Panne Kassen verschicken millionenfach fehlerhafte Gesundheitskarten

Peinliche Panne bei der elektronischen Gesundheitskarte: Rund zwei Millionen Versicherte haben von ihren Kassen fehlerhafte Karten bekommen. Der Hersteller verspricht, die mangelhaften Exemplare rasch zu ersetzen.

Elektronische Gesundheitskarte: PIN sichert Daten auf der Karte
DPA

Elektronische Gesundheitskarte: PIN sichert Daten auf der Karte


Berlin - Neuer Ärger um die elektronische Gesundheitskarte. 55 Krankenkassen haben ihren Versicherten Karten geschickt, die nicht reibungslos funktionieren. Bei geschätzt rund zwei Millionen Exemplaren fehlt die Persönliche Identifikationsnummer (PIN). Diese soll die Daten auf der Karte sichern. Am Lesegerät müssen sich Ärzte zudem durch Heilberufsausweise identifizieren. Erst dann können Daten entschlüsselt werden.

Ein Sprecher des Kassen-Spitzenverbandes bestätigte am Freitag einen Bericht des Nachrichtenportals "Der Westen". Es bestehe aber "aktuell kein Sicherheitsrisiko", sagte der Sprecher. Der Fehler sei bei beim Kassen-Dienstleister Itsc entstanden: Die Karten seien versehentlich ohne Persönliche Identifikationsnummer (PIN) ausgeliefert worden. Die Firma habe aber bereits zugesagt, alle fehlerhaften Karten bis zum Online-Betrieb Ende 2013 auszutauschen. Die PIN werde erst dann benötigt. Den Kassen seien die Betroffenen bekannt, die Versicherten müssten deshalb jetzt nichts unternehmen.

Die Karten für rund 70 Millionen Versicherte werden seit vergangenem Herbst verschickt. Die neue Gesundheitskarte soll mehr Sicherheit bringen. Sie enthält deshalb im Gegensatz zur alten Karte ein Lichtbild. Gespeichert werden in einem ersten Schritt Name, Geburtsdatum, Geschlecht und Anschrift sowie Angaben zur Krankenversicherung. Schnell umgesetzt werden soll zudem der fachliche Austausch von Ärzten untereinander. Geplant ist außerdem, Informationen wie etwa die elektronische Patientenakte, Notfalldaten, Patientenverfügungen oder auch Organspendeerklärungen auf der Karte zu speichern. Das soll jeder Patient jedoch frei entscheiden können.

Laut dem Hersteller wurde der Fehler inzwischen behoben, die aktuell ausgelieferten Karten seien fehlerfrei. Für eine Übergangszeit gelten die bisherigen Versichertenkarten neben der neuen elektronischen Gesundheitskarte. Auch die Arztpraxen müssen mit neuen Lesegeräten ausgestattet werden. Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Gesundheitskarte finden Sie hier.

Der Gesundheitskarten-Kritiker Erwin Lotter (FDP) forderte, "das Projekt sofort auf Eis zu legen und über das weitere Schicksal der ohnehin nur von den Kassen geliebten Karte erst zu entscheiden, wenn alle technischen und nicht zuletzt auch juristischen Fragen zum Datenschutz abschließend geklärt sind". Am 28. Juni verhandelt das Sozialgericht Düsseldorf über die Gesundheitskarte. Dem Verfahren wird Pilotcharakter zugeschrieben, der Kläger sieht den Datenschutz verletzt.

cte/dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
starsnake 22.06.2012
1. es geht los
Zitat von sysopDPAPeinliche Panne bei der elektronischen Gesundheitskarte: Rund zwei Millionen Versicherte haben von ihren Kassen fehlerhafte Karten bekommen. Der Hersteller verspricht, die mangelhaften Exemplare rasch zu ersetzen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,840405,00.html
Zwei Millionen Karten ausgeliefert, bevor der Fehler auffällt. Das wirft ein schlechtes Licht auf die Qualitätskontrolle und ist eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen. Wer glaubt, dass das der einzige Fehler bleiben wird, glaubt auch, dass das Jägerschnitzel aus Jägerfleisch gefertigt wird. Mit gruselts wirklich vor diesem ganzen vollkommen überflüssigem Daten und Verschlüsselungswahnsinn. Wir werden uns noch alle wünschen, das wäre nie eingeführt worden. Gruß
wolfi7777 22.06.2012
2. Welche Karten sind defekt ?
Ich habe auch so eine Karte von der DAK - aber ob ich überhaupt eine PIN habe weiß ich gar nicht mehr - ist ja auch egal ...
danubius 22.06.2012
3. Peanuts ...
Bei den derzeitigen Überschüssen der Krankenkassen können diese solche Einführungspannen locker verkraften - sie zahlen es ja nicht selbst. Und die rund zwei Millionen Plastikkarten bringen bei den Chinesen (als Hauptabnehmer von Plastikmüll für die Textilindustrie) auch noch etwas Geld - von den Daten ganz zu schweigen. Also Leute, bleibt locker ... Scherz, Satire und Ironie Ende, dafür fassungsloses Kopfschütteln.
Sloptok 22.06.2012
4. Wenn die Daten überflüssig wären...
...dann hätte auch keine Versicherung die Karten in Auftrag gegeben. Ich finde die Idee hinter der Karte genial. Eine PIN einzusetzen geht mir aber irgendwie gegen den Strich (die wievielte PIN soll ich mir noch merken). Als eingetragener praktizierender Arzt sollte man die Daten lesen können, sonst nicht. Die auf der Karte gespeicherten Informationen müssen für jeden Versicherten dann auch kostenlos einsehbar sein (z.B. beim Arzt oder in einer Filiale einer Krankenversicherung). Fertig. So kann dann auch endlich ein weiterer Schritt in die richtige Richtung unseres kranken Gesundheitssystems getätigt werden.
killerbiene 22.06.2012
5. Der gläserne Mensch
ohne Datenschutz, jedem ausgeliefert. Horror
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