Anbieter vergleichen So sparen Sie bei der Kfz-Versicherung

Hat Ihr Versicherer die Autopolice teurer gemacht? Selbst wenn nicht, lohnt sich meist der Vergleich mit anderen Angeboten - wenn Sie ein paar Dinge beachten.

Neuwagen in Ingolstadt
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Eine Kolumne von


Meine Autoversicherung hat mir die E-Mail mit der Rechnung für 2018 schon geschickt: Fast 570 Euro für Haftpflicht und Teilkasko - 15 Euro weniger als im Jahr zuvor.

Und dennoch handelt es sich um eine Preiserhöhung von 22 Euro: Die Rechnungssumme ist um 15 Euro gefallen, weil ich länger unfallfrei fahre. Aber die Versicherung hätte bei meiner neuen Schadenfreiheitsklasse meinen Preis noch viel weiter senken müssen, um weitere 22 Euro.

Kfz-Versicherer müssen in ihrer Rechnung angeben, ob sie den Preis erhöht haben gegenüber dem, der eigentlich zu erwarten war. Das gehört zum Verbraucherschutz. Das hat meiner auch getan und sich quasi entschuldigt: "Wesentlicher Grund sind die erneut stark gestiegenen Preise für Ersatzteile."

Nützt ihm aber nichts. Bei mir wächst das Geld auch nicht auf den Bäumen. Und genau deshalb wird die Kfz-Versicherung in diesem Jahr minutiös geprüft. Das muss doch preiswerter gehen, obwohl ich schon bei einem günstigen Anbieter bin.

Wenn Sie auch eine solche Erhöhung bekommen haben, nehmen Sie das doch einfach zum Anlass und sich selbst eine Stunde Zeit, ihre Autoversicherung auch zu überprüfen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es günstigere Angebote. Die Erfahrung lehrt, dass die teuersten Angebote oft dreimal so viel kosten wie die günstigsten.

Und so gehen Sie vor:

  • Zuerst überprüfen Sie den Versicherungsschutz:
    Vielleicht fahren Sie 2018 viel weniger Kilometer als zuvor und können deshalb sparen. Ganz sicher sollten Sie ihre Autoversicherung nicht in monatlichen Raten zahlen, das ist viel teurer. Solche Raten kosten im Schnitt rund neun Prozent zusätzlich. Berücksichtigt man, dass es die preiswertesten Tarife oft gar nicht mit monatlicher Zahlweise gibt, liegen Kunden mit monatlicher Zahlweise sogar gut 20 Prozent über den preiswertesten Angeboten .

    Außerdem sollten Sie klären, wer das Auto außer Ihnen noch fahren soll. Wenn Sie allein fahren oder nur der Lebenspartner mitfährt, wird es billiger.

    Eine weitere Frage, die Sie sich stellen sollten: Brauchen Sie den Vollkasko- oder Teilkasko-Schutz noch? Oder ist das treue Auto schon so alt, dass sie auf Kasko verzichten können. Dafür sollten Sie aber den Schutzbrief der Autoversicherung buchen, für die Pannenhilfe. Oder Sie treten in einen Autoklub ein. Günstiger als der ADAC ist zum Beispiel der BAVC.

  • Jetzt wissen Sie, was Sie noch an Schutz brauchen, aber wo gibt es den preiswertesten Vertrag? Den finden Sie auch in diesem Herbst vor allem mit Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24. Auf den Portalen können Sie dann gleich auch den neuen Vertrag abschließen.

  • Aber vorher noch einmal tief Luft holen. Denn einige der günstigsten Anbieter finden Sie auf den Portalen unglücklicherweise nicht. Meine Kollegen haben den Praxistest gemacht und festgestellt: Die für 2018 häufig sehr günstige Hannoversche und den größten Online-Versicherer Huk24 mit seinen günstigen Tarifen können Sie auf den Vergleichsportalen nicht abschließen. Deshalb sollten Sie auch mindestens zweimal vergleichen, um eine möglichst große Marktabdeckung zu bekommen: Auf zwei verschiedenen Vergleichsportalen - oder auf einem Portal und noch bei einem der Direktversicherer.
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Kfz-Versicherungen: Für diese Autos gelten neue Typklassen

Zeitlich drängt es ein bisschen. Bevor Sie ihren alten Vertrag kündigen, sollten Sie ihren neuen Vertrag nämlich in der Tasche haben. Das gilt insbesondere für Kasko-Verträge. Bei der Haftpflichtversicherung muss Sie und Ihr Auto ja jeder Anbieter nehmen, die Angebote unterscheiden sich vor allem über den Preis.

Bei der Kasko-Versicherung allerdings können manche Anbieter - vor allem die günstigen - ganz schön wählerisch sein und Sie einfach nicht versichern wollen. Entweder weil ihr Auto so speziell ist, dass die Versicherung das Risiko nicht will. Oder weil Sie in der jüngeren Vergangenheit gleich mehrfach Unfälle gehabt haben. Dann hält Sie mancher der Versicherer für ein schlechtes Risiko und sperrt Sie aus. Versicherungen sind in solchen Fällen erbarmungslos. Die werfen sogar die eigenen Mitarbeiter mit ihren Privatautos aus der Kfz-Versicherung, wenn die zu oft Unfälle verursachen.

Den alten Vertrag müssen Sie spätestens zum 30. November gekündigt haben. Zwar haben Sie ein Sonderkündigungsrecht von einem Monat, wenn Ihre Versicherung die Preise erhöht hat. Mein Versicherer aber war so clever, die Rechnung für 2018 schon Ende Oktober zu schicken. Das Sonderkündigungsrecht reicht dann auch nicht über den 30. November hinaus.

Vergleichen lohnt sich auch für mich. Ein erster Blick auf die Konkurrenz ergab: Es sind tatsächlich fast hundert Euro Ersparnis drin. Und sogar bei einem etwas komfortableren Tarif bleiben noch 60 Euro übrig. Die Stunde Arbeit hat sich gelohnt.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.
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Seite 1
inecht 04.11.2017
1. huk24 muss man selbst online checken,
... weil die „Vergleichs“-Portale keine neutralen Vergleiche liefern, sondern Versicherungsvermittler mit besonders hoher Provision sind. Check24 ist Versicherungsmakler.
auto-trainer 04.11.2017
2. Typisch mal wieder Herr Tenhagen
Sorry, ich kann diesen Hype zu diesem Thema nicht verstehen - 1.) viele Versicherer legen den Hauptfälligkeitstermin der Versicherung auf das tatsächliche Abschlussdatum (z. B. 15.3.2017 bis 14.3.2018) 2.) viele kaufen hochwertige Autos und wollen sich billig versichern - das passt nicht zusammen - Kunde darf z.B. Nicht in die Werkstatt seines Vertrauens („Schadensteuertarife) - in die billige Werkstatt bedeutet nicht in den Werterhalt seines hochwertigen Kfz zu investieren. 3. mit einem ADAC Schutzbrief ist fast jeder 2. Autofahrer gesegnet - den als erstes abwählen. 4. was passiert bei Verträgen am Ende ( Leasing, 3-Wege-Finanzierungen) wenn der Händler die nicht sach- und fachgerechte Reparatur durch die „Billigwerkstatt“ beanstandet. Nur weil der Kunde meint bei der KFZ Versicherung zu sparen ?!? Herr Tenhagen, ich wünsche für uns Verbraucher von Ihnen mehr und wesentlich umfangreichere Informationen, als Sie jedes Wochenende uns als „Experte“ zur Verfügung stellen .
Racer2017 04.11.2017
3. Bin bei Allianz
Die angeblich so teuer ist. Aber selbst die billigen Direktversicherer bieten mir keine nennenswert günstigeren Tarife an...
tomwessel85 04.11.2017
4. @auto-trainer
Von welcher Investition in den Werterhalt eines hochwertigen Autos reden Sie? Es ist völlig Banane ob Sie die Reparaturarbeiten in Mehmets Karosseriebetrieb machen oder bei Daimler persönlich, solange diese Arbeiten fachgerecht durchgeführt werden. Es ist und bleibt ein Unfallwagen, der mit der Zeit stark an Wert verlieren wird und sich irgendwann unweigerlich dem Schrottwert annähert, weil niemand mehr da ist der für die alte Bastelkiste hohe Preise zu zahlen bereit ist. Im Leasing wird ihnen der Leasinggeber mit Fingerzeig auf den Vertrag schon sagen wo die richtige Reparaturwerkstatt ist...
zeisig 04.11.2017
5. Wegen 100 Euro?
Wegen 100 Euro Ersparnis pro Jahr wechsele ich doch nicht meine Versicherung, mit der ich zufrieden bin !
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