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Produkte von Danone und Nestlé: Lebensmittelaufsicht beanstandet Kindermilch

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Kindermilch ist einer der Wachstumsbringer der Nahrungsmittelbranche. Das Spezialprodukt ist allerdings nicht so sinnvoll wie behauptet. Jetzt hat die Lebensmittelaufsicht nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Unterlassungsbescheide verschickt.

Hamburg - Es ist unangenehme Post, die zwei Lebensmittelkonzerne im Juni bekommen haben: Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) fordert die Unternehmen darin auf, ihre Kleinkindmilchgetränke vom Markt zu nehmen oder anders zu bewerben. Der Grund: Die Produkte sind "hinsichtlich der Zusammensetzung nicht an die Ernährungsbedürfnisse von Kleinkindern angepasst" und eigneten sich folglich nicht "zur besonderen Ernährung dieser Personengruppe".

Eines der beanstandeten Produkte ist "Milumil Meine Kindermilch 2+", von Milupa, der zum französischen Nahrungsmittelkonzern Danone gehört. Das andere ist die "Beba Kleinkind-Milch 2+" des Lebensmittelmultis Nestlé. Die Unternehmenssprecher bestätigten, dass Unterlassungsbescheide eingegangen seien, wiesen aber darauf hin, dass nicht die Produkte beanstandet worden seien, sondern die Kennzeichnung.

BfR empfiehlt Kuhmilch statt Kindermilch

Hintergrund ist ein Streit, der seit fast einem Jahr läuft. Die deutschen Verbraucherzentralen hatten im August 2011 sogenannte "Kindermilch"-Produkte untersucht und festgestellt: Die mit Vitaminen angereicherten Produkte sind keineswegs besser als Kuhmilch, aber bis zu vier Mal so teuer. Im Wesentlichen bestehen sie aus Pulver, das auf Basis von Magermilch mit Zutaten wie Maltodextrin als Füllstoff, pflanzlichem Öl, Zusatzstoffen und Aroma zusammengemischt würde. Einige Produkte würden zudem mit hohem Calciumgehalt beworben, obwohl dieser um ein Drittel geringer sei als bei Kuhmilch.

Nach der öffentlichen Kritik der Verbraucherschützer kam auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu dem Ergebnis, dass diese Milchprodukte "nicht an die Ernährungsbedürfnisse von Kindern im Alter von ein bis drei Jahren angepasst" sind. Für Kleinkinder werde stattdessen "im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung der Verzehr von fettreduzierter Kuhmilch empfohlen".

Abgeordnete begrüßt die Entscheidung

Einige Abgeordnete der Grünen-Bundestagsfraktion blieben an dem Thema dran, unter ihnen Nicole Maisch. Die hessische Grüne begrüßt die Entscheidung des BVL, Unterlassungsbescheide zu verschicken: "Unsere Penetranz hat sich gelohnt. Die Hersteller können Verantwortung übernehmen, indem sie das Verfahren nicht unnötig in die Länge ziehen."

Danone und Nestlé haben nach Eingang einen Monat Zeit, Widerspruch gegen den Unterlassungsbescheid einzulegen.

Lukrativer Markt für die Konzerne

Auf den Verkauf werden die Konzerne kaum verzichten. Die Herstellung aus günstigen Zutaten macht Kindermilch zu einem gewinnträchtigen Produkt, das zudem auf einen enorm wachstumsstarken Markt zielt: Das Segment für Kindernahrung legt rund 30 Prozent im Jahr zu - eine Rekordmarke im eher stagnierenden Lebensmittelsektor. Die Branche schätzt das Umsatzpotential mit Produkten, die für ein- bis dreijährige Kinder gedacht sind, auf 200 Millionen Euro.

Tatsächlich gerät die Branche immer stärker unter Druck: Zwar verkaufen sich Wurst, Joghurt, Pudding oder Ketchup speziell für Kinder enorm gut, die Kritik aber wächst. Die Verbraucherorganisation Foodwatch untersuchte 1500 Kinderlebensmittel und kam zu dem Schluss: Drei Viertel der angebotenen Produkte sind zu süß und zu fett. Das Ergebnis deckt sich mit der Erkenntnis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE),die zudem Eltern einen einfachen Rat gibt: "Kinderlebensmittel sind schlicht überflüssig".

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1. Dieser Artikel
agua 29.06.2012
entspricht meiner Meinung.Gewisse Konzerne versuchen mit immer mehr Erfolg den immer juengeren Konsumenten zu erreichen.Ich finde diese Bezeichnungen wie Kinderwurst oder Kindermilch auch lustig,weil es mit dieser Bezeichnung nicht mehr um den Ursprung des Lebensmittel sondern um die Zielgruppe geht.
2.
Sleeper_in_Metropolis 29.06.2012
Zitat von aguaentspricht meiner Meinung.Gewisse Konzerne versuchen mit immer mehr Erfolg den immer juengeren Konsumenten zu erreichen.Ich finde diese Bezeichnungen wie Kinderwurst oder Kindermilch auch lustig,weil es mit dieser Bezeichnung nicht mehr um den Ursprung des Lebensmittel sondern um die Zielgruppe geht.
Allerdings sind es ja gerade bei den im Artikel erwähnten Produkte ausschließlich überbesorgte Eltern, die das Zeug kaufen und somit zum enormen Wachstum in diesem Produktsegment sorgen. Wurst mit Gesichtern z.B. mag ja noch unterhaltsam für die Kinder sein, aber bei den meisten "speziell für Kinder" hergestellten Produkten wäre das ganz normale Vergleichsprodukt wohl meist mindestens genauso gut geeignet, dafür aber wesentlich preiswerter.
3.
sfb 29.06.2012
Zitat von aguaentspricht meiner Meinung.Gewisse Konzerne versuchen mit immer mehr Erfolg den immer juengeren Konsumenten zu erreichen.Ich finde diese Bezeichnungen wie Kinderwurst oder Kindermilch auch lustig,weil es mit dieser Bezeichnung nicht mehr um den Ursprung des Lebensmittel sondern um die Zielgruppe geht.
Vielleicht sollte man einmal untersuchen, ob es einen Zusammenhang zwischen zunehmenden Allergien und der Aufzucht von Kindern mit Industrienahrung gibt.
4. Wo ist das Problem?
OskarVernon 29.06.2012
Zitat von Sleeper_in_MetropolisAllerdings sind es ja gerade bei den im Artikel erwähnten Produkte ausschließlich überbesorgte Eltern, die das Zeug kaufen und somit zum enormen Wachstum in diesem Produktsegment sorgen. Wurst mit Gesichtern z.B. mag ja noch unterhaltsam für die Kinder sein, aber bei den meisten "speziell für Kinder" hergestellten Produkten wäre das ganz normale Vergleichsprodukt wohl meist mindestens genauso gut geeignet, dafür aber wesentlich preiswerter.
Daß das Zeugs schädlich wäre, behaupten noch nicht mal engaierte Verbraucherschützer wie Frau Maisch - deren Kritik beschränkt sich folgerichtig auf "teuer und überflüssig". Was stimmen mag - na und? Niemand braucht dieses und vieles andere teure Zeug zu konsumieren ;-) Fordern Sie ein von "oben" vorgegebenes (d.h. eingeschränktes!) Einzelhandelssortiment mit Einheitsprodukten zu Einheitspreisen..? oO
5. Anfixen
hman2 29.06.2012
Zitat von OskarVernonDaß das Zeugs schädlich wäre, behaupten noch nicht mal engaierte Verbraucherschützer wie Frau Maisch - deren Kritik beschränkt sich folgerichtig auf "teuer und überflüssig". Was stimmen mag - na und? Niemand braucht dieses und vieles andere teure Zeug zu konsumieren ;-) Fordern Sie ein von "oben" vorgegebenes (d.h. eingeschränktes!) Einzelhandelssortiment mit Einheitsprodukten zu Einheitspreisen..? oO
Falsch. "Zu süß" und "zu fettig" haben Sie wohl überlesen. Und das ist sehr wohl ungesund. Den Konzernen geht es hier um das sogenannte "Lock in", den Konsumenten so früh es nur geht auf den geschmackfreien, synthetisch aromatisierten Geschmack von Industrienahrung zu konditionieren. Rechtzeitig gemacht lehnen die Kinder dann jede Form richtig schmeckender und natürlicher Ernährung ab, weil sie ihnen nicht schmeckt... Die zukünftigen Süchtigen müssen halt frühzeitig angefixt werden.
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