Krankenkasse KKH "Die Hälfte aller Arztbesuche ist überflüssig"

Jeder zweite Arztbesuch ist nach Darstellung der Kaufmännischen Krankenkasse unnötig. Schuld sind demnach nicht die Patienten, sondern die Ärzte.

Blutdruckmessung beim Arzt
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Blutdruckmessung beim Arzt


Patienten in Deutschland gehen nach Auffassung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) doppelt so oft zum Arzt wie eigentlich notwendig. "Wir haben nicht zu wenig Ärzte, sondern zu viele Arztkontakte", sagte KKH-Vorstandschef Ingo Kailuweit der "Bild"-Zeitung.

Ein Grund für fehlende Facharzttermine seien Verteilungsprobleme. "Hausärzte halten ihre Patienten zu lange", sagte Kailuweit im Gespräch mit der Zeitung. Sie hätten Angst, ihre Patienten zu überweisen. So müssten Patienten häufig mehrere Ärzte aufsuchen, da sie falsch behandelt würden.

Kailuweit warf Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vor, Strukturreformen zur Lösung dieser Probleme zu vernachlässigen. Da der Arbeitgeberanteil am Kassenbeitrag festgeschrieben sei, gebe es kaum Kritik an der Gesundheitspolitik, sagte Kailuweit weiter. Der KKH-Vorstandschef rechnet im laufenden und kommenden Jahr mit einer Kostensteigerung für die gesetzlichen Krankenkassen von 4,5 Milliarden Euro.

pem/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 97 Beiträge
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karljosef 14.09.2016
1. Seit über 40 Jahren nehme ich ein verschreibungspflichtiges Medikament
Zumindest einmal im Quartal muss ich also zum Onkel Doktor, nur um mir diese Verschreibung geben zu lassen bzw. mein Kärtchen einlesen zu lassen, die letzte entsprechende Untersuchung ist Jahrzehnte her. Der Aufwand war mir schon immer ein Rätsel. Und der Onkel Doktor wird jedesmal bezahlt?
dborrmann 14.09.2016
2. Kontrollen, Kontrollen, Kontrollen....
Und Dokumentation und Qualtätsmanagement und kontinuierliche, medizinische Edukation und und und... nur keine Verantwortung übernehmen, dafür aber Schuld zuweisen. Der Leiter der KKH kennt den Alltag des kafkaesken Gesundheitssystems offenbar nicht einmal ansatzweise.
sag-geschwind 14.09.2016
3. Pudel und Kerne
"Da der Arbeitgeberanteil am Kassenbeitrag festgeschrieben sei, gebe es kaum Kritik ...". Das ist eine wichtige Aussage. Da alle weiteren Kostensteigerungen im Gesundheitssystem ausschließlich auf die politisch einflusslose arbeitende Bevölkerung abgewälzt werden, fehlt jedes Korrektiv gegen (für Patienten) nutzlose Kostenfaktoren. Ein Selbstbedienungsladen für das eine Prozent wurde eröffnet.
DJ Doena 14.09.2016
4.
Zitat von karljosefZumindest einmal im Quartal muss ich also zum Onkel Doktor, nur um mir diese Verschreibung geben zu lassen bzw. mein Kärtchen einlesen zu lassen, die letzte entsprechende Untersuchung ist Jahrzehnte her. Der Aufwand war mir schon immer ein Rätsel. Und der Onkel Doktor wird jedesmal bezahlt?
Macht mein Doc genauso. Aber eigentlich ist es nicht zulässig, dass der Doc ein Medikament verschreibt, ohne sie gesehen zu haben. Woher soll er wissen, dass sie genau dieses Dokument in genau dieser Dosierung noch genauso brauchen und nicht stärker/schwächer/anders? Dass die Docs das machen liegt aber auch daran, dass die Standardisierungstabellen, was eine Untersuchung an Zeit zu kosten hat, immer weiter gesenkt wurden und der Doc dann eben die Nullzeit mit ihnen mit dem Snickers-Patienten ausgleicht, wenn es doch mal wieder länger dauert.
spiegelleser987 14.09.2016
5.
Die KKH will wohl mal wieder mehr Geld verdienen. 2012 hat sie schwer Kranke aufgefordert, die KKH zu verlassen. Es ist auch ein Standardprinzip, dass Kranke von den gesetzlichen Versicherungen aufgefordert werden, beim Hausarzt zu bleiben und nicht unbedingt einen Facharzt zu besuchen. Dazu werden die Krankenversicherungen nicht nur Patienten sondern auch Hausärzte aufgefordert haben. Und wenn die Patienten zum Facharzt müssen, sollen sie mehrere besuchen, um einen "günstigen Preis" auszuwählen. Und nun dreht es die KKH wieder alles um.
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