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Pflichtangabe der Steuernummer: Was Eltern jetzt beim Kindergeld beachten müssen

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Mutter mit Kindern (Archivfoto): Einjährige Schonfrist Zur Großansicht
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Mutter mit Kindern (Archivfoto): Einjährige Schonfrist

Wer Kindergeld erhalten will, muss künftig die Steuer-Identifikationsnummer angeben. Die Behörden informieren Eltern über diese Änderungen vorerst nicht - aber das ist kein Grund zur Panik.

Herrscht in Ihrer WhatsApp-Gruppe auch schon Panik? Unter Eltern geht derzeit das Gerücht um, ohne Steuernummer gebe es schon in sechs Wochen kein Kindergeld mehr. Die Aufregung ist groß, denn noch haben weder Familienkasse noch Finanzministerium oder Agentur für Arbeit die Betroffenen selbst unterrichtet.

Dabei ist die Sachlage auf den ersten Blick recht simpel: Vom kommenden Jahr an müssen Eltern beim Kindergeldantrag der Familienkasse die Steuer-Identifikationsnummer mitteilen. Diese Neuregelung hat die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in einer schlichten Pressemitteilung bekannt gegeben. Aber was bedeutet das für Eltern und Kinder? Um welche Nummern geht es eigentlich, und wie sollen sie übermittelt werden? Der Überblick:

Was ist neu?

Eltern müssen vom kommenden Jahr an ihre eigene Steuer-Identifikationsnummer sowie die des jeweiligen Kindes beim Antrag auf Kindergeld bei der zuständigen Familienkasse angeben. Die Regelung ist ab dem 1. Januar 2016 eine gesetzliche Voraussetzung, um überhaupt Kindergeld beziehen zu dürfen. Die neue Regelung soll eine doppelte Auszahlung des Kindergeldes verhindern.

Wird säumigen Eltern das Kindergeld gestrichen?

Nein, vorerst nicht. Zwar müssen Eltern die Nummer umgehend angeben, allerdings gibt es eine Übergangsfrist: Das ganze Jahr 2016 über könne die Nummer nachgereicht werden, sagte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit, zu der die Familienkasse gehört, SPIEGEL ONLINE. Obwohl die Regelung schon im Januar in Kraft tritt, drohen zunächst also keine Konsequenzen. Betroffene Eltern sollen zudem im Laufe des kommenden Jahres von den Behörden informiert werden.

Und wenn die Daten auch 2017 noch fehlen?

Sollten die Nummern auch in gut einem Jahr den Behörden noch nicht vorliegen, droht eine Unterbrechung der Zahlungen: Dann würde das Kindergeld erst wieder ausgezahlt, sobald die Daten übermittelt sind, sagte der Sprecher weiter. Das Geld werde jedoch nachträglich überwiesen, nachdem die Steuernummern bei der Familienkasse eingegangen seien.

Sehr viel ärgerlicher wäre für viele Eltern wohl eine andere Konsequenz: Da ohne Steuer-IdNr die gesetzliche Grundlage für die Auszahlung von Kindergeld fehlt, muss die Familienkasse spätestens 2017 die Kindergeldzahlung rückwirkend zum 1. Januar 2016 aufheben - und wird dann das seit Januar 2016 gezahlte Kindergeld zurückfordern.

Was ist die Steuer-Identifikationsnummer?

Bei der sogenannten Steuer-IdNr - nicht zu verwechseln mit der inzwischen abgeschafften Steuernummer - handelt es sich um eine Art digitale Lohnsteuernummer, die das Finanzministerium seit 2008 für alle Bundesbürger eingeführt hat. Zugeteilt wird sie vom Bundeszentralamt für Steuern und gilt ab dem frühesten Kindesalter bis zum Tod für alle Personen, die mit Hauptwohnung oder alleiniger Wohnung in einem Melderegister in Deutschland erfasst sind. Neugeborene erhalten sie automatisch.

Die Nummer findet sich etwa auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers oder im Einkommensteuerbescheid. Wer sie verlegt, verloren oder vergessen hat, kann sie sich über dieses Online-Formular erneut zusenden lassen.

Wie können Eltern die Steuernummern übermitteln?

Am einfachsten ist das für Eltern, die jetzt erst Kindergeld beantragen - denn auf Neuanträgen gibt es ein spezielles Angabefeld für die Steuer-IdNr (hier geht es direkt zu den Antragsformularen). Familien, die bereits Kindergeld erhalten, müssen jedoch selbst daran denken, die Information nachzureichen.

Das geht allerdings nur schriftlich, wie das Bundeszentralamt für Steuern wissen lässt: "Wenn Sie ohnehin Belege oder Nachweise einreichen müssen oder aus anderen Gründen bereits in Kontakt mit Ihrer Familienkasse stehen, teilen Sie die ab 2016 erforderlichen Steuer-Identifikationsnummern bei dieser Gelegenheit am besten gleich mit."

Und wenn ich immer noch Fragen habe?

Dann können betroffene Eltern sich auf den Seiten des Bundeszentralamts für Steuern und der Agentur für Arbeit informieren - oder direkt dort anrufen: Die Familienkasse bietet eine kostenlose Service-Rufnummer an (0800 4 5555 30, montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr). Für Anrufer aus dem Ausland gibt es eine gebührenpflichtige Hotline: 0049 911 1203 1010.

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insgesamt 36 Beiträge
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    Seite 1    
1. und was ist da schlimm dran
spon-1310070297731 12.11.2015
jeder Arbeitnehmer muss seine Steuernummer beim Arbeitgeber angeben. Oder haben hier einige was zu verheimlichen?
2. Tabuthema
artusdanielhoerfeld 12.11.2015
Zitat von spon-1310070297731jeder Arbeitnehmer muss seine Steuernummer beim Arbeitgeber angeben. Oder haben hier einige was zu verheimlichen?
Die Neuregelung richtet sich gegen Familien mit zahlreichen Kindern, die Verwandte in verschiedenen Bundesländern haben und die die Kinder dort mehrfach registrieren und bezahlen lassen. Wesentlich hierbei ist nicht die St.-Ident-Nr. der Eltern, sondern die der Kinder.
3.
no_title 12.11.2015
Ich verstehe auch nicht, wo das Problem ist, wenn jeder diese Nummer hat bzw. einfach erfragen kann.
4.
no_title 12.11.2015
Zitat von artusdanielhoerfeldDie Neuregelung richtet sich gegen Familien mit zahlreichen Kindern, die Verwandte in verschiedenen Bundesländern haben und die die Kinder dort mehrfach registrieren und bezahlen lassen. Wesentlich hierbei ist nicht die St.-Ident-Nr. der Eltern, sondern die der Kinder.
Für Eltern ohne Betrugsabsicht verschlechtert sich dadurch dann doch überhaupt nichts.
5. Schlechter geht es nicht
master318 12.11.2015
Der Beitrag ist in vielen Punkten falsch! Weder ist die Steuernummer abgeschafft, noch handelt es sich bei der Steuer-IDNr. um eine Art Lohnsteuermerkmal. Die Steuer-IDNr. erhalten ALLE, mittlerweile sogar schon kurz nach der Geburt. Das hat mit Lohnsteuer aber auch gar nichts zu tun.
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