Regierungsstudie: Jeder Deutsche wirft im Jahr 82 Kilo Lebensmittel weg

Obst und Gemüse, Brötchen und Milchprodukte: Laut einer Regierungsstudie wirft jeder Bundesbürger pro Jahr knapp 82 Kilo Lebensmittel weg. Der Großteil des Mülls wäre vermeidbar - wenn die Deutschen richtig einkaufen würden.

Lebensmittel in einer Mülltonne: 61 Prozent der Abfälle aus Privathaushalten Zur Großansicht
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Lebensmittel in einer Mülltonne: 61 Prozent der Abfälle aus Privathaushalten

Berlin - Lebensmittel in Deutschland sind billig. Die Bundesbürger geben deutlich weniger von ihrem Gehalt für Ernährung aus als die europäischen Nachbarn, im vergangenen Jahr waren es gerade mal elf Prozent. Die Italiener liegen bei mehr als 15 Prozent. Offenbar genießen Lebensmittel hierzulande auch eine vergleichsweise geringe Wertschätzung - was dazu führt, dass besonders viel Obst, Gemüse und Brot im Müll landet.

Einer neuen Studie zufolge wirft jeder Bundesbürger pro Jahr 81,6 Kilogramm Lebensmittel weg. Das ergaben Berechnungen der Universität Stuttgart. Finanziert wurde die Studie vom Verbraucherschutzministerium von Ilse Aigner (CSU).

Laut der Studie wird der Großteil der Lebensmittelabfälle in Privathaushalten weggeworfen. Demnach würden bundesweit pro Jahr 6,7 Millionen Tonnen Nahrungsmittel über Restmüll, Biotonne, Ausguss und Kompost entsorgt oder an Haustiere verfüttert. Damit seien die Bürger für 61 Prozent der gesamten Lebensmittelabfälle verantwortlich. Großverbraucher wie Gaststätten, Hotels und Kliniken entsorgten 19 Prozent der Abfälle, ebenso die Lebensmittelindustrie. Der Handel komme auf rund fünf Prozent.

Die Autoren geben zu, dass ihre Angaben vor allem auf Schätzungen und Hochrechnungen beruhen. Zusätzlich wurden Befragungen und Stichproben vorgenommen. Es besteht also eine erhebliche statistische Unsicherheit. Die Studie bietet dennoch erstmals einen ausführlichen Überblick über das Problem weggeworfener Lebensmittel. Bislang existierten dazu in Deutschland nur vage Schätzungen.

Zu große Mengen, falsche Lagerung

Pro Verbraucher nennt die Studie eine Menge von 225 Gramm, die täglich im Müll lande - das entspricht ungefähr einem durchschnittlichen Frühstück. Fast die Hälfte davon sei vermeidbar, weitere 18 Prozent zumindest teilweise. Jeder Bürger werfe pro Jahr im Schnitt Lebensmittel im Wert von 235 Euro weg. Zumeist handle es sich um Obst und Gemüse, auch Backwaren und Milchprodukte landen oft in der Tonne.

Neben mangelnder Wertschätzung von Lebensmitteln liegt das den Autoren zufolge auch daran, dass Verbraucher zu große Mengen einkaufen, die Produkte falsch lagern und sie oft wegschmeißen, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Dabei sind die Lebensmittel auch danach häufig noch bedenkenlos essbar.

Aigner startet nun die Info-Kampagne "Zu gut für die Tonne". Das Ziel: den Verbrauchern Wissen und Tipps über den Umgang mit Lebensmitteln vermitteln - "vom Einkauf über die richtige Lagerung bis hin zur Verarbeitung in der Küche". Die Informationen sollen auf einer Internetplattform veröffentlicht werden.

cte

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insgesamt 226 Beiträge
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1. 82kg
grana 13.03.2012
Zitat von sysopDPAObst und Gemüse, Brötchen und Milchprodukte: Laut einer Regierungsstudie wirft jeder Bundesbürger pro Jahr knapp 82 Kilo Lebensmittel weg. Der Großteil des Mülls wäre vermeidbar - wenn die Deutschen richtig einkaufen würden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,820994,00.html
Das sind keine 250g pro Tag, also bitte, Kirche im Dorf lassen.
2.
Matthias Franz 13.03.2012
Zitat von granaDas sind keine 250g pro Tag, also bitte, Kirche im Dorf lassen.
Im Artikel ist von 225 Gramm die Rede - nicht von 250. 225 x 365 = 82,125.
3. Fragliche Studie
hierro 13.03.2012
Zitat von sysopDPAObst und Gemüse, Brötchen und Milchprodukte: Laut einer Regierungsstudie wirft jeder Bundesbürger pro Jahr knapp 82 Kilo Lebensmittel weg. Der Großteil des Mülls wäre vermeidbar - wenn die Deutschen richtig einkaufen würden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,820994,00.html
Was soll man von dieser Regierungsstudie halten? Die statistische Unsicherheit ist so eklatant, dass dieses kostspielige Papier des Verbraucherministeriums am besten gleich im Reißwolf verschwinden sollte. Der Bürger hätte etwas zuverlässigere Informationen verdient. Wenn ich mich in meinem Freundes- und Bekanntnkreis umsehe, dann ergibt sich ein völlig anderes Bild: Es werden nicht mehr so große Mengen Lebensmittel gekauft, der Lagerung wird eine wesentlich größere Aufmerksamkeit gewidmet als früher, beim Einkaufen wird irreführende Werbung schnell durchschaut. Damit ist längst Vergangenheit, was vor Jahrzehnten kritisiert werden musste: Die gekauften Lebensmittelmengen sind auf den Bedarf abgestimmt und landen nicht in der Mülltonne.
4. Reißerische Überschrift
Pat-Riot 13.03.2012
Zitat von sysopDPAObst und Gemüse, Brötchen und Milchprodukte: Laut einer Regierungsstudie wirft jeder Bundesbürger pro Jahr knapp 82 Kilo Lebensmittel weg. Der Großteil des Mülls wäre vermeidbar - wenn die Deutschen richtig einkaufen würden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,820994,00.html
die auch noch bei vielen Blättern gleich oder so ähnlich ist. Ich ("jeder Deutsche") habe 2011 nicht einmal ein Zwanzigstel von meinem "mir zustehenden" Anteil weggeworfen, und das ist noch hoch gegriffen. Dabei dachte ich, frei nach Marie Antoinette, immer, die Leute würden den Müll essen statt ihn wegzuwerfen. Anscheinend kaufe ich richtig ein - und zwar immer nur dann, wenn ich wirklich was brauche. Und das sind noch nicht einmal 82 Kilo im Jahr an Lebensmittel! Mein Kühlschrank dient als Notbeleuchtung, meine Vorratskammer heißt Laden an der Ecke, meine Küche nennt sich Restaurant.
5. Frau Aigner kann nicht rechnen!
bmehrens 13.03.2012
Zitat von sysopDPAObst und Gemüse, Brötchen und Milchprodukte: Laut einer Regierungsstudie wirft jeder Bundesbürger pro Jahr knapp 82 Kilo Lebensmittel weg. Der Großteil des Mülls wäre vermeidbar - wenn die Deutschen richtig einkaufen würden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,820994,00.html
Also 19% Restaurants usw, (ebenso) 19% Lebensmittelindustrie, 5% Handel = 43%, verbleiben also bei 82 Mio Bundesbürgern NUR 57% = 46,75 Mio Tonnen.
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Hintergrund
Die amtliche Lebensmittelüberwachung
Die Lebensmittelüberwachung ist in Deutschland Ländersache. In den Landesministerien für Verbraucherschutz beziehungsweise Ernährung werden Untersuchungsprogramme entwickelt, die die Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter in den Städten und Landkreisen verwirklichen.

Die Behörden kontrollieren die Lebensmittelbetriebe dabei nicht nach Zufallsprinzip, sondern nach Höhe des Risikos. Die Kontrolleure dürfen, wenn nötig, Proben entnehmen. Insgesamt werden jedes Jahr von den Laboren der Bundesländer rund 400.000 Proben untersucht. Wenn die Gesundheit der Verbraucher gefährdet ist, müssen die Lebensmittel aus dem Handel entfernt werden.
Die Eigenkontrollen der Wirtschaft
Alle Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, die Qualität ihrer Lebensmittel zu kontrollieren und dokumentieren. Außerdem müssen alle Betriebe darüber Buch führen, von wem sie Lebensmittel gekauft und an wen sie diese wieder verkauft haben. Nur so kann im Ernstfall herausgefunden werden, wer das Lebensmittel verunreinigt hat.
Tipps für Verbraucher
Finden Sie Metallteilchen oder sonstige Dinge in Lebensmitteln, sollten Sie die örtliche Lebensmittelüberwachung informieren. Ebenso sollten Sie dies mit verdorbenen Lebensmittel tun, die eigentlich noch haltbar sein müssten. Weil die Lebensmittelüberwachung keinen einheitlichen Namen hat, rät das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, die zuständigen Stellen bei Stadt- oder Gemeindeverwaltung zu erfragen. In kleineren Gemeinden wird diese Aufgabe oft von der Kreisverwaltung wahrgenommen.

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