. Insgesamt kommt die Hälfte der Plagiarius-Preisträger aus der Volksrepublik.

"Das heißt aber nicht automatisch, dass 50 Prozent der Fälscher Chinesen sind", sagt Designexperte Peter Zec. Der Geschäftsführer des Red Dot Institute hält am Freitag auf der Frankfurter Messe "Ambiente" die Laudatio auf die unrühmlichen Preisträger. Zec sagt, vielen Herstellern in Asien sei gar nicht klar, dass es sich bei ihren Produkten um Plagiate handle. "Häufig wird die Ware von Partnern in Europa bestellt."

Immer wieder sagt Zec als Sachverständiger vor Gericht aus. "Die meisten Prozesse richten sich gegen deutsche Unternehmer", sagt er. Für seinen Geschmack gehen die Richter dabei viel zu milde mit den Fälschern um und belassen es bei einer Geldstrafe: "Produktpiraterie wird leider immer noch als Kavaliersdelikt angesehen."

Dabei ist der wirtschaftliche Schaden immens. Allein der Verband der deutschen Maschinenbauer VDMA beziffert den jährlichen Schaden durch Plagiate auf 4,5 Milliarden Euro. Tendenz steigend.

Auch Verbrauchern droht bei den vermeintlichen Schnäppchen ein böses Erwachen: Die gefälschte AC-Leichtbaufelge etwa fiel beim Belastungstest des TÜV Nord durch. Bereits nach 182.500 Lastwechseln bildeten sich Risse. Unter einem Lastwechsel versteht man die Reaktion eines Fahrzeugs beim Gasgeben oder Gaswegnehmen. Für ein positives TÜV-Ergebnis muss eine Felge 200.000 Lastwechsel überstehen, ohne zu reißen.

cte

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1. 4,5 Milliarden Euro Schaden?
milhouse_van_h. 10.02.2012
Zitat von sysopAutofelgen, Kinderspielzeug, Salatschneider: Produktpiraten machen vor kaum einer Branche halt. Die Kopien schaden den Erfindern und können auch Verbrauchern gefährlich werden. Die dreistesten Plagiate wurden nun mit einem Schmähpreis bedacht. Internationaler Negativpreis: Frechste Produktfälschung kommt aus Deutschland - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,814352,00.html)
Der angebliche Schaden von 4,5 Milliarden Euro errechnet sich sicherlich aus den nicht getätigten Käufen des Originals. Jedoch kann nicht davon ausgegangen werden, dass das Original gekauft worden wäre, wenn es das Plagiat nicht gäbe. Wer eine falsche Rolex für 10 Euro kauft, wird sich sicherlich keine echte für 10.000 Euro leisten können. Trotzdem wird hier wohl ein Schaden durch ein Plagiat von 9.990 Euro ermittelt. Die meisten Käufe, vermute ich, werden nach einem persönlichen Preis-/Leistungsempfinden getroffen, nicht nach Markenname. 10% geringere Haltbarkeit bei vielleicht 25-50% niedrigerem Preis rechnet sich eben für den Käufer.
2. Begründung?
manschu 10.02.2012
Zu so einem Preis gehört üblicherweise die Begründung, was die Nummer 1 besonders auszeichnet. Anhand der Fotos hätte ich das "tecsis Manometer" zur Nummer 1 gekürt.
3.
Hagbard 10.02.2012
Zitat von milhouse_van_h.Der angebliche Schaden von 4,5 Milliarden Euro errechnet sich sicherlich aus den nicht getätigten Käufen des Originals. Jedoch kann nicht davon ausgegangen werden, dass das Original gekauft worden wäre, wenn es das Plagiat nicht gäbe. Wer eine falsche Rolex für 10 Euro kauft, wird sich sicherlich keine echte für 10.000 Euro leisten können. Trotzdem wird hier wohl ein Schaden durch ein Plagiat von 9.990 Euro ermittelt. Die meisten Käufe, vermute ich, werden nach einem persönlichen Preis-/Leistungsempfinden getroffen, nicht nach Markenname. 10% geringere Haltbarkeit bei vielleicht 25-50% niedrigerem Preis rechnet sich eben für den Käufer.
Das sehe ich anders. Die gefälschte Rollex ist doch ein Exot verglichen mit den zahllosen Plagiaten, die an ahnungslose Käufer gehen, die glauben das Original zu kaufen. Oder die durchaus das Original gekauft hätten und glaubten eine preiswerte Alternative mit gleichen Eigenschaften zu erwerben. Und gefährlich können Produktfälschungen alle mal sein. Wem einmal eine gefälschte Euro-Palette samt Ladung vom Stapler gekracht ist, weil die Fälschung eben doch nicht die gleiche Tragkraft wie das Original hat, weiß das.
4. Matratze
phboerker 10.02.2012
Ich wüsste gerne, weshalb die gezeigte Matratze ein Plagiat sein soll. Welches Recht wird durch die Nachahmung verletzt? Ein Geschmacksmuster dürfte ausscheiden, weil nur das Innere der Matratze gestaltet ist, Geschmacksmusterschutz für im bestimmungsmäßigen Gebrauch unsichtbare Teile jedoch ausgeschlossen ist. Ein technisches Patent ist zwar vorstellbar, aber doch eher unwahrscheinlich. Handelt es sich also allein um sklavische Nachahmung und somit um einen Wettbewerbsverstoß? Bei allen anderen Beispielen erscheinen verletzte Geschmacksmuster und Patente einleuchtend.
5. Teilweise Schuld der Hersteller
Malshandir 10.02.2012
Man muss unterscheiden, was gefälscht wird. in vielen Fällen ist die Gier von Unternehmen, gerade im bereich der Bekleidungsindustrie extrem gros..l markenherstellen lassen z.B. ein T-Shirt für 50 Cent produzieren, mit Transportkosten und Zöllen ist es dann vielleicht 2 Euro wert, wird aber für 50 oder 100 Euro verkauft. bei solchen Gewinnspannen wundert es nicht, wenn gefälscht wird. Würde der Preis nur 10 Euro sein, wäre der Anreiz für das Fälschen und gefälschte Ware weg. kritischer ist es bei Dingen, die gefährlich sein können, z.b. medikamente, Elektrogeräte etc.
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  • Freitag, 10.02.2012 – 15:38 Uhr
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