Preisabsprachen von Brauereien Kartellamtsstrafe lässt Bierpreise steigen

Die Geldbußen von 106,5 Millionen Euro, die deutsche Brauereien wegen Preisabsprachen zahlen müssen, werden Biertrinker vermutlich teuer zu stehen kommen. Der Getränke-Einzelhandel rechnet nach SPIEGEL-Informationen damit, dass die Brauereien die Strafzahlungen an die Kunden weiterreichen.

Bierflaschen der beteiligten Brauereien: Künden müssen draufzahlen
DPA

Bierflaschen der beteiligten Brauereien: Künden müssen draufzahlen


Hamburg - Der Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels erwartet deutlich steigende Bierpreise in den kommenden Monaten. Der Grund dafür sind die Geldbußen von 106,5 Millionen Euro, die das Bundeskartellamt gegen führende Brauereien wegen illegaler Preisabsprachen verhängt hat. 70 Prozent der Bierkästen hätten Preise um die zehn Euro, sagt der Vorsitzende Sepp Gail dem SPIEGEL, "da sind die Margen sehr gering". Die Unternehmen würden Strafzahlungen an die Kunden weiterreichen. Dadurch würden die Biertrinker ein zweites Mal zur Kasse gebeten.

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Heft 4/2014
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Nach den Ermittlungen der Kartellbehörde haben die Unternehmen zwischen 2006 und 2008 Preiserhöhungen abgesprochen. Theoretisch sieht das Gesetz Schadensersatz für damals geprellte Kunden vor, doch dazu müssten sie alte Kassenbelege aufbewahrt haben. Die betroffenen Brauereien verweigerten die Antwort darauf, wie sie mit Schadensersatzforderungen umgehen wollen.

Zahlen müssen die Brauereien Bitburger, Krombacher, Veltins, Warsteiner und die Privatbrauerei Barre aus Lübbeke: Das Kartellverfahren ging auf Informationen des Beck's-Herstellers Anheuser-Busch InBev Germany Holding GmbH zurück, der als Kronzeuge ohne Geldbuße blieb. Die übrigen Brauereien haben dem Bundeskartellamt zufolge in dem Verfahren mit dem Kartellamt auf der Basis einer Bonusregelung kooperiert. Gegen zwei weitere Brauereikonzerne und vier regionale Brauereien, deren Namen das Bundeskartellamt bisher nicht veröffentlichte, läuft das Verfahren demnach noch.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt zufolge konnte die Behörde mit ihren Ermittlungen den Brauereien Preisabsprachen nachweisen, die überwiegend auf persönlichen und telefonischen Kontakten beruhten. Für Fassbier wurden demnach die Preiserhöhungen der Jahre 2006 und 2008 von fünf bis sieben Euro pro Hektoliter abgesprochen. Für Flaschenbier vereinbarten die Brauereien 2008 eine Preiserhöhung, die zu einer Verteuerung des 20-Flaschen-Kastens von einem Euro führen sollte.

nck

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insgesamt 160 Beiträge
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Seite 1
kahabe 19.01.2014
1. Endlich
mal eine gute Nachricht.
Steuerzahler0815 19.01.2014
2.
Eine Preiserhöhung weiterzugeben ist immer dann möglich wenn die ganze Branche betroffen ist, da der Konsument ansonsten zu einem Konkurenzprodukt greift Gerade in dem Fall werden also mehr Menschen zu einem Bier einer anderen Firma greifen, denn wenn man so einfach den Profit erhöhen könnte mit Preiserhöhungen wäre dies schon lange geschehen
Emmi 19.01.2014
3. Da hätte das BKA (Bundeskartellamt) gleich ein Preismoratorium mit verhängen sollen...
Da hätte das BKA (Bundeskartellamt) gleich ein Preismoratorium mit verhängen sollen, z. B. für ein Jahr...
syldron 19.01.2014
4. Sehr gut
Ich finde die ganze Geschichte gut. Je mehr Marktanteile die Hersteller dieser Nichtssagenden, voneinander nicht zu unterscheidenden, langweiligen Massenplörre verlieren, umso besser für die deutsche Bierkultur.
rodelaax 19.01.2014
5. Ganz einfach
Nicht mehr deren Bier kaufen. Es gibt bestimmt günstigere Alternativen.
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