Kassiererin Kaiser's verschafft "Emmely" Job in der Nähe ihrer Wohnung

Jetzt also doch: "Emmely", die inzwischen das Symbol für Bagatellkündigungen schlechthin ist, kann ab Montag wieder arbeiten. Nachdem die Kassiererin zwei Angebote ihres Arbeitgebers abgelehnt hatte, bot dieser ihr nach Angaben der "Berliner Zeitung" einen Job in der Nähe der Wohnung an.

Entlassene Kassiererin "Emmely" (Archivbild): Arbeitsweg zu weit
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Entlassene Kassiererin "Emmely" (Archivbild): Arbeitsweg zu weit


Berlin - Die als "Emmely" bekanntgewordene Berliner Kassiererin kann ab Montag wieder arbeiten. Die Frau dürfe wieder an der Supermarktkasse von Kaiser's sitzen, berichtet die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf eine Sprecherin der Lebensmittelkette Tengelmann. Am Montag könne die 52-jährige Kassiererin in einer Kaiser's-Filiale in der Nähe ihrer Wohnung in Hohenschönhausen wieder mit ihrer Arbeit beginnen.

Anfangs soll sie "allgemeine Filialtätigkeiten" erledigen. Nach einiger Zeit könne die Frau dann auch wieder an der Kasse sitzen. Sie müsse vorher noch eine Schulung absolvieren, um ihre Kenntnisse aufzufrischen. "Barbara E. hat vor zwei Jahren das letzte Mal an der Kasse gearbeitet, es hat sich dort einiges verändert", sagte die Unternehmenssprecherin.

Zuvor hatte "Emmely" nach Angaben ihres Anwalts zwei Vorschläge der Supermarktkette, in welcher Filiale sie künftig hinter der Kasse sitzen könnte, abgelehnt. Begründung: Die Arbeitswege seien zu weit. Bis kommenden Montag mache sie erst einmal Urlaub, hieß es.

Vertrauen nicht vollkommen zerstört

Das Bundesarbeitsgericht hatte die fristlose Kündigung der Kassiererin in der vergangenen Woche aufgehoben. Der Berlinerin war nach 31 Dienstjahren fristlos gekündigt worden, weil sie Leergutbelege im Wert von 1,30 Euro unerlaubt für sich eingelöst hatte. Ihr Arbeitgeber begründete den Schritt mit einem Vertrauensverlust.

Der Zweite Senat des Gerichts entschied jedoch, dass das Vertrauen durch das einmalige Delikt nach der langen Betriebszugehörigkeit nicht vollkommen zerstört worden sei. Die Entlassung sei nicht gerechtfertigt, weil nur eine "erhebliche Pflichtwidrigkeit" vorliege. Zudem sei die Schädigung relativ niedrig gewesen.

Seidem ist klar, dass "Emmely" wieder bei dem Supermarkt beschäftigt werden muss. Doch bereits nach dem Gerichtsentscheid ließ sie ihre Zukunft offen: "Emmely" sagte zwar, sie sei von dem Urteil "überwältigt". Ob sie künftig wieder an der Kasse sitzen werde, müsse allerdings abgewartet werden. Sie habe jedoch noch Vertrauen zu ihrem Arbeitgeber.

Der Fall "Emmely" hatte seit der Kündigung bundesweit für Aufsehen und Empörung gesorgt. Ein Komitee "Solidarität mit Emmely" aus Gewerkschaftern und politischen Gruppierungen hatte zu Protestaktionen und Kauf-Boykotten aufgerufen. Ihre Vermutung: Mit der Maßnahme sollte eine engagierte Gewerkschafterin kaltgestellt werden. Zudem stand im Mittelpunkt der Debatte die Frage, ob eine fristlose Kündigung bei Bagatelldelikten noch verhältnismäßig ist.

böl/ddp/Dow Jones/dpa-AFX



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