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Trends auf der Spielwarenmesse: Nicht mal spielen kann man mehr in Ruhe

Von , Nürnberg

Kinder sollen tüfteln, programmieren und designen: Manche Neuheiten auf der Spielwarenmesse wirken wie Frühförderprogramme für spätere Ingenieure. Die Branche setzt auf eine zentrale Sorge vieler Eltern.

Wettrüsten im Kinderzimmer: Die Roboter kommen Fotos
DPA

Wer "Zoomer Dino" am Schwanz packt, bekommt den Zorn des Roboter-Dinosauriers zu spüren. Dann blitzen seine Augen rot, auf seinen beiden Rollen fährt er wild herum und schnappt umher. Erst wenn er gestreichelt wird, beruhigt sich der giftgrüne Plastik-Dino wieder und schnuppert freundlich an der Hand. Für viele Eltern dürfte er das perfekte Haustier sein: Macht keinen Dreck und lässt sich per Knopfdruck ruhigstellen.

Der Dino gehört zu den Neuheiten auf der diesjährigen Spielwarenmesse in Nürnberg, die am Mittwoch startet. Und er steht für einen Trend, den die Macher der Messe ausgemacht haben: "Beyond Reality". Soll heißen: Die Kleinen sollen schon früh mit Neuheiten aus der Unterhaltungs- und Elektronikindustrie vertraut gemacht werden - und dabei am besten noch technische Zusammenhänge verstehen lernen. Denn ein weiterer Trend der Messe lautet "Little Scientists".
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Für kleine Forscher und ihre ehrgeizigen Eltern wird der "Meccanoid" präsentiert. Auf der Messe begrüßt der Roboter Besucher mit einem High-Five-Handschlag. Kinder ab zehn Jahren sollen ihn selbst auf solche Kniffe programmieren und ihn auch mit Worten steuern. Zuvor müssen sie ihn aber aus 500 Teilen zusammenbauen. 400 Euro kostet der Roboter. Aber es sei eine gute Investition, wirbt der Hersteller. Denn der Roboter führe die Kinder an Informatik und Technik heran. Und das könne ja für das spätere Berufsleben interessant sein.

Auch bei traditionellem Spielzeug zeigt sich der Trend zu Elektronik: Eine Modelleisenbahn wird per Tablet gesteuert, eine Kugelbahn ist mit Mini-Aufzug und LED-Lampen bestückt.

Spiegelt sich in solchen Spielwarentrends der Ehrgeiz der Eltern wider, ihre Kinder fit für die Berufswelt zu machen? Oder ist es die Spielwarenindustrie, die den Druck erzeugt, Kinder möglichst früh zu fördern? Es ist wohl eine Mischung aus beidem. Lernspielzeug sei oft bei Eltern ohne akademischen Abschluss gefragt. Sie hätten Angst, dass ihre Kinder den Anschluss verlieren, sagt Axel Dammler, der Chef des Marktforschungsinstituts iconkids. Insgesamt hätten deutsche Eltern aber einen weniger fordernden Anspruch als etwa Eltern in den USA, sagt Dammler. Gut möglich also, dass bei den diesjährigen Spielwarentrends viele Anregungen aus Übersee kommen.

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Marktforscher Dammler gehört zu dem Expertenteam, das für die Spielwarenmesse neue Trends aufspürt. Die Fachleute kommen aus unterschiedlichen Bereichen und schauen sich weltweit an, welche gesellschaftlichen Entwicklungen oder neuen Technologien bei Spielsachen Einzug halten. Passen die Beobachtungen der Experten zu den Produkten auf der Messe, wird ein entsprechender Trend ausgerufen.

"Die Trends auf der Spielwarenmesse sollen für die Branche auch ein Tritt in den Hintern sein. Die Gefahr ist groß, dass Hersteller und Händler nur im eigenen Saft köcheln", sagt Dammler. Die Händler in Deutschland suchten oft nach ihren eigenen Vorlieben aus - und sind zugleich Filter dafür, was am Ende in den Kinderzimmern landet. Darum ist die Nürnberger Messe für die Hersteller so entscheidend. Die weltgrößte Spielwarenmesse ist nur für Fachbesucher geöffnet. Rund 75.000 Einkäufer und Fachhändler werden erwartet. Rund eine Million Produkte gibt es zu sehen - von der Babyrassel über Tretautos, Roboter bis hin zu Kartenspielen für Senioren. Doch nur etwa 25.000 Artikel hat ein durchschnittlicher Händler im Angebot. Es wird also hart selektiert.

Der Druck in der Branche ist groß. Nur etwa die Hälfte aller Produkte bleibt länger als zwei Jahre auf dem Markt. Neuheiten - und damit Trends - sind als Umsatztreiber enorm wichtig. Dabei haben sich die Bedürfnisse der Kinder eigentlich nie verändert, sagen Experten. Seit jeher singen, zeichnen, kochen oder basteln Kinder gern. Auf der Messe wird dies nun als "Express yourself"-Trend bezeichnet.

Der Einfallsreichtum zahlt sich für die deutschen Händler aus: 2014 dürfte der Umsatz auch dank eines unerwartet guten Weihnachtsgeschäfts um mehr als vier Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro gestiegen sein. Laut dem Marktforschungsinstitut Eurotoys bekam ein Kind in Deutschland 2013 im Schnitt Spielwaren im Wert von 269 Euro.

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Spielzeug-Trends: Was Kinder freut und Eltern nervt
Ob sich 2015 die von der Spielwarenmesse ausgerufenen Lern- und Kreativtrends durchsetzen, bleibt abzuwarten. Branchenvertreter sehen auch Puppen und Plüschtiere wieder mehr im Kommen.

Für Marktforscher Dammler steht zumindest fest, dass die meisten Eltern inzwischen einen entspannteren Umgang mit Elektronik im Kinderzimmer gefunden haben. Aus Furcht, dass Klassiker wie Puppen und Baukästen verdrängt werden, hätten Eltern ihre Kinder noch vor einigen Jahren von elektronischen Spielsachen abgeschottet. Doch weil Smartphones und Tablets inzwischen so präsent im Alltag seien, gebe es nun "eine friedliche Koexistenz".

Dass Klassiker längst nicht ausgedient haben, zeigt sich auch am Neuheitenstand von Playmobil. Der deutsche Traditionshersteller präsentiert ein Piratenschiff, ein Puppenhaus und ein Eishockeyfeld, das mit Playmobil-Figuren bespielt wird. Von Tablet-gesteuerten Fahrzeugen ist nichts zu sehen.

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1. Und da war es wieder...
thelix 27.01.2015
… Euer altes Problem! *ggg* Bildstrecke, letztes Bild "My little Pony": Liebe Eltern, ihr müsst jetzt stark sein. Denn dieses rosa Pony soll in den kommenden Monaten die Herzen der Mädchen erobern. Entweder hat SpOn die letzten fünf Jahre verpennt (was ich nicht glaube) oder die Bildredaktion macht sich die Arbeit mal wieder ein bisschen SEHR leicht…! ^^ Der Hinweis auf MLP ist übrigens nur exemplarisch...
2. will Kind haben,
alexhent 27.01.2015
aber auch nur so lange, wie ein Strohfeuer brennt. Danach steht dann doch wieder das Hör- oder Brettspiel weiter vorne in der Beliebtheit. Oder halt Lego. Diese Erfahrung mache ich.
3. My little Pony
anna cotty 27.01.2015
Meine Toechter hatten diese rosa ( oder hellblauen, gruenen usw. ) Ponies schon als Spielzeug und meine vierjaehrigen Enkelinnen lieben die auch. Aber ansonsten sind Brettspiele ( inkl. Schach und Monopoly), Lego und Playmobil immer noch das populaerste Spielzeug bei meine 6 und 8 jaehrigen Enkeljungen.
4. Problem
gribofsky 27.01.2015
Ich sehe da eher das Problem das die Kinder zu gehirnlosen Medienkonsummenten erzogen werden. Ich bin über dreißig und hatte meinen ersten Internetanschluß als ich 20 war. Trotzdem kenne ich mich mit PCs um Längen besser aus als die heutige Generation. So baue ich z.B. meine PCs (sehr richtig, Plural) selbst zusammen und bin in meinem Freundes- / Familienkreis derjenige der angerufen wird wenn mit der IT was nicht stimmt. Ein Arbeitskollege (18) hat mir seinen Laptop vorbeigebracht weil "da was nicht stimmt". Normalerweise lasse ich insgesamt 6 Programme über so einen Problemall laufen, aber schon das erste hatte 15 Trojaner und 2250 (!!!) von eben diesen veränderte Dateien und Einstellungen gefunden. Er und seine Freundin (16) haben einfach im Internet auf alles geklickt was sie dazu aufgefordert hat. Vom legitimen Adobe Update bis zum "Windows Optimierer" auf einer Filesharing Seite. Wenn ich bedenke das diese Generation mit dem Internet aufgewachsen ist läuft es mir kalt den Rücken runter. Von daher finde ich es richtig und vor allem wichtig Kinder nicht nur mit dem Konum, sondern mit der Technik dahinter vertraut zu machen.
5.
SethSteiner 27.01.2015
Elektronik, Tüftelei, Programmierei, Design das ist doch alles großartig.Was aber die ganze Industrie rund um Kinder mal angehen sollte ist ihr latenter Sexismus und ihre Gleichschaltungsfantasien von Mädchen und Jungen.
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