Hohe Preise: Kartellamt empfiehlt Wechsel des Stromanbieters

Das Bundeskartellamt rät den Kunden, sich mit einem Wechsel des Stromanbieters gegen die steigenden Strompreise zu wehren. Verbraucherschützer halten die von den Versorgern angekündigten Preiserhöhungen für überzogen.

Windräder in Niedersachsen: Von 2013 an wird Strom für die meisten Verbraucher teurer Zur Großansicht
DPA

Windräder in Niedersachsen: Von 2013 an wird Strom für die meisten Verbraucher teurer

München - Verbraucherschützer raten Stromkunden seit Jahren, Preise zu vergleichen und mit dem Wechsel zu einem günstigeren Anbieter die Versorger unter Druck zu setzen. Jetzt hat auch der oberste Wettbewerbshüter in Deutschland, der Chef des Bundeskartellamts, Verbraucher zum Wechseln aufgerufen: "Auch wenn viele Stromversorger nun Kosten der Energiewende an die Verbraucher weitergeben, kann ein Anbieterwechsel in vielen Fällen zu erheblichen Einsparungen führen", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der "Süddeutschen Zeitung".

Rund drei Viertel der Verbraucher werden im kommenden Jahr mehr für ihren Strom zahlen müssen, mehr als 600 Versorger haben zum 1. Januar Preiserhöhungen von durchschnittlich zwölf Prozent angekündigt. Wehren können sich die Kunden mit dem Wechsel, sagte Mundt der "SZ": "Man kann gar nicht eindringlich genug an die Verbraucher appellieren, Preise zu vergleichen und von ihren Wechselmöglichkeiten Gebrauch zu machen."

Ähnlich äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). "Ein Blick ins Internet lohnt immer", sagte er dem Blatt. "Wer Anbieter und Strompreise vergleicht, kann oft Geld sparen." In den vergangenen Tagen haben Millionen Haushalte Briefe von ihren Versorgern bekommen, in denen Strompreiserhöhungen zum Jahresanfang angekündigt werden. Als Hauptgrund nennen sie den massiven Anstieg der Ökostromumlage.

Nach Einschätzung des Bundes der Energieverbraucher sind die Aufschläge der Stromkonzerne allerdings deutlich zu hoch: "Strompreiserhöhungen von zwölf Prozent sind sicher nicht gerechtfertigt", sagte Verbraucherbundschef Aribert Peters der "Passauer Neuen Presse". Berechtigt wären "Preiserhöhungen in der Größenordnung von 1,8 Cent pro kWh. Das würde etwa eine Steigerung von sechs bis acht Prozent ausmachen." Zahlreiche Stromkonzerne haben für das kommende Jahr Preiserhöhungen in der Spitze bis zu 32 Prozent angekündigt.

Die Bundesregierung habe einen Großteil der Industrie von der Ökostromumlage und höheren Kosten befreit und den normalen Stromkunden aufgebürdet. "Der Mittelstand und der einfache Verbraucher sind die Dummen", sagte Verbraucherschützer Peters. Die Energiekonzerne machen seiner Ansicht nach gezielt Politik gegen die Energiewende.

Peters rät Stromkunden, sich gegen unangemessene Preissteigerungen zu wehren. "Die Kunden sollten entweder die Preiserhöhung zurückweisen oder dem Anbieter mitteilen, dass sie den neuen Preis nicht zahlen, sondern weiter den alten." In der Regel sei weder im Liefervertrag ein gültiges Preisänderungsrecht vereinbart noch entspräche die Preiserhöhung dem Grundsatz der Billigkeit. Sein Verband biete auf seiner Homepage dazu Musterbriefe an. Eine weitere Möglichkeit wäre, den Stromanbieter zu wechseln.

Vom kommenden Jahr an steigt die Umlage für die Förderung der erneuerbaren Energien, die EEG-Umlage, von derzeit 3,59 Cent pro Kilowattstunde auf 5,28 Cent. Sie macht rund 14 Prozent des Strompreises aus. Auch das Netznutzungsentgelt, rund 20 Prozent des Strompreises, wird im kommenden Jahr voraussichtlich steigen. Neu dazu kommt eine Haftungsumlage für den Anschluss von Offshore-Windenergieanlagen.

nck/AFP/dpa

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insgesamt 191 Beiträge
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1.
Hafenschiff 23.11.2012
Zitat von sysopDPADas Bundeskartellamt rät den Kunden, sich mit einem Wechsel des Stromanbieters gegen die steigenden Strompreise zu wehren. Verbraucherschützer halten die von den Versorgern angekündigten Preiserhöhungen für überzogen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/kartellamt-empfiehlt-wechsel-des-stromanbieters-wegen-hoher-preise-a-868828.html
Das vor allem E-On, Vattenfall und RWE das machen, war vorhersehabr. Die Steigerung der EEG-Umlage würde eine Erhöhung von etwa 1,5 Cent bedeuten. Die Versorger haben jedoch die Gunst der Stunde erkannt und erhöhen ihre Preise gleich um 3,5 Cent. Auf diese Weise kann man dann auch die restlichen 2 Cent auf das EEG schieben, obwohl diese nur dazu dienen, den Aktionären die Tasche zu füllen.
2.
rainbowman1 23.11.2012
Ein super Tip des Kartellamtes den Stromanbieter zu wechseln, wenn alle Stromanbieter die Preise erhöhen.
3. Stromanbieter
andikah 23.11.2012
Bei den Stromanbietern ist es wie mit den Parteien. Egal welche man wählt, man wird von denen eh übern Tisch gezogen.
4. Strom
mittelerde 23.11.2012
Ich will keinen Ökostrom quersubventionieren, ich will billigen Strom! Wer Ökostrom möchte, soll auch den vollen Preis dafür zahlen, und nicht auf die Allgemeinheit abwälzen.
5. Was für eine Augenwischerei...
mcbexx 23.11.2012
Erst durch die Umlagenpolitik die Preise in die Höhe treiben, dann die Kosten falsch wiedergeben und zum guten Schluss noch ins Gesicht lachen und sagen "sucht Euch doch einen billigeren Anbieter". Tolles Konzept. Handlungsbedarf seitens der Politik? Null. Alles wie gewollt. "Berechtigt wären Preiserhöhungen in der Größenordnung von 1,8 Cent pro kWh" - soso. Mein Stromanbieter schlüsselt die Kosten exakt auf und landet schon mal direkt bei einer Steigerung von 2,67ct/kwH und ich kann nicht erkennen, dass er das in die eigene Tasche wirtschaftet. Also entweder kann der Bund der Energieverbraucher nicht rechnen oder er lügt sich und uns einen in die Tasche. Ich vermag nicht zu sagen, was davon beunruhigender ist.
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Energiewende: Wie der Strom quer durch Deutschland kommt

EEG-Umlage
Was ist die EEG-Umlage?
Die EEG-Umlage ist das zentrale Förderinstrument für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind-, Solar- und Biogasanlagen können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren. Damit sie trotzdem rentabel sind, wird solchen Kraftwerken der Strom zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Preis an der Strombörse EEX. Die Differenz von Börsenpreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Warum steigt die EEG-Umlage?
Das hat zwei Gründe. Erstens, weil die absolute Menge des Ökostroms steigt. Durch die Energiewende gehen eine große Menge neuer Ökostromanlagen ans Netz. Zweitens steigt die EEG-Umlage auch relativ. Das hat paradoxerweise mit sinkenden Strompreisen zu tun. Die erneuerbaren Energien erhöhen das Stromangebot in Zeiten großer Nachfrage und senken dadurch den Strompreis an der Börse. Wenn aber der Strompreis sinkt, dann steigt die Differenz zwischen dem tatsächlichen Strompreis und dem fixen Abnahmepreis, den Betreiber von Ökostromanlagen garantiert bekommen - und die Verbraucher per EEG-Umlage ausgleichen müssen.
Zahlen alle Verbraucher die EEG-Umlage?
Im Prinzip ja. Allerdings werden ausgerechnet die größten Stromfresser der Nation entlastet. Sie genießen den Schutz der sogenannten besonderen Ausgleichsregel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Laut dieser zahlen Firmen die volle EEG-Umlage nur für die ersten eine Million Kilowattstunden Strom, die sie verbrauchen. Für jede weitere Kilowattstunde zahlen sie nur noch zehn Prozent der EEG-Umlage, ab einem Verbrauch von zehn Millionen Kilowattstunden ist es nur noch ein Prozent, ab einem Verbrauch von 100 Millionen Kilowattstunden sind es noch 0,05 Cent. Beispiel: Die Trimet Aluminium AG verbraucht bei voller Auslastung 4,6 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr*. Die Aluminiumhütte muss also nur für rund 0,02 Prozent ihres Gesamtverbrauchs die volle EEG-Umlage zahlen.
DDP
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